Tesla hat in Holland, wie angekündigt, damit begonnen, seine Supercharger auch für Nicht-Tesla-Fahrer zur Verfügung zu stellen. Ganze zehn neue Ladesäulen sind mit der Tesla-App verwendbar. In Deutschland wird es immerhin an knapp hundert Standorten neue Lademöglichkeiten geben. Eine neue Nutzerfreundlichkeit ist dadurch leider noch nicht eingekehrt, denn das Laden geht nur über die App und nur über CCS-Stecker. Hierfür wären einfaches Bezahlen wie im Supermarkt oder Pflicht-Roaming wichtige Zutaten.

Was muss sich noch ändern, um Elektromobilität einfacher, niedrigschwelliger und bequemer zu machen? „Futurewoman“ Tina Zierul, Verantwortliche für den Bereich politische Beziehungen beim Ladedienstleister ChargePoint in Deutschland, sieht an vier Punkten Handlungsbedarf. Ein Gastbeitrag der Volkswirtin, die Mitglied der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität ist, dem Beratungsgremium der Bundesregierung nicht nur in Fragen der Elektromobilität.

1. Mehr Ladepunkte, weniger Apps, Karten und Abos

Obwohl die Nachricht, dass Tesla seine Supercharger öffnet, ein großes Medienecho erfahren hat, bedeutet sie nur eine kleine Verbesserung. Das hat zwei Gründe: Erstens wird es in Deutschland an etwa 90 Standorten ein paar Ladesäulen mehr geben, deren Power vom Gros der E-Fahrer nicht genutzt werden kann. Der Renault Zoe, das beliebteste E-Auto hierzulande, kann nur mit 50 kW laden, obwohl die Ladesäule 90-145 kW bietet. Zweitens wird das Laden nur über die Tesla-App möglich sein, ein typisches Abonnement befindet sich in Entwicklung.

Tina Zierul
Die 46-jährige Volkswirtin arbeitet seit 2002 in der Energiewirtschaft, unter anderem für E.On. Foto: Privat

Nutzerfreundlicher wird die Elektromobilität dadurch nicht. Für mehr Ladesäulen wäre es zielführender, Lademöglichkeiten im gewerblichen Bereich durch die KfW zu fördern. Dies wurde bereits häufig angekündigt – passiert ist bisher allerdings noch nichts.

Um der ausufernden Anzahl an Lade-Apps und Lade-Abos entgegenzuwirken, könnte verpflichtendes Roaming helfen – im Idealfall ähnlich wie beim Mobilfunk-Roaming europaweit. Nutzer, die beispielsweise die ChargePoint-App nutzen, hätten so auf einen Schlag viel mehr Möglichkeiten, ihr Elektroauto zu laden. Auch der Umstieg auf ein Elektroauto würde so einfacher werden, da Interessierte nicht von der großen Menge an Apps, Ladekarten und Abo-Modellen abgeschreckt werden.

2. Streitpunkt Kartenzahlung

Kritiker der Kartenzahlung finden, dass die gute alte Plastikkarte überholt ist und ein Antiquariat aus den Tagen des Verbrenner-Motors darstellt. Der durchschnittliche E-Fahrer bezahle heute mit dem Smartphone, das ohnehin der alltägliche Begleiter geworden ist: mobil Musik hören, mobil die Steuererklärung machen – und eben auch mobil bezahlen.

Dem gegenüber steht der E-Fahrer, der an einer Raststätte im ländlichen Raum sein Auto laden will, aber nicht die zur verfügbaren Ladestation passende App oder Ladekarte besitzt. Während er den mehrstufigen Registrierungsprozess bei eventuell schlechtem Mobilfunkempfang durchläuft, bei dem er seine Kreditkartendaten hinterlegen muss, fragt er sich: Warum nicht einfach wie im Supermarkt via NFC bezahlen? Einfach die virtuelle Karte im Smartphone (oder die physische Karte) an die Ladesäule halten und bezahlen.

Peter Altmeier und Olaf Scholz, die im Mai die Änderung der Ladesäulenverordnung (LSV) vorangetrieben haben, haben sich für die zweite Variante eingesetzt und so Fahrern mit und ohne Smartphone, mit und ohne Internetverbindung, mit und ohne passender Lade-App den Zugang zur Elektromobilität erleichtert. Die Änderung wurde im September vom Bundesrat ohne Anpassungen übernommen.

3. Keine PIN-Pads, dafür Strandurlaub

Da die deutsche Ladesäulenverordnung (LSV) vielen als Blaupause für ein mögliches neues EU-Gesetz gilt, richten sich die Blicke gen Brüssel. Die 2014 verabschiedete AFID (Verordnung zum Aufbau einer Infrastruktur für alternative Kraftstoffe) mündete in einem Flickenteppich von länderspezifischen Gesetzen. Ein eigener regulatorischer Rahmen für Elektromobilität würde demgegenüber Abhilfe schaffen.

Gemäß der LSV müssen neue Ladesäulen ab Juli 2023 die Möglichkeit zur Kartenzahlung bieten. Kritiker befürchten daher einen langsameren Ausbau der Ladeinfrastruktur, da Säulen mit einem Kartenlesegerät auf dem der PIN eingegeben werden kann, teurer werden. Wenn in der EU in Zukunft wirklich nutzerfreundlich gezahlt werden soll, muss definiert werden, dass virtuelle Kredit- und Debitkarten im Smartphone ebenso unter die Bezahlmöglichkeiten fallen wie physische Karten. So wären keine PIN-Eingabegeräte an Ladesäulen notwendig und der Ladesäulenausbau könnte viel günstiger (und damit schneller) erfolgen als aktuell geplant.

Schnellladepark Hilden
Tesla-Charger im Ladepark Hilden
In Holland dürfen neuerdings auch Fahrer von Fremdfabrikaten die Ladesäulen nutzen. Dafür braucht es jedoch die Tesla App.

Reisende auf dem Weg nach Italien könnten auch von unterwegs bequem mit Kreditkarte bezahlen – ebenso, wie sie es bereits von Tankstellen gewohnt sind. So stünde dem E-Auto-Kauf ein Strandurlaub nicht mehr im Wege.

4. Keine Suche mehr per Handy nach Ladeplätzen

Nutzerfreundliches Laden beginnt bereits bei der Suche nach der nächsten Ladesäule. Derzeit sind viele E-Fahrer noch gezwungen, sich auf ihr Smartphone zu verlassen statt auf das Infotainment-System ihres Autos. Es ist nicht nur nervig, Routen und Stopps bis ins Detail vorab zu planen, sondern auch gefährlich, wenn Autofahrer während der Fahrt eine geeignete Ladesäule suchen.

Idealerweise sind Echtzeit-Ladedaten direkt im Infotainment-System des Fahrzeugs abrufbar. Ein paar der großen Ladeinfrastruktur-Anbieter verknüpfen ihre Systeme bereits mit denen der Fahrzeuge. So kommen die relevanten Ladedaten direkt aufs Display des Infotainment-Systems.

Der Ladesoftware-Spezialist ChargePoint beispielsweise hat Integrationen für Mercedes/Daimler, Polestar, Android Auto und Apple CarPlay. Der Bildschirm im Fahrzeug zeigt dann Ladestationen nach Ladegeschwindigkeit, Status, unterstützten Steckeranschlüssen, Kosten sowie nach Kompatibilität mit dem Fahrzeug. Dadurch lassen sich Stationen einfach finden, Fahrer werden über verfügbare Stationen benachrichtigt und auch Ladevorgänge können bequem vom Auto aus gestartet werden.

Wo sehen Sie den größten Nachbesserungsbedarf? Diskutieren Sie mit.

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