Manchmal lassen sich mit kleinen Verbesserungen große Fortschritte erzielen: Die vollelektrische Version des Hyundai Kona etwa rollt künftig mit einer Ladung seines 64 Kilowattstunden (kWh) Strom fassenden Akkus künftig acht Prozent weiter als bisher – 484 Kilometer statt wie zuvor 449 Kilometer. Die Koreaner haben dafür nicht etwa die Batterie optimiert, sondern einfach den Stromverbrauch des Autos reduziert: Durch die Montage besonders laufwiderstandsarmer Reifen vom Michelin Primacy 4. Zudem schraubte man ein wenig am Fahrwerk herum, um die Aerodynamik zu verbessern, teilte der Autohersteller dieser Tage mit. Kann das sein?

35 Kilometer mehr mit Michelin Primacy 4

Natürlich sind das erst einmal nur theoretische Werte für den rund 1,7 Tonnen schweren Kompakt-SUV, der in seiner Topversion mit dem in Europa stark gefragten großen Akku seit kurzem in einem neuen Werk im tschechischen Nošovice montiert wird. Das schwächere, 100 kW starke Modell mit 39,2-kWh-Akku wird hingegen weiterhin aus Südkorea importiert. Der Energieverbrauch des Hyundai Kona Elektro mit 150 Kilowatt (kW) Motorleistung wurde auf dem Rollenprüfstand nach dem neuen europäischen Fahrzyklus WLTP mit 14,7 KWh ermittelt. Zuvor war hier ein Wert von 15,4 kWh angegeben – das Auto rollte da noch auf Reifen des südkoreanischen Herstellers Nexen vom Typ N’Fera SU1 in der Dimension 215/55 R17.

Schön fürs Auge, aber nicht für die Reichweite
Die neue Zoe bietet Renault mit verschiedenen Radgrößen an. Die 17-Zöller reduzieren allerdings die Reichweite – auch weil an der Antriebsachse breitere Reifen vom Typ Michelin Primacy 4 montiert sind, um die Kraft des Motors auf dem die Straße zu bringen. Foto: Rother

An der Reifendimension hat sich nichts geändert, nur das Reifenfabrikat änderte sich. Michelin hat für Hyundai eine spezielle Variante seines Modells Primacy 4 entwickelt, das unter anderem auch beim Renault Zoe in der neuesten Entwicklungsstufe zum Einsatz kommt. Auch Opel setzt beim Corsa-e auf diesen Reifen. Der Sommerreifen ist speziell für Fahrzeuge mit einem hohen Fahrzeuggewicht entwickelt. Er verfügt deshalb über eine stabilere Karkasse und gilt als besonders langlebig. Obendrein verfügt der Reifen über einen niedrigen Rollwiderstand – das ist die Kraft, die erforderlich ist, um ein Rad in Bewegung zu setzen.

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„Generell“, schreibt dazu Michelin, „gilt es bei Reifen im E-Einsatz, den Rollwiderstand zu reduzieren, sodass die Reichweite der Batterie maximal genutzt werden kann. Denn je niedriger der Rollwiderstand ist, desto niedriger der Energieverlust der Batterie.“ Dazu helfen Gummimischunge, die beim Kontakt mit der Fahrbahn nur eine geringe Reibung entwickeln. Da Elektrofahrzeuge in der Regel mit niedrigeren Geschwindigkeiten unterwegs sind als benzingetriebene Sportwagen, können Aspekte etwa der Nasshaftung ein wenig in den Hintergrund treten – ohne darüber natürlich Sicherheitsaspekte zu vernachlässigen. Auch beim neuen Reifentyp Agilis 3, den Michelin speziell für elektrogetriebene Transporter wie den e-Caddy von Abt oder den Iveco Daily Electric entwickelt hat, wurde hier ein guter Kompromiss gefunden.

Die Arbeit an Spezialreifen für Elektroautos ist allerdings gerade erst so richtig in Bewegung gekommen – bislang lohnten die Stückzahlen die aufwändige Reifenentwicklung nicht. Das gilt vor allem für Reifen für den Ersatzbedarf – die Hersteller haben sich bislang auf Reifen für die Erstausrüstung der Fahrzeuge ab Werk konzentriert. Allerdings können die Käufer von Elektroautos selbst schon eine Menge tun, um mit einer Akkuladung möglichst weit zu kommen. Durch eine vorausschauende Fahrweise und einen behutsamen Umgang mit dem Fahrpedal: Bei Tests im Alltagsverkehr mit dem Hyundai Kona Elektrik wurden so bereits in der Vergangenheit Durchschnittsverbräuche deutlich unter den Herstellerangaben erzielt. Helfen kann auch eine leichte Erhöhung des Reifendrucks: Je kleiner die Aufstandsfläche, desto geringer der Rollwiderstand.

Mit kleineren Rädern größere Reichweite

Wer seinen Stromer besonders effizient fahren möchte, wählt deshalb bei der Bestellung des Autos – wo möglich – ein Fahrzeug mit geringerer Reifenbreite und Felgendurchmesser. Allein darüber lässt sich schon eine Menge Wegstrecke gewinnen. Beispiel gefällig? Auf Rädern in der Dimension 15 Zoll kommt der neue Renault Zoe laut Herstellerangaben bis zu 395 Kilometer weit, auf 17-Zöllern nur 360 Kilometer. Ähnliche eklatante Unterschiede ergeben sich auch beim Tesla Model Y oder beim Audi e-tron: Eine Nummer kleiner trägt im Zweifel weiter.

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1 Kommentar

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    Damit sollte das Model 3 mit 14,9 kWh/100 km wieder vom Thron des Energieeffizientesten BEV gestossen worden sein.

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