Die Lust der Deutschen auf Elektromobilität wächst – endlich wieder. Das zeigt zumindest das neue HUK-Barometer, das diese Umstiegshäufigkeit in Deutschland seit 2020 messbar macht Im ersten Quartal 2026 wechselten demnach 7,5 Prozent der Versicherten von einem Benziner und Diesel auf einen Stromer, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr 2025 wechselten nur 5,5 Prozent der Bestandskunden zu einem Fahrzeug mit Elektroantrieb, im letzten Quartal 2025 6,3 Prozent. Im vergangenen März – nach dem Ausbruch des Irankrieges und der Preisexplosion an den Tankstellen – gab es einen richtigen Schub für die Antriebswende: 8,9 Prozent der privaten Autokunden wechselten von einem Verbrenner zu einem Batterieauto.
Eine Zahl fällt dabei besonders auf. Jüngere Autofahrer unter 40 Jahren wechselten im März mit einer Quote von 7,8 Prozent fast doppelt so häufig auf ein Elektroauto wie noch im Gesamtjahr 2025. Damals betrug der Wert nur bei 4,0 Prozent. Bei Bewohnern einer Mietwohnung, auch das zeigt die Analyse der Versicherung, kletterte die Umstiegsquote von 2,2 auf 4,1 Prozent. Bei Autofahrern ohne eigenen Carport oder Garage von 3,6 auf 6,3 Prozent. Das ist insofern wichtig, weil diese überwiegend in der Stadt lebende Klientel der Elektromobilität bislang eher skeptisch gegenüberstand – unter anderem, weil sie auf öffentliche Ladestationen angewiesen waren, wo der Strom deutlich teurer ist.
E-Auto-Prämie erhöht Wechselbereitschaft
Stark befördert wird die Wechselbereitschaft neben den hohen Benzinpreisen an der Tankstelle auch von der neuen E-Auto-Prämie der Bundesregierung. Bei der Befragung durch die HUK Coburg gab jeder fünfte Kunde mit Führerschein (18 Prozent) an, dass ihn die finanzielle Unterstützung zumindest ins Grübeln gebracht hat. Elf Prozent denken nun erstmals überhaupt über die Anschaffung eines batteriegetriebenen Fahrzeugs nach, sieben Prozent wollen den ohnehin geplanten Kauf eines Stromers nun wahrscheinlich vorziehen. Besonders deutlich reagieren junge Eltern mit minderjährigen Kindern – für die es eine Extra-Prämie gibt. 32 Prozent sehen dies als positiv an.
Jörg Rheinländer, im Vorstand der HUK-COBURG zuständig für die Kfz-Versicherung, resümiert: „Die an Einkommenshöhen und Kinderzahl gekoppelte neue staatliche Förderung für Elektroautos zeigt offenkundig Wirkung in den Zielgruppen. Viel spricht daher dafür, dass eine Ausdehnung der Förderung auch auf gebrauchte E-Autos den Trend noch deutlich verstärken könnte, weil niedrigere Anschaffungskosten ein entscheidender Hebel im E-Automarkt sind.“

Spannend ist dabei der Kontrast zum HUK-Barometer aus dem vierten Quartal 2025. Damals zeigte die Auswertung noch sehr deutlich, wie stark Elektromobilität vom eigenen Stellplatz und vom Wohneigentum abhängt. Immobilienbesitzer hatten dreimal so häufig ein reines Elektroauto wie Mieter, 81 Prozent aller privaten E-Autos wurden von Menschen mit Haus oder eigener Wohnung gefahren. Das passte zum bisherigen Bild: Stromer waren vor allem dort attraktiv, wo zu Hause günstig geladen werden konnte. Jetzt gerät dieser Umstand zumindest in der Bewegung. Der Bestand ist weiterhin von Eigentümern geprägt, doch bei den Umstiegen holen Mieter und Laternenparker sichtbar auf.
BYD und Leapmotor verdoppeln ihre Anteile
Allerdings fließt das Geld aus dem deutschen Bundeshaushalt nicht zwangsläufig in die Kassen der heimischen Autoindustrie. Denn die Fördergelder kurbeln vor allem den Verkauf preisgünstigerer Elektroautos. In der HUK-Auswertung zählen BYD und Leapmotor zu den größten Gewinnern der Entwicklung. Leapmotor verdoppelte seinen Anteil an den Kfz-Versicherungen bei der HUK von 1,8 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf 3,6 Prozent im ersten Quartal 2026. Der Anteil von BYD stieg von 0,8 auf 2,0 Prozent.

Aber auch der Stellantis-Konzern profitierte. Laut HUK-Barometer stieg etwa der Anteil von Citroën an den Versicherungsverträgen von 1,6 auf 4,2 Prozent und der von Peugeot von 1,5 auf 3,1 Prozent. Der „Marktanteil“ von Opel kletterte von 2,5 auf 4,6 Prozent, während der von Fiat nur leicht von 2,6 auf 2,9 Prozent wuchs. Tesla gehört ebenfalls zu den großen Gewinnern. Der Anteil der Marke bei den Umsteigern zum Elektroauto sprang von 5,6 Prozent im Gesamtjahr 2025 auf 13,6 Prozent im ersten Quartal 2026. Vor allem das in Deutschland produzierte Model Y erfuhr einen kräftigen Schub.
Skoda-Anteil wächst – aber alle anderen verlieren
Und die Deutschen? Die VW-Tochter Škoda konnte seinen Anteil an den Kfz-Versicherungsverträgen der HUK Coburg zwar von 14,1 auf 14,6 Prozent leicht erhöhen – und ist damit die am stärksten vertretene Einzelmarke im Portfolio der Assekuranz. Aber der gesamte VW-Konzern kommt inzwischen nur noch auf 28 Prozent (Škoda: 14,6 %, VW: 5,6 %, Cupra: 5,6 %, Audi: 1,9 %, Porsche: 0,3 %). Im Jahr 2025 lag der Anteil des Konzerns noch bei über 35 Prozent (Škoda: 14,1 %, VW: 9,7 %, Cupra: 8,7 %, Audi: 1,9 %, Porsche: 1,0 %).
BMW rutscht von 9,9 auf 5,8 Prozent – trotz der „Neuen Klasse“, deren Verkaufserfolg sich wohl erst später in der Bilanz der Versicherung niederschlägt. Auch Cupra verliert – der Anteil fiel von 8,7 auf 5,6 Prozent. Ford fiel erwartungsgemäß von 5,8 auf 4,1 Prozent, Mini von 3,2 auf 1,6 Prozent: Wer im privaten E-Auto-Markt stark von teureren Modellen, auslaufenden Produktzyklen oder weniger aggressiven Angeboten abhängt, verliert bei einer Förderung, die preissensible E-Auto-Käufer ansprechen soll, schnell an Boden.
Der Stromer-Bestand wächst trotzdem weiter. Der Anteil reiner Elektroautos an den bei der HUK versicherten Fahrzeugen steigt von 0,2 Prozent Anfang 2020 auf inzwischen 3,7 Prozent im ersten Quartal 2026.
(Bearbeitet und ergänzt von Franz Rother)