Lange Zeit galt für Charge Point Operators (CPOs) vor allem eine Devise: Ausbau, Ausbau, Ausbau. Doch der Markt wandelt sich. Das Angebot an öffentlichen Ladepunkten ist zuletzt schneller gewachsen als die Zahl der neu zugelassenen Elektrofahrzeuge. Für Betreiber von Ladestationen verschiebt sich der Fokus damit von der reinen Standortsuche hin zur Optimierung der Wirtschaftlichkeit bestehender Anlagen und Netze.

Wie man E-Autofahrer im Jahr 2026 an die Ladesäule lockt, haben der Datenanbieter elvah und das Marktforschungsunternehmen USCALE in ihrem aktuellen Whitepaper „Ladepreis als strategischer Hebel“ untersucht. Das klare Ergebnis: Der Preis schlägt alles.

Preis schlägt Lage und Toilette

Laut der USCALE Public Charging Study 2025 ist der Ladepreis mit 30 Prozent Gewichtung das mit Abstand wichtigste Kriterium für die Wahl eines Ladepunkts – noch vor der Ladeleistung (17 Prozent) oder dem Vorhandensein einer Toilette (14 Prozent). Besonders auf der Autobahn dominiert der Preis die Entscheidung, während im städtischen Umfeld die reine Verfügbarkeit der Ladepunkte noch eine etwas größere Rolle spielt.

Der Grund für die steigende Preissensibilität liegt in den Zielgruppen: Während die „Pioniere“ der E-Mobilität oft technikbegeistert und zahlungskräftig waren, kommen nun breitere Käuferschichten (Early Adopters und die frühe Mehrheit) hinzu. Diese Gruppen reagieren deutlich empfindlicher auf die Stromtarife an der Ladesäule.

Drei Strategien, drei Ergebnisse

Dass Rabattaktionen im Einzelhandel funktionieren, ist bekannt. Doch wie reagieren E-Autofahrer auf dynamische Preise? Die Analyse hat drei reale Kampagnen aus dem Spätsommer und Herbst 2025 unter die Lupe genommen. Die Ergebnisse zeigen, wie unterschiedlich Preisimpulse wirken können.

Günstig shoppen und laden 
Zum 35-jährigen Bestehen der Supermarkt-Kette Netto senkte Ladepartner Vattenfall den Strompreis an seinen Ladesäulen auf 35 Cent/kWh, was für 42 Prozent mehr Ladevorgänge sorgte. Die Auswirkungen auf die Umsätze der Märkte ist nicht bekannt. Foto: Netto
Günstig shoppen und laden
Zum 35-jährigen Bestehen der Supermarkt-Kette Netto senkte Ladepartner Vattenfall den Strompreis an seinen Ladesäulen auf 35 Cent/kWh, was für 42 Prozent mehr Ladevorgänge sorgte. Die Auswirkungen auf die Umsätze der Märkte ist nicht bekannt. Foto: Netto

1. Der Frequenz-Booster: Vattenfall & Netto Zum 35-jährigen Jubiläum senkte Vattenfall an über 150 Standorten bei Netto-Märkten den Ad-hoc-Preis vorübergehend von 49 auf 35 Cent/kWh – ohne Registrierungszwang.

  • Das Ergebnis: Ein Anstieg der Ladevorgänge um 42 Prozent.
  • Der Effekt: Besonders Standorte, die vorher kaum genutzt wurden („Dornröschen-Säulen“), profitierten massiv. In Greifswald etwa versechsfachte sich die Nutzung. Die niedrige Schwelle (keine App nötig) lockte Spontanlader im Einzelhandelsumfeld an.

2. Die Kundenbindung: TEAG Mobil Der Regionalversorger TEAG senkte im Rahmen einer Aktion „39 für 39“ die Strompreise an seinen Ladepunkten in Thüringen von 49 auf 39 Cent/kWh, allerdings exklusiv über die eigene App.

  • Das Ergebnis: Ein Plus von rund 40 Prozent bei den Ladevorgängen.
  • Der Effekt: Hier wurden vor allem Bestandskunden aktiviert. Interessant ist die Nachhaltigkeit: Auch nach Ende der Aktion blieb die Nutzung leicht über dem vorherigen Niveau. Es gelang, Fahrer dauerhaft an die eigenen Säulen zu binden.
Audi Charging Hub München 
Zur Inbetriebnahme der neuen Ladestation in Obersendling im September 2025 senkte Audi den Strompreis vorübergehend von 60 auf 19 Cent pro Kilowattstunde. Das sorgte für größeren Andrang als die Anwesenheit von Markenbotschafter Felix Neureuther. Foto: Audi
Audi Charging Hub München
Zur Inbetriebnahme der neuen Ladestation in Obersendling im September 2025 senkte Audi den Strompreis vorübergehend von 60 auf 19 Cent pro Kilowattstunde. Das sorgte für größeren Andrang als die Anwesenheit von Markenbotschafter Felix Neureuther. Foto: Audi

3. Der Aggressor: Audi Charging Hubs Zum Start eines neuen Flagship-Hubs in München senkte Audi den Preis an allen deutschen Premium-Hubs radikal auf 19 Cent/kWh – offen für alle Marken und ohne Vertragsbindung.

  • Das Ergebnis: Die Nutzung verdoppelte sich (plus 105 Prozent!).
  • Der Effekt: Die Aktion führte zu massiven Marktverschiebungen. Am Standort Frankfurt stieg der Marktanteil von unter 10 Prozent auf 35 Prozent im Aktionszeitraum. Der Preis war hier der Hebel, um einen neuen Standort aus dem Stand auf das Niveau etablierter Hubs zu heben.

Fazit: Vom statischen Preis zum dynamischen Management

Die Daten zeigen deutlich: Der Ladepreis ist kein bloßes Rechenergebnis mehr, sondern ein strategisches Steuerungsinstrument.

  • Ad-hoc-Rabatte an gut sichtbaren Orten (Supermärkte) eignen sich hervorragend, um neue Nutzergruppen zu erschließen und schwache Standorte zu beleben.
  • App-gebundene Aktionen stärken hingegen die Loyalität und erhöhen die Frequenz bei bestehenden Kunden.

Für CPOs bedeutet das: Die Zeit der starren Preistabellen neigt sich dem Ende zu. Wer Auslastung und Wirtschaftlichkeit steigern will, muss lernen, Preissignale situativ und standortspezifisch einzusetzen. In einem Markt, in dem der Wettbewerb nicht mehr nur über die Hardware, sondern über die Kilowattstunde ausgetragen wird, wird „Pricing“ zur Kernkompetenz.

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