Bidirektionales Laden nimmt Fahrt auf: Ab Frühjahr 2026 bringt BMW gemeinsam mit dem Energieversorger E.ON ein Angebot auf den Markt, das für Fahrer des neuen BMW iX3 gleich doppelt attraktiv ist. Ihr Elektroauto kann künftig nicht nur Strom für den Fahrbetrieb laden, sondern bei Bedarf auch Strom ins öffentliche oder private (Haus-)Netz zurückspeisen. Dafür erhalten E.ON-Kunden jährlich einen Bonus von bis zu 720 Euro – genug, um mit ihrem neuen Elektro-SUV von BMW rund 14.000 Kilometer kostenfrei unterwegs zu sein.
Stromspeicher auf Rädern
Das Prinzip nennt sich Vehicle-to-Grid (V2G) beziehungsweise in der einfacheren Form Vehicle-to-Home (V2H): Die Hochvoltbatterie eines Elektroautos wird zu einem flexiblen Stromspeicher, der überschüssige Energie aufnehmen oder bei Bedarf zurückspeisen kann. So stabilisieren Elektroautos das Stromnetz, unterstützen die Integration erneuerbarer Energien und senken langfristig die Kosten nicht nur der Energiewende, sondern auch für den Betrieb des Elektroautos.

E.ON-Vorstand Marc Spieker und BMW-Entwicklungschef Joachim Post kündigten das neue Angebot zum bidirektionalen Laden des BMW iX3 auf der NeX-Konferenz am Rande der IAA in München an. Foto: E.On
Denn jede Stunde, die der BMW iX3 über die neue BMW Wallbox Professional ans Netz angeschlossen ist, füllt das Bonuskonto. Eine Mindestverbindungszeit gibt es nicht. Gleichzeitig behalten die Fahrer die volle Kontrolle – das gewünschte Ladeziel lässt sich jederzeit einstellen, so dass der Fahrbetrieb nicht beeinträchtigt wird.
BMW und E.ON planen langfristig, das Angebot in eine ganzheitliche Energieplattform zu integrieren – mit Verknüpfungen zu Photovoltaik-Anlagen, Wärmepumpen und Smart-Home-Systemen. So könnte das Auto künftig nicht nur beim Fahren, sondern auch beim Wohnen eine zentrale Rolle in der persönlichen Energiewende spielen.
Keine Sorge um die Batterie
BMW und E.ON betonen, dass die intelligente Steuerung die Lebensdauer der Batterie nicht beeinträchtigt. Die Aussage deckt sich mit Ergebnissen einer Studie der RWTH Aachen zu dem Thema. Nach zehn Jahren beträgt demnach die zusätzliche Alterung des Antriebs-Akkus durch die V2G-Anwendung nur zwischen 1,7 und 5,8 Prozent. Dies entspreche einem Kapazitätsverlust von 0,9 bis 3,1 kWh oder 5,8 bis 19,2 Kilometer Reichweite. Schutzmechanismen sorgten dafür, dass die Batterie stets im optimalen Bereich bleibe. „Die häufige Sorge, dass dies der Batterie schadet und eine vorzeitige Alterung bewirkt, kann damit aus dem Weg geräumt werden, wenn ein intelligentes Management eingesetzt wird“, fasste Dirk Sauer vom RWTH-Lehrstuhl für Elektrochemische Energiewandlung und Speichersystemtechnik die Ergebnisse der Studie zusammen.
Mercedes zieht nach
BMW und E.ON sind mit ihrem Angebot zwar Vorreiter, aber nicht allein: Auch Mercedes-Benz kündigte auf der IAA Mobility in München ein Programm für bidirektionales Laden an. Unter dem Label MB.Charge Home sollen ab 2026 zunächst der neue vollelektrische Mercedes GLC 400 EQ und später auch weitere Modelle wie der Mercedes CLA in Deutschland, Frankreich und Großbritannien das Einspeisen von Strom ins Hausnetz Laden unterstützen.

Der GLC EQ ist das erste Elektroauto von Mercedes-Benz, das das bidirektionale Laden beherrscht. Der Mercedes CLA folgt später.
Kern des Angebots sind – wie bei BMW und E.ON – eine intelligente Wallbox, ein Grünstromtarif sowie die digitale Steuerung per App. In der erweiterten Variante „Home Pro Intelligent“ können Kunden überschüssigen Strom aus der Fahrzeugbatterie auch ins öffentliche Netz zurückspeisen und sich diesen von ihrem Stromversorger vergüten lassen. Die Anbindung an den Energiemarkt erfolgt über The Mobility House durch einen speziellen Grünstromtarif inklusive Einspeise-Vergütungen.
VW-Tochter Elli startet Pilotprojekt
Damit zeigt sich: Bidirektionales Laden wird bei den großen Fahrzeugherstellern zum festen Bestandteil der Elektromobilität. Auch die Volkswagen-Tochter Elli präsentierte auf der Mobilitätsmesse ein umfassendes V2H-Pilotprojekt für das bidirektionale Laden von Elektroautos. Das Unternehmen kündigte in dem Zusammenhang eine eichrechtskonforme Gleichstrom-Wallbox mit einer maximalen Ladeleistung von 11 kW an, die das Elektroauto über eine gemeinsam mit Cubos entwickelte modulare Softwareplattform etwa mit der Solaranlage des Hauses vernetzt.

Elektroautos aus dem Volkswagen-Konzern ab dem Software-Stand 3.5 sind bereits für das bidirektionale Laden vorbereitet. Die dafür nötige Wallbox hat die VW-Tochter zusammen mit dem Ladespezialisten Cubos entwickelt. Sie wird nun in einem Pilotprojekt erprobt.
„Mit unserem Pilotprojekt“, so Elli-Chef Giovanni Palazzo, „schlagen wir ein neues Kapitel in der Geschichte der Elektromobilität auf. Bidirektionales Laden ist der ‘Möglichmacher’ der Energieautarkie im eigenen Zuhause. So schaffen wir die Brücke zwischen Mobilität und Energie.“
Teilnehmern des Pilotprojekts wird die Bidi-Wallbox kostenlos zur Verfügung gestellt. Was bei BMW und Mercedes-Benz die Ladestationen kosten werden, mochten die Unternehmen auf der Messe noch nicht verraten. Wie es bei E.ON hieß, werde die neue Wallbox eines bekannten Herstellers aber nicht wesentlich teurer sein als die bereits bestehende Lösung für das intelligente PV-Überschussladen. Gemeint ist wohl die Heidelberg AMPERFIED Wallbox connect.solar, die der Energieversorger über seinen Online-Shop derzeit für 1149 Euro anbietet.
Jetzt kommt endlich Schwung in die Thematik V2H, das Rennen ist eröffnet.
Für V2H gibt es keine regulatorischen Hürden, vgl. Drucksache 20/14985 vom 14.2.2025, 3. Seite – Mitte.
Und wenn jetzt noch die Importeure (KIA u.a) einsteigen, dann, ja dann könnten die z.Z. 1,84 Mio eAuto’s einige GW fossile Gaskraftwerke überflüssig machen.
V2H/DC-BiDi ist für alle eAuto’s mit CCS Stecker möglich, nur die DC-Schützschnittstelle muß freigegeben werden – ein Bit reicht !!