E-Auto-Fahrer, die keine eigene Wallbox haben und auf öffentliche Ladeinfrastruktur angewiesen sind, erleben ein System, das weder intuitiv noch verlässlich ist. Unterschiedliche Roamingtarife, wechselnde Gebühren, unklare Preisstrukturen und teils erhebliche Unterschiede zwischen Säulen führen dazu, dass viele Kundinnen und Kunden nicht wissen, was E-Mobilität im Alltag kostet und wofür sie eigentlich zahlen.
Diese Unsicherheit belastet das Vertrauen in die Elektromobilität. Sie führt dazu, dass sich Verbraucher fragen, ob sie ihr E-Auto wirklich planbar und bezahlbar laden können. Kundenbefragungen zeigen, dass hohe und intransparente Stromkosten der wichtigste Grund für Kaufzurückhaltung bei Elektroautos sind. Bezahlbarer Ladestrom ist der wichtigste und nachhaltigste Anreiz für die Elektromobilität. Genau hier setzt das Durchleitungsmodell an. Es schafft Wahlfreiheit, es macht Preise nachvollziehbar und bringt das Preismodell des Haushaltsstroms dorthin, wo die Menschen es erwarten.

Die studierte Betriebswirtschaftlerin steht seit Dezember 2024 als Präsidentin an der Spitze des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller, der Interessenvertretung der Fahrzeugimporteure in Deutschland. Sie blickt auf eine lange Karriere in der Autoindustrie zurück. Unter anderem war sie Vertriebschefin von Opel und VW Pkw. Foto: VDIK
Laden soll nicht länger ein Tarifdschungel sein. Es soll sich anfühlen wie eine einfache, klare Dienstleistung. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass der Aufbau von Ladeinfrastruktur weiter voran kommt. Betreiber sollen keine Risiken tragen, die ihre Planungssicherheit gefährden. Oft wird behauptet, das Durchleitungsmodell würde Investitionen unattraktiver machen, weil Betreiber weniger über den Stromverkauf verdienen könnten. Diese Befürchtung ignoriert allerdings, dass das heutige System bereits durch hohe Preisschwankungen, komplexe Roaminggebühren und unklare Erlöse belastet wird.
Stichwort: Durchleitungsmodell
Das Durchleitungsmodell soll das Laden an öffentlichen Ladesäulen einfacher und flexibler gestalten, indem es den Verbrauchern ermöglicht, ihren eigenen Stromanbieter zu wählen – unabhängig vom Betreiber der Ladesäule. Der Betreiber stellt die Infrastruktur bereit und sorgt für deren Funktionalität. Der geladene Strom wird jedoch vom gewählten Energieversorger geliefert, der die Kosten dafür direkt mit dem Verbraucher abrechnet. Der Betreiber der Ladesäule erhält lediglich eine Vergütung für die Bereitstellung und Nutzung der Infrastruktur.
Das Durchleitungsmodell stabilisiert die Einnahmeseite, weil es Energie und Infrastruktur trennt. Betreiber erhalten ein klares Infrastrukturentgelt, unabhängig vom Strom preis. Verbraucher behalten die Kontrolle über ihren Tarif. Und die Auslastung steigt, weil transparente Preise mehr Menschen motivieren, regelmäßig öffentlich zu laden. Einfachheit stärkt den Markt. Sie verhindert nicht den Ausbau der Infrastruktur, sie macht ihn verlässlicher.
Fünf Eckpfeiler für ein erfolgreiches Durchleitungsmodell
Für ein erfolgreiches Durchleitungsmodell brauchen wir klar definierte Prioritäten: Erstens sollten Nutzer ihren eigenen Haus stromvertrag an öffentlichen und halböffentlichen Ladepunkten einsetzen können, ohne versteckte Gebühren oder technische Hürden. Zweitens müssen Infrastrukturentgelte fair, verständlich und nachvollziehbar sein, damit Betreiber kalkulieren können und Verbraucher nicht überfordert werden. Drittens brauchen wir offene technische Schnittstellen, die überall funktionieren, damit das Modell nicht in Insellösungen stecken bleibt. Viertens müssen Netzentgelte konsistent geregelt werden, damit öffentliches Laden nicht teurer wird als das Laden zu Hause. Fünftens sollte jede Abrechnung klar erkennbar machen, was der Energiepreis ist, was das Infrastrukturentgelt umfasst und wofür der Kunde tatsächlich zahlt.
Deutschland braucht ein Ladesystem, das Vertrauen schafft und den Alltag erleichtert. Das Durchleitungsmodell bietet die Chance, Preisfairness und Nutzerfreundlichkeit mit wirtschaftlicher Stabi lität zu verbinden. Das Durchleitungsmodell ist damit die richtige Antwort auf zwei große Hürden für den Hochlauf der Elektromo bilität, nämlich hohe Strompreise und Unsicherheit an öffentli chen Ladesäulen. E-Auto-Fahrer sollen selbst entscheiden können, ob sie das Durchleitungsmodell oder die Angebote der Ladesäu lenbetreiber nutzen wollen. Die Grundlagen für ein Ladeerlebnis, das einfach funktioniert und das Versprechen der Elektromobilität endlich einlöst, müssen nun rasch geschaffen werden.
(Der Beitrag erschien zuerst im Energate Messenger Strom)
