Elektroautos gelten längst als Schlüsseltechnologie für den Klimaschutz – doch laut einer aktuellen Studie des Verbands der Elektrotechnik (VDE) steckt ihr eigentliches Potenzial erst noch in den Startlöchern. Denn die Stromer könnten nicht nur CO₂ einsparen, sondern künftig aktiv zur Stabilisierung des Stromnetzes beitragen.

Durch sogenanntes bidirektionales Laden – also das Hin- und Zurückspeisen von Energie – verwandeln sich Elektroautos in mobile Stromspeicher. Wenn zu viel Solar- oder Windstrom im Netz ist, laden sie ihre Batterien. Bei Engpässen geben sie Energie wieder ab. Damit helfen sie, Erzeugungsspitzen zu glätten und die Nutzung erneuerbarer Energien zu erhöhen. Laut VDE könnten Elektroautos bis 2030 zwei bis fünf Prozent des gesamten Stromverbrauchs zusätzlich aus grüner Energie decken.

CO2-Analyse
Klimafreundlich nach 30.000 Kilometern
Wie klimafreundlich ein Elektroauto fährt, hängt davon ab, wie der im Akku gespeicherte Strom gewonnen wird. Nach etwa 30.000 Kilometern ist heute auch der hohe Energieaufwand für die Produktion der Antriebsbatterie kompensiert. Grafik: VDE

Zehn Millionen E-Autos in Deutschland würden gemeinsam rund 600 Gigawattstunden Speicherkapazität bereitstellen – ein Vielfaches der heutigen Großspeicher. Das macht sie zu einem wichtigen Bestandteil eines flexiblen, zukunftsfähigen Energiesystems.

Stromer 2027 so teuer wie Verbrenner

Auch wirtschaftlich lohnen sich Stromer zunehmend: Ab 2027 erwartet der VDE Kostenparität mit Verbrennern, da Batterien günstiger werden und Strompreise langfristig stabil bleiben. Gleichzeitig verbessert sich die Klimabilanz: Schon nach 30.000 Kilometern fahren E-Autos klimafreundlicher als Benziner, bei 150.000 Kilometern stoßen sie 40 Prozent weniger CO₂ aus.

Sorgen über Lithium oder Kobalt hält der Verband für unbegründet: Recycling, Materialsubstitution und kobaltfreie Batterien sicherten die Versorgung in den kommenden Jahren ab. „Elektromobilität ist Enabler der Energiewende und Innovationstreiber der Industrie“, heißt es in der Studie.

Handlungsempfehlungen des VDE:

Damit Deutschland die Chancen der Elektromobilität voll ausschöpfen kann, fordert der VDE konkrete politische und regulatorische Maßnahmen.

  1. Rechtssicherheit schaffen: Für das bidirektionale Laden braucht es klare gesetzliche Grundlagen – etwa zur Netzrückspeisung (Vehicle-to-Grid) und zu fairen Netzentgelten für mobile Speicher.
  2. Ladeinfrastruktur ausbauen: Ein flächendeckendes, interoperables Schnellladenetz mit einheitlichen Standards (ISO 15118-20) ist Grundvoraussetzung für die Systemintegration.
  3. Netze digitalisieren: Eine intelligente Kommunikation zwischen Fahrzeug, Ladesäule, Netzbetreiber und Energieversorger soll Lastspitzen vermeiden und neue Geschäftsmodelle ermöglichen.
  4. Forschung fördern: Deutschland müsse bei Batterietechnologien und Recycling international wettbewerbsfähig bleiben – insbesondere bei Feststoffakkus und „Second Life“-Speichern.
  5. Akzeptanz erhöhen: Elektromobilität müsse als selbstverständlicher Teil des Alltags wahrgenommen werden. Dafür sei gezielte Kommunikation entscheidend, etwa durch Erfahrungsprojekte und Pilotversuche.

„Die Elektromobilität ist keine Zukunftstechnologie mehr, sondern ein zentraler Bestandteil der Energie- und Verkehrswende“, so das Fazit der VDE-Taskforce. „Jetzt gilt es, ihre Potenziale entschlossen zu nutzen.“

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