Im neuen „World Energy Outlook“ untersucht die Inter-nationale Energieagentur (IEA) die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Energiemärkte. Zum ersten Mal beschreibt sie zudem einen Weg in die Klimaneutralität. Dabei spielt Photovoltaik eine besondere Rolle.

„Ich sehe Solar als neuen König der Strommärkte der Welt“, sagte IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol. Er appelliert an Regierungen und Investoren, ihre Bemühungen um saubere Energie im Einklang mit dem IEA-Szenario zu verstärken. Dann wäre das Wachstum von Sonne und Wind noch spektakulärer – und „äußerst ermutigend“ für die Bewältigung der weltweiten Klimaschutzherausforderung, so Birol.

Die Covid-19-Pandemie habe den Energiesektor stärker gestört als jedes andere Ereignis in der jüngeren Geschichte, schreibt die Agentur. Die Auswirkungen werden auch in den kommenden Jahren spürbar sein. In den untersuchten Szenarien hinge es nun davon ab, wie die Regierungen auf die Herausforderungen reagieren. Dabei sei noch nicht absehbar, ob die Krise die Energiewende und das Erreichen der Klimaziele behindern oder
beschleunigen werde.

Anteil der Erneuerbaren von 80 Prozent

Die IEA erwartet, dass der weltweite Energiebedarf im laufenden Jahr um etwa fünf Prozent sinkt. Die energiebezogenen CO2-Emissionen sollen um sieben Prozent und die Energieinvestitionen um 18 Prozent zurückgehen. Je nach Szenario erholt sich die globale Energienachfrage bis zum Jahr 2023 auf das Vorkrisenniveau – oder auch erst im Jahr 2025. Die Nachfrage nach Öl werde um acht und der Kohleverbrauch um sieben Prozent zurück-gehen, während die weltweite Nachfrage nach elektrischem Strom im Jahresverlauf voraussichtlich nur um relativ bescheidene zwei
Prozent sinken wird. Der Rückgang der Erdgasnachfrage liege bei rund drei Prozent.

Mittlerweile dürfen auch Mieter die Sonne anzapfen und Energie aus kleinen Solaranlagen in das heimische Stromnetz einspeisen. Zwar gilt es vor Inbetriebnahme ein paar Spielregeln zu beachten. Doch die Vorschriften sind gerade etwas gelockert worden. Energiewende, Solarenergie

Kräftig wachsen wird nach Einschätzung der IEA in den kommenden Jahren der Beitrag der erneuerbaren Energien. Je nach Szenario könnte der Strom, der mit Hilfe der Kräfte von Sonne, Wind und Wasser gewonnen wird, in zehn Jahren 80 Prozent der weltweiten Nachfrage decken. Der Sonnenkraft spielt dabei die zentrale Rolle. Denn Photovoltaik sei in den meisten Ländern durchweg billiger als neue Kohle- oder Gaskraftwerke – Solarprojekte produzieren deshalb den Strom besonders günstigst. Wasserkraft bleibe zwar die größte erneuerbare Quelle, aber Solar sei die Hauptwachstumsquelle – gefolgt von Windkraft, die an Land (Onshore) und auf dem Meer (Offshore) erzeugt wird.

Robuste Investitionen in Stromnetze nötig

Der Bericht betont auch, dass ein starkes Wachstum der erneuerbaren Energien mit „robusten“ Investitionen in die Stromnetze verbunden werden muss. Andernfalls würden sich die Netze als schwächstes Glied bei der Energiewende erweisen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Stromversorgung.

„Trotz eines Rekordrückgangs der globalen Emissionen in diesem Jahr ist die Welt weit davon entfernt, genug zu tun, um sie in einen entscheidenden Rückgang zu versetzen“, sagte Birol. Ein geringes Wirtschaftswachstum sei keine emissionsarme Strategie. Zusätzliche Maßnahmen während der kommenden Jahre für eine Emissionsminderung um 40 Prozent bis 2030 seien notwendig. Im Fokus müsse dabei stehen, wie Energie produziert und
verbraucht werde. Die Regierungen hätten die Verantwortung, entscheidende Maßnahmen zu ergreifen, um den Übergang zu sauberer Energie zu beschleunigen und die Welt auf den Weg zu bringen, die Klimaziele zu erreichen, mahnte Birol.

Der Jahresbericht seiner Pariser Institution, der seit 1977 regelmäßig erscheint, gilt als die „Bibel der Energiebranche“. Er wurde in den letzten Jahren aber auch mitunter wegen Fehlprognosen kritisiert.

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

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