Mit der Grundsteinlegung hat die Kölner RheinEnergie AG den Bau der größten Flusswasser-Wärmepumpe Deutschlands und Europas gestartet. „Der Rhein ist nicht nur ein Fluss, sondern Kulturgut, Verkehrsweg, Standortfaktor und wird ab 2028 nun auch zur Heizung“, sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bei der Grundsteinlegung in Köln. Sie lobte den Mut des Regionalversorgers, trotz der zweitgrößten Investition in der Firmengeschichte auf einen Anschluss- und Benutzungszwang an die Fernwärme zu verzichten.
RheinEnergie-Chef Andreas Feicht betonte, dass diese Entscheidung bewusst gefällt wurde. „Unser Motto ist ‚das will ich haben‘ und nicht ‚das muss ich nehmen‘.“ Die Entscheidung für die grüne Fernwärme und gegen die eigene Wärmepumpe wolle die RheinEnergie mit Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit, Qualität und Nachhaltigkeit beeinflussen.

Everllence-Vorstand Gunnar Stiesch, RheinEnergie-Vertriebschef Andreas Feicht, NRW- Wirtschaftsministerin Mona Neubaur, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (v.l.) bei der Grundsteinlegung.
Foto: RheinEnergie/Schmülgen
Die Leistung der Großwärmepumpe mit in Summe 150 Megawatt (MW) reicht rechnerisch, um 50.000 Haushalte zu versorgen. Damit steigt der Erneuerbaren-Anteil im Kölner Fernwärmenetz, das bisher fast ausschließlich erdgasbasiert ist, auf einen Schlag auf 30 Prozent. Die Zielmarke ist wichtig, um den Anforderungen des Wärmeplanungsgesetzes (WPG) zu genügen: Bis zum Jahr 2030 muss der Anteil erneuerbarer Energien oder unvermeidbarer Abwärme in jedem Wärmenetz mindestens 30 Prozent betragen, bis zum Jahr 2040 mindestens 80 Prozent.
Die Kölner investieren rund 280 Millionen Euro in die Anlage, die am bestehenden Heizkraftwerk Köln-Niehl entsteht. 100 Millionen Euro Investitionskostenzuschuss und damit das maximal Mögliche fließt aus der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) und aus EU-Mitteln. Das Projekt sei ein gutes Beispiel dafür, wie stark staatliche Förderung privates Kapital hebeln könne, so Reiche.
Zusammenspiel mit Gaskraftwerk ist entscheidend
Einen großen Vorteil hat die Großstadt, da ihr Kraftwerksstandort Niehl ans Hochspannungsnetz der Amprion mit 380 Kilovolt (kV) angeschlossen ist. Hätte das Verteilnetz für die zusätzlich benötigte 70 (MW) elektrische Leistung ausgebaut werden müssen, wären vermutlich noch Jahre verstrichen. Die Konzeption für das Zusammenspiel der drei Wärmepumpenmodule mit den beiden Gas- und Dampfturbinen-Anlagen Niehl 2 und Niehl 3 hat im Planungsprozess Monate gekostet.

Schematische Darstellung der Funktionsweise der Flusswärmepumpe in Köln. Grafik: RheinEnergie
Wie tief der Strompreis fallen muss, damit nicht die Gaskraftwerke Niehl 2 und Niehl 3, sondern die Wärmepumpen produzieren, lasse sich nicht pauschal beantworten, erläuterte Armin Ehret, Bereichsleiter Kraftwerke, am Rande der Veranstaltung. Dies hänge auch von den zukünftigen Gas- und CO2-Preisen sowie den Netzentgelten ab. Er hoffe, dass die vom Iran-Krieg verursachten hohen Spotpreise im Erdgashandel bis zur Inbetriebnahme 2028 Geschichte sind.
Die Wärmepumpe sei indes ein wichtiges Asset in den immer preisvolatileren Zeiten. Das Unternehmen plant mit durchschnittlich zwei Wechseln pro Tag zwischen Strom und Gas – auch mit Blick auf den Verschleiß der Anlagen. Die drei Wärmepumpenmodule lassen sich nacheinander einschalten und brauchen circa eine halbe Stunde Vorlauf bis zur Volllast.
Langes Genehmigungsverfahren
Nach einem Bieterkampf ging der Auftrag für die Großwärmepumpe an den deutschen Hersteller Everllence (ehemals MAN Energy Solutions) mit den Fertigungsstandorten Oberhausen und Berlin und dem Engineering aus der Unternehmenszentrale in Augsburg.
Selbst wenn der Rhein nur vier Grad hat, reicht das aus, um den Prozess in Gang zu halten. Je wärmer das Wasser, desto leichter verdampft das Kältemittel und desto effizienter arbeitet die Anlage. Everllence plant im Jahresdurchschnitt mit einer Leistungszahl (COP) von 2,3 bis 3 – aus einer kWh Strom lassen sich also bis zu drei kWh Wärme gewinnen. Niedrig- oder Hochwasser des Rheins stören kaum, da das Wasser im Hafenbecken entnommen wird und sich dort Schwankungen ausgleichen.
Bis zu 30.000 Kubikmeter Flusswasser werden künftig pro Stunde entnommen. Das ist in dieser Größenordnung einmalig in ganz Deutschland, wobei die Mannheimer (wo gerade ebenfalls eine große Flusswärmepumpe mit einer Leistung von 20 MW gebaut wird) den Kölnern „auf den Fersen sind“, wie es Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester ausdrückte. Geduld war unterdessen beim Genehmigungsprozess gefragt, wo durch sich das Projekt um mehrere Monate verzögerte. Die Wasserschutzbehörde verlangte eine Überarbeitung des Konzepts zum Schutz von Fischen und Kleinstlebewesen in dem entnommenen Flusswasser. Auch die Temperaturveränderungen durch das kühlere Wasser, das in den Rhein zurückgeleitet wird, machten Gespräche komplex.
Inbetriebnahme im Herbst 2028
„Wir haben viel Routine mit der Einleitung von warmem Wasser in Flüsse, um unsere Kraftwerke zu kühlen“, erläuterte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) in Köln. Daher sei der neue Prozess zur Einleitung kühleren Wassers „nicht ohne Nervenkrieg“ durchlaufen worden. Nach der Einreichung der Unterlagen im Sommer 2025 waren die letzten Punkte Anfang 2026 geklärt, zwischenzeitlich wurde mit einem vorzeitigen Maßnahmenbeginn überbrückt.
Bundeswirtschaftsministerin Reiche gab ihrer Hoffnung Ausdruck, dass nur das erste große Projekt die schwierigen Hürden nimmt und es für die weiteren leichter wird. „Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden“, sagte sie. Vorstandschef Feicht hatte bereits während des Genehmigungsstaus bundesweite Standards für die Genehmigung von Flusswärmepumpen gefordert.
Die Errichtungsarbeiten für Gebäude, Nebenanlagen, den Netzanschluss und die Großwärmepumpe selbst werden rund zwei Jahre in Anspruch nehmen. Die gesamte Anlage soll im Herbst 2028 den Betrieb aufnehmen.
(Quelle: Energate)
