(Aktualisierung 9.5.2026) Der französische Energie-Riese TotalEnergies drückt in Deutschland beim Ausbau der Elektromobilität aufs Tempo. Wer am Berliner Hauptbahnhof ankommt, findet ab sofort in unmittelbarer Nähe an der Invalidenstraße einen neuen, großen Flagship-Ladehub des Konzerns vor. An diesem zentralen Verkehrsknotenpunkt stehen nun insgesamt 18 Ladeplätze zur Verfügung, die eine Ladeleistung von jeweils bis zu 400 Kilowatt bieten. Der Ladestrom für diese komplett überdachte Station stammt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen und ist durch entsprechende Herkunftsnachweise belegt. Bezahlt werden kann dort der Strom per Bank- oder Kreditkarte sowie Corporate-Karten von TotalEnergies oder den Roamingpartnern. Zu Preisen je nach Zugang und Tageszeit zwischen 59 und 79 Cent pro Kilowattstunde Gleichstrom.
Jan Petersen, Geschäftsführer von TotalEnergies Charging Solutions Deutschland, betonte bei der Eröffnung, dass sich das Angebot mit seinen zwei barrierefreien Plätzen sowie zusätzlichen Services wie Reifenluftdruckmessgeräten und Staubsaugern ganz bewusst breit aufstellt. Angesprochen werden sollen Pendler, Mitarbeitende der umliegenden Europacity, aber auch Gewerbetreibende wie das lokale Taxigewerbe sowie Privatpersonen, die Reisende zum Bahnhof bringen oder die nahegelegenen Museen besuchen.

Jan Petersen und Pierre-Alexandre Vigil von TotalEnergies nahmen die neue Schnellladestation in Berlin-Mitte zusammen mit Johannes Wieczorek vom Bundesverkehrsministerium offiziell in Betrieb. Foto: TotalEnergies
Dieser neue Vorzeigestandort steht dabei nicht für sich allein, sondern reiht sich nahtlos in die Expansionsstrategie des Unternehmens ein. Bereits im September 2025 hatte TotalEnergies einen großen Schnellladepark am Hauptstadtflughafen BER ans Netz gebracht. Nur wenig später, Ende November 2025, folgten am Doppelstandort Weißer Graben an der Autobahn A3 bei Erlangen die ersten beiden Deutschlandnetz-Schnellladestationen des Unternehmens.
TotalEnergies wächst mit dem Deutschlandnetz
Zuvor hatte TotalEnergies bei den Deutschlandnetz-Ausschreibungen des Bundesverkehrsministeriums in den Jahren 2023 und 2024 lukrative Zuschläge für den Bau und Betrieb von 1.100 Schnellladepunkten an 134 Standorten erhalten, die nun sukzessive an unbewirtschafteten Rastanlagen sowie in Ost-, Mittel- und Westdeutschland entstehen. All dies schlägt sich in der aktuellen Bilanz nieder: Von derzeit insgesamt rund 80.000 Ladepunkten in ganz Europa betreibt der Konzern allein in Deutschland mittlerweile über 8.000 Stück. Unter anderem in Partnerschaft mit der Handelsgruppe Rewe.
Eine realistische Einordnung dieser Zahlen auf dem deutschen Markt gelingt jedoch erst durch einen direkten Vergleich mit der starken Konkurrenz im High-Power-Charging-Sektor (HPC). Von den deutschen Ladepunkten sind derzeit 429 reine Schnellladepunkte, wobei sich diese Zahl bis zum Jahresende auf rund 800 Stück annähernd verdoppeln soll. Im HPC-Bereich ist das Unternehmen damit aktuell noch ein wachstumsstarker Herausforderer.
Angriff auf EnBW, Aral und Shell
Unangefochtener Platzhirsch beim Schnellladen ist in Deutschland die EnBW, die mittlerweile mehr als 8.000 reine Ultraschnellladepunkte betreibt und dieses Netz bis 2030 auf 20.000 HPC-Punkte verdichten will. Auch die klassischen Mineralöl-Mitbewerber haben beim High-Speed-Laden momentan noch einen deutlichen Vorsprung: Aral pulse gehört mit über 3.600 HPC-Ladepunkten an mehr als 500 Standorten zu den größten Anbietern im Land. Shell Recharge wiederum positioniert sich mit rund 1.700 reinen Schnellladepunkten, die bevorzugt an Tankstellen oder Partner-Standorten wie Supermärkten errichtet werden, ebenfalls enorm stark im deutschen Markt. TotalEnergies muss also weiter massiv investieren, um im Ultraschnellladeniveau zu den Marktführern aufzuschließen.
Eine gänzlich andere, dominantere Marktposition genießt der ehemals reine Ölkonzern dagegen in seinem Mutterland Frankreich. Dort hat sich TotalEnergies längst als einer der absoluten Vorreiter beim Betrieb öffentlicher Ladenetze etabliert, indem klassische Tankstellen im großen Stil mit HPC-Säulen aufgerüstet wurden. Das Unternehmen profitiert im Heimatmarkt stark von integrierten Abo-Modellen für Viellader und einer breiten Kundenakzeptanz.
Trotz dieser europäischen Blaupause und der gewaltigen Investitionsbereitschaft schwingt auch in Deutschland eine spürbare Portion Skepsis mit. Bei der Eröffnung am Berliner Hauptbahnhof wies Jan Petersen darauf hin, dass die allermeisten Ladehubs derzeit gar nicht voll ausgelastet seien. Die Anbieter von Ladeinfrastruktur gingen massiv in Vorleistung, während der tatsächliche Hochlauf der Elektromobilität auf den Straßen weiterhin merklich stocke. Damit die groß angelegte Transformation letztlich gelinge, forderte der Chef von TotalEnergies Charging Solutions Deutschland ein klares und gemeinsames Bekenntnis aller relevanten Akteure – von der Politik über die Kommunen bis hin zu den Fahrzeugherstellern.
Mir ist kein Tarif bekannt, mit dem man bei Total Energies zu vertretbaren Preisen laden könnte. In meiner Stadt stehen seit 6 Monaten 2 Säulen von TE. Dort habe ich bisher 2 mal ein Fahrzeug laden gesehen. Weiß ja nicht, wer dort laden soll…
Ja bei mir im Ort entsteht auch ein ladepark durch total, der günstigste Preis laut chargeprice liegt bei 0,69€ die kWh. Werden wohl nur Firmenwagenfahrer und unwissende da laden, schade.
so lustig. Ein Standort mit 18 Ladepunkten: Großangriff? Muhaha. Preise? Fehlanzeige. Weitere Pläne? Alle Akteure müssen sich bekennen. ROFL. Wann hat man derartigen Unfug je von Tesla gehört? Und die haben nun wirklich viele HPC Ladepunkten und Standorte mit transparenten Preisen.
Ehy Moin erst ma…
Fragt sich nur, wie hoch dort die -Ad-hoc-Preise- ausfallen werden. Wer wirklich für E-Mobilität steht, würde das Laden so günstig und einfach machen wie Tanken, Einkaufen oder Bezahlen am Getränkeautomaten: Bank- oder Kreditkarte dranhalten und zu Preisen laden wie jemand mit Abo beim Anbieter. Am fairsten wäre Laden zum eigenen Strom-Haustarif plus Netzgebühr. Genau so überzeugt man auch die letzten Zweifler vom Umstieg auf E-Mobilität — nicht mit App-Zirkus, Tarif-Labyrinth und spontan laden, aber bitte zum Strafpreis mit bis zu 200% Aufschlag.
Wettbewerb ist erstmal gut. dann kommen auch Mal die Preise und Rutschen. ist ja schon lustig, dass man zu Hause von negativen Preisen profitiert, während die Ladesäule immer noch 59ct aufruft. Was wir da für Glättungspotential im Netz verschenken…
Abgesehen von den hohen Preisen, finde ich es auch ein wenig seltsam, daß solche Hubs in Großstädten mit gut ausgebautem ÖPNV und Tendenz zur Autofreiheit installiert werden. Erst diese Woche scheiterte eine Petition, die sich für ein autofreies Berlin einnsetzte an gar nicht so vielen fehlenden Stimmen für die nächste Runde. Solche Hubs würde ich eher im Speckgürtel sehen als im Zentrum von Großstädten.