Etwas mehr als 157 Meter hoch sind die beiden Türme des Kölner Doms. Bei seiner Fertigstellung 1880 war es das höchste Bauwerk der Welt. Inzwischen rangiert die Kathedrale selbst nicht mehr unter den Top 100. Etliche Hochhäuser und Fernsehtürme haben ihr längst den Rang abgelaufen. Und nun wird der Kölner Dom wohl bald auch von einer neuen Generation von Windrädern im wahrsten Sinne des Wortes überflügelt: Der Anlagenhersteller Vestas installiert im dänischen Testzentrum Østerild im dänischen Westjütland gerade den ersten Prototypen seiner 15-MW-Offshore-Turbine auf der Spitze eines gigantischen Mastes: In Summe soll die „Windmühle“ 280 Meter in den Himmel ragen – es wäre damit die (vorerst) größte Windkraftanlage der Welt.

Allein die drei Rotorblätter der gigantischen Windmühle erreichen eine Länge von 115,5 Metern – den Vierungsturm auf dem Langhaus des des Kölner Doms würden sie um rund sechs Meter überragen. „Die Errichtung des Prototyps unterstreicht, wie die V236-15.0 MW die Messlatte für technologische Innovation, Industrialisierung und Skalierung in der Windenergiebranche höher legen wird“, unterstreicht Vestas-Technikvorstand Anders Nielsen die Bedeutung der Anlage nicht nur für das Unternehmen.

Serienproduktion der Giga-Turbinen startet 2024

Die Installationsarbeiten in Dänemark sollen in der zweiten Jahreshälfte 2022 abgeschlossen werden, kündigte Vestas an. Erwartungsgemäß soll die Anlage bis zu 80 Millionen kWh pro Jahr erzeugen können. Allerdings nicht an Land, sondern in geplanten Offshore-Anlagen auf See, unter anderem in der norddeutschen Bucht. Den Prototyp installiert Vestas jedoch nicht auf See, sondern an Land, um sich einen leichten Zugang für Tests zu bewahren. Zudem will der Hersteller im Probebetrieb Daten für die abschließende Zertifizierung sammeln.

Alle großen Komponenten werden in den Werken vormontiert und erst dann nach Østerild transportiert. Entsprechend deren Größe ist das alles andere als eine profane Aufgabe. Ab dem Jahr 2024 will der Anlagenhersteller dann mit der Turbine in die Serienproduktion gehen.

EnBW ordert Turbinen für neuen Windpark in der Nordsee

Der Energieversorger EnBW hat sich die neue 15-MW-Anlage bereits für den neuen Offshore-Windpark „He Dreiht“ 110 Kilometer westlich von Helgoland ausgesucht. Das Unternehmen will den 900-MW-Windpark im Jahr 2025 ans Netz bringen. Damit maximiert EnBW den Stromertrag auf der aufgewiesenen Fläche. Dabei spielen die neuen Offshore-Windräder von Vestas die Schlüsselrolle: Mit ihrer Rotorkreisfläche von über 43.700 Quadratmetern können die Windriesen des neuen Typs jährlich bis zu 80 Gigawattstunden Strom produzieren. Bei einem angenommenen Jahresstrom-Verbrauch von 4.000 kWh pro Haushalt reicht das rein rechnerisch aus, um etwa 20.000 europäische Haushalte mit einer Anlage mit Strom zu versorgen und mehr als 38.000 Tonnen CO2 einzusparen.

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