Gut vier Monate lang konnten Elektromobilisten an der Eifel-Raststätte Brohltal zwischen Koblenz und Köln zum Nulltarif Strom zapfen – dann beendete Ionity als Betreiber der Schnellladesäulen an der A61 die „Testphase“. Seitdem kostet eine Ladung des Akkus hier pauschal acht Euro.

Neun Monate lang konnten Kunden des Energieversorgers Maingau aus Obertshausen in der Rhein-Main-Region ihren Stromer an 9000 Stellen im Bundesgebiet pauschal für fünf Cent pro Minute Ladezeit aufladen – eine Akkuladung kostete den Besitzer eines BMW i3 oder VW e-Golf so selten mehr als 1,50 Euro. Doch ab 1. Februar gilt ein neuer Ladetarif, eine Abrechnung nach Kilowattstunden ersetzt den günstigen Minutentakt. Maingau-Kunden mit Gas- oder Stromvertrag für Eigenheim oder Wohnung zahlen dann 15 Cent pro Kilowattstunde, reine Autostrom-Kunden 10 Cent mehr. Damit an der Säule nicht über den Ladevorgang hinaus blockiert wird, muss nach einer Standzeit von zwei Stunden an einer Wechselstrom- und nach einer Stunde an einer Gleichstrom-Ladesäule zusätzlich noch eine Parkgebühr von zehn Cent pro Minute entrichtet werden. Um einen BMW i3 120 Ah (Batteriekapazität 42,2 Kilowattstunden) komplett wieder aufzuladen, werden also künftig mindestens 6,33 Euro fällig, im Normalfall – als Nicht-Hausstrom-Kunde – sogar über 10 Euro. Und das sind nur die Stromkosten: Lädt der i3 an einer Wechselstrom-Säule, benötigt er dafür ungefähr vier Stunden. Dann greift die Parkgebühr und summiert sich auf bis zu 12 Euro.

Neue Preisrunde an den Ladesäulen

Energie ist zu wertvoll, um sie dauerhaft verschenken zu können. Und jetzt, da die Zahl der Elektroautos auf unseren Straßen ebenso wächst wie die Zahl der Ladestationen entlang der Autobahnen, sehen die Betreiber der Infrastruktur die Zeit gekommen, um sich die Investitionen von den Nutzern zurückzahlen zu lassen. Fast alle Anbieter schrauben derzeit an ihren Tarifen. Das gilt vor allem für die Preise an den Schnellladestationen, an denen große Mengen Gleichstrom in kurzer Zeit gezapft werden können – sofern das Fahrzeug dazu in der Lage ist und über eine Steckdose vom Typ CCS oder Chademo verfügt.

Das Netz ist in den zurückliegenden Monaten sprunghaft gewachsen. Allein Tank & Rast betreibt inzwischen an 310 Standorten zwischen Flensburg und Friedrichshafen rund 360 Schnellladesäulen mit Ladeleistungen von wenigstens 50 Kilowatt (kW). Ionity hat mittlerweile 14 Stationen in Betrieb, an denen Gleichstrom mit bis zu 350 Kilowatt Leistung geladen werden kann. Und der niederländische Anbieter Fastned hat kürzlich seinen achten Ladepark in Betrieb genommen, an dem an wenigstens fünf Säulen mit bis zu 175 Kilowatt Ladeleistung Strom gezogen werden kann. Vom rasanten Ausbau des Schnellladenetzes kriegt die Öffentlichkeit allerdings kaum etwas mit, denn die Landesbetriebe kommen mit der Ausschilderung der Ladeplätze entlang der Autobahnen nicht nach.

Rechnet man alle Anbieter zusammen, stehen in Europa inzwischen laut CCS Charge Map 5981 Schnellladesäulen mit einem solchen Anschluss. Im Schnitt kamen im vergangenen Jahr 5,6 Ladesäulen hinzu – pro Tag.

Erst checken, denn laden

Umso wichtiger wird es nun für Langstrecken-Stromer, sich mit den Besonderheiten der Tarife vertraut zu machen, sich nicht allein auf einen Anbieter zu verlassen – und genau zu überlegen, mit welchem Ladestand das eigene Elektroauto zur Steckdose gelenkt wird. Das gilt vor allem für die Besitzer von Fahrzeugen mit großem Akku wie einem Jaguar i-Pace oder einem Audi e-tron quattro, aber ebenso für Tesla-Fahrer. Denn auch an den Superchargern von Tesla gibt es den Fahrstrom längst nicht mehr für jeden kostenlos. Wer als Vielfahrer eines Model S oder X sein Stromkontingent von 400 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr bereits verbraucht hat, zahlt hier je nach Ladegeschwindigkeit wenigstens 20 Cent pro Minute oder 12 Euro pro Stunde, bei Ladeleistungen von über 60 Kilowatt sogar den doppelten Betrag.

So viel kostet der Strom für 100 Kilometer

Platz 10: Maingau

Kosten pro 100 km: 4,16 Euro
Nach dem neuen Tarifmodell des Energieversorgers kostet die Kilowattstunde Strom 25 Cent

Platz 9: Audi e-tron Charging

Kosten pro 100 km: 4,00 Euro
Die Audi-Tochter verlangt 9,95 Euro pro Akkuladung und eine monatliche Grundgebühr vom Nutzer in Höhe von 17,95 Euro.

Platz 8: EOn Drive

Kosten pro 100 km: 3,00 Euro
Der Stromversorger berechnet 8,95 Euro pro Akkuladung. Zudem wird eine Grundgebühr von 4.95 Euro im Monat fällig.

Platz 7: Charge&Fuel

Kosten pro 100 km: 2,80 Euro
Die VW-Tochter berechnet 8,40 Euro pro Akkuladung, unabhängig von der Größe des Stromspeichers.

Platz 6: Ionity

Kosten pro 100 km: 2,67 Euro
Ionity verlangt aktuell 8 Euro pro Akkuladung.

Platz 5: Innogy

Kosten pro 100 km: 2,65 Euro
Innogy berechnet aktuell 7,95 Euro pro Akkuladung

Platz 4: Fastned

Kosten pro 100 km: 2,5 Euro
Der niederländische Betreiber ruft 7,50 Euro für 30 Minuten Ladezeit auf, darüber hinaus 0,275 Cent pro Minute Ladezeit.

Platz 3: Allego

Kosten pro 100 km: 2,50 Euro
Allego verlangt pauschal 7,45 Euro pro Akkuladung.

Platz 2 EnBW

Kosten pro 100 km: 0,70 Euro
EnBW lockt derzeit mit einer Pauschale von 2 Euro pro Akkuladung. Ab 1. März kostet die Kilowattstunde an einem DC-Lader 49 Cent, im Viellader-Tarif 39 Cent. In unserem Rechenbeispiel kostet die Akkuladung dann zwischen 19,50 und 24,50 Euro. Die Kosten pro 100 km steigen auf 6,60 bis 8,33 Euro – was EnBW weit zurück wirft.

Platz 1: Telekom Ladestrom

Kosten pro 100 km: 0,20 Euro
Die Telekom nimmt als Startangebot nur 2 Cent pro Minute Ladezeit

So haben wir gerechnet

So haben wir gerechnet:

Das Fahrzeug verfügt über einen Akku mit einer Speicherkapazität von 50 kWh, der bei der Ankunft an der Ladesäule weitgehend leer ist. Die Ladeleistung der Station beträgt 50 Kilowatt, der Energieverbrauch des Fahrzeugs durchschnittlich 17 kWh/100 km.

Weil es weiterhin keine Stromzähler gibt, die Gleichstrom eichrechtskonform zählen können – entsprechende Geräte sollen erst im Laufe des Jahres auf den Markt kommen – rechnen derzeit die meisten Anbieter die Ladevorgänge notgedrungen pauschal ab. Oder sie staffeln die Tarife nach Minuten oder Stunden. „Das ist ärgerlich, alles andere als kundenfreundlich“, gibt eine Sprecherin von Fastned zu. Viel lieber würde man wie schon in den Niederladen die geladene Strommenge kilowattstundengenau abrechnen. Bei einer Abrechnung allein nach einem Zeitfaktor hängt es von der Ladesäule und der Ladegeschwindigkeit des Fahrzeugs ab, ob sich der Besuch an der Zapfsäule für den Kunden rechnet – oder eher für den Stromversorger. Nicht viel besser wird es, wenn der Stromanbieter beide Angebotsformen koppelt. Maingau beispielsweise zählt zu den Anbietern, die zwei Abrechnungsformen koppeln: Die gelieferte Strommenge sowie die Standzeit an der Ladesäule. Hier ist also Vorsicht angebracht – und ein genaue Kalkulation des Preises vor dem Freischalten der Ladesäule. Auf jeden Fall sollte man mehrere Ladekarten in seiner Geldbörse haben oder verschiedene Apps mehrerer Anbieter auf seinem Smartphone.

Deutsche Telekom und EnBW mit Lockvogel-Angeboten

Günstigster Anbieter ist aktuell, man höre und staune, die Deutsche Telekom. Sie lockt bis Ende März und unabhängig von der jeweiligen Ladeleistung (!) mit einem Preis von zwei Cent pro Minute an die Ladestationen aus dem Roaming-Netz von Hubject. Ab April sollen vier Cent pro Minute Ladezeit berechnet werden. Während eines Aufenthalts von etwa einer halben Stunde sollte der Akku eines BMW i3 für weniger als ein Euro zu wenigstens 80 Prozent wieder geladen sein – günstiger ist man nur mit einem Fahrrad unterwegs. Nutzt man hingegen den Service von Charge Now, werden pro Ladung 8,40 Euro fällig.

Ähnlich günstig wie der Telekom Ladestrom ist am Schnellader derzeit nur der badische Stromversorger EnBW. Der lockt noch bis zum 28. Februar 2019 mit einem Aktionspreis von zwei Euro pro Ladung. Ab dem 1. März stellt EnBW dann auch auf einen verbrauchsbasierten Tarif um. Im Standard-Tarif sind das dann 39 Cent/kWh an einer AC-Säule und 49 Cent/kWh an einer DC-Säule. Im Viellader-Tarif mit 4,99 Euro Grundgebühr pro Monat gibt es die Kilowattstunde jeweils zehn Cent günstiger. Laut EnBW lohnt sich der Viellader-Tarif schon ab 50 kWh pro Monat – bei einem Audi e-tron oder Jaguar i-Pace also ab der ersten Ladung.

Bei allen anderen (Charge Fuel, Eon Drive, Innogy) kristallisiert sich ein Preis zwischen acht und neun Euro als neuer DC-Standard heraus. Da ist es gut, wenn das Elektroauto einen großen Akku an Bord hat – und den Strom über einen schnellen Lader an Bord holt. Fahrer von Elektroautos mit kleiner Batterie und lediglich einem Anschluss für einen Typ-2-Stecker zahlen drauf. Oder sie schauen in die Röhre, weil beispielsweise an den Ladesäulen von Ionity der Strom ausschließlich über einen CCS-Stecker fließt.

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