Der Bundesverband E-Mobilität (BEM) sieht den erwarteten Hochlauf der Elektromobilität als Jobmotor für die Energiewirtschaft. Der Ausbau der öffentlich zugänglichen Ladeinfrastruktur soll einer hauseigenen Studie des Verbands in den kommenden zehn Jahren bis zu 255.000 neue Arbeitsplätze schaffen, teilte der BEM mit.

Neue Jobs in der Automobilindustrie sowie in der Batterieherstellung seien in dieser Prognose nicht berücksichtigt, betonte der Verband. „Allein der Bereich Ladeinfrastruktur schafft Arbeitsplätze, die bislang niemand auf dem Schirm hat – insbesondere weil sich hier die Bereiche Energie und Mobilität verbinden“, sagte Markus Emmert, Wissenschaftlicher Beirat und Leiter der Arbeitsgruppen im BEM.

Die neuen Arbeitsplätze sollen demnach vor allem die Bereiche Planung, Bau, Installation, Betrieb und Wartung der Ladeinfrastruktur betreffen. Aber auch Fachkräfte, die Solaranlagen montieren, stationäre Großspeicher realisieren und betreiben, den Netzausbau vorantreiben sowie im Mess- und Zählwesen zählten dazu. „Die ersten Personal-Engpässe zeigen uns bereits schon heute, dass erheblicher Arbeitskräftebedarf besteht, dem wir jetzt entgegenwirken sollten“, mahnte er.

111 Milliarden Euro Investitionsbedarf

Allerdings müsste die Bundesregierung ein deutlich ambitionierteres Ziel für den Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur setzen, damit die Prognose des BEM aufgeht. „Derzeit sind 100.000 öffentliche Ladepunkte als Ziel gesetzt, wobei der Ausbau auf mindestens 300.000 in den nächsten fünf Jahren notwendig sein wird“, heißt es in der Marktprognose mit Blick auf das CO2-Reduktionsziel des Verkehrssektors bis 2030.

„Mindestens 10 Mio.“ weitere Ladepunkte müssten der Schätzung zufolge zudem mit dem privaten Wohnungsbau und bei Unternehmen errichtet werden, wenn die Gebäudeeffizienzrichtline der EU aus dem Jahr 2018 umgesetzt wird. Dies alles zusammen werde rund 111 Mrd. Euro kosten und dessen Bedarf an erneuerbarem Strom auf 54 Mrd. kWh bringen. Dabei sei zu berücksichtigen, dass die Verkehrswende den Bedarf an Diesel und Benzin reduziere, was den tatsächlichen Energiebedarf wiederum senke, so der BEM.

Andere Studien prognostizieren Jobverluste in der Autoindustrie

Der Branchenverband tritt mit dieser Prognose auch Studien entgegen, die einen massiven Arbeitsplatzverlust insbesondere in der Automobilbranche vorhersagen. So geht beispielsweise eine aktuelle Studie der Bundesagentur für Arbeit davon aus, dass hier bis 2035 rund 114.000 Arbeitsplätze verloren gehen sollen. Ein zentrales Argument dieser Erhebungen ist, dass viele Arbeitsplätze im Bereich Motorentechnik wegfallen, weil Elektromotoren deutlich weniger Komponenten enthalten als Verbrennungsmotoren.

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