„Um homem sem paciência é como uma lâmpada sem azeite,“ sagt ein portugiesiches Sprichtwort. Auf Deutsch: Ein Mensch ohne Geduld ist wie eine Lampe ohne Öl. Geduld bräuchten wir schon, an der „Schnell“-Ladesäule der Agentur Mobi.E an der Rastsätte Loule. Da diese auch über den Combo-Stecker maximal 50 Kilowatt Strom abgibt, würde es fast zwei Stunden dauern, um den Akku unseres Mercedes EQC, der immerhin 80 Kilowattstunden fasst, komplett wiederaufzuladen. Nach einer halben Stunde reißt uns der Geduldsfaden – für die Fahrt zum Hotel haben wir genug Energie an Bord.

Francisco Carrusca hat da wesentlich mehr Geduld. 25 Jahre musste er warten, ehe er die Korkeichen im Wald hinter Sao Bras de Alprotel, die noch sein Großvater gepflanzt hatte, erstmals ernten konnte. Und weitere neun Jahre vergingen, bis der Korkschwamm zum zweiten Mal mit kräftigen Axthieben vom Stamm der Bäume geschält werden konnte – so lange dauert es, bis sich der Baum von der ersten Aktion erholt hat. Aber was solls: Quercus suber, die portugiesische Korkeiche,  wird immerhin bis zu 250 Jahre alt. Die Kultivierung der Bäume ist da ein Werk von Generationen. Paciência.

Nachhaltige Wirtschaft
Francesco Carrusca führt im Hinterland der Algarve eine Öko-Korkfabrik, in der die „Prancha“, die großen Rindenstücke, nach ihrer Ernte mit Wasserdampf sorgfältig weiterverarbeitet werden. So wie schon seit Generationen. Foto: Florian Roser

Carrusca weiß wie seine Tochter Sophia eine ganze Menge über Korkeichen zu erzählen, über die Bäume, ihre Ernte und vor allem über die Verarbeitung des Schwamms. Denn ihrer Familie gehört nicht nur seit über 100 Jahren eine ansehnliche Plantage im wildromantischen Hinterland der Algarve , sondern auch eine Öko-Korkfabrik, wo die „Prancha“, die über ein Meter langen Rindenstücke nach der Ernte sorgsam und in Handarbeit verarbeitet werden. Nicht sofort, por deus, sondern erst nachdem sie sechs Monate lang auf dem Fabrikgelände gelagert wurden. Später kommen sie dann in einen großen Wasserkessel, wo die noch vom Stamm gewölbten Stücke dann langsam weichgekocht werden. Mit viel Paciência, versteht sich.

Musterland der Energiewende

Portugal ist der weltgrößte Produzent von Naturkork. Verwendet wird der nachwachsende Rohstoff in der Bau- und Autoindustrie. Kork, na klar, verschließt auch Weinflaschen und ist gerade auch in der Modebranche  angesagt. Das Naturmaterial schluckt Schall, ist elastisch und temperaturbeständig,  schwer enflammbar, atmungsaktiv  und obendrein voll recycelbar. Es ist deshalb gerade schwer gefragt und, wenn man so will, auch  ein Symbol für die Neuorientierung des Landes: Zurück zur Natur, zu Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz.

Land der Windmühlen
Portugal nutzt Windenergie schon seit Jahrhunderten. Seit der Energiewende aber in einer ganz anderen Größenordnung und mit moderner Technik. Foto: Florian Roser

Im Unterschied zu Deutschland ist beispielsweise die Energiewende im einstigen Armenland Europa fast vollzogen: Die Portugiesen konnten im Frühjahr ihren Strombedarf erstmals komplett aus Erneuerbaren Energien beziehen. Die Kraftwerke, die mit fossilen Energien wie Kohle und Erdgas betrieben werden, sind zwar noch nicht komplett eingemottet – der hohe Energiebedarf der Industrie lässt das noch nicht zu. Auf der anderen Seite ist der Ausbau der Erneuerbaren aber auch noch nicht abgeschlossen: Auf unserer 410 Kilometer langen Elektroauto-Tour entlang der Algarve- und Atlantikküste, von Faro über Lagos und Sagres rauf nach Setubal, kommen wir an einigen neuen Windparks vorbei. Und immer wieder sehen wir Handwerktrupps, die Photovoltaik-Module auf Häuserdächern montieren.

Grünstrom an der Ladestation

Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobile kommt, na ja, langsam voran. Die öffentlichen Ladesäulen, so versichert man uns später, werden immerhin komplett mit Grünstrom gespeist. Das gilt aber auch für die privaten Ladestationen in den Öko-Hotels, in denen wir unterwegs Station machen.

Beispielsweise im „Versteckten Paradies“, dem Paraiso  Escondido. Berny Serrao und ihr Mann Glen Cullen haben es in zehnjähriger Arbeit auf einem acht Hektar großen Grundstück im Südwesten von Alentejo geschaffen.  Umweltfreundlich, nachhaltig, mit einem Klärteich, einer Recycling-Anlage, einem Solarspeicher sowie einer Ladestation für Elektroautos. Auf den Speiseplan kommen nur Bio-Lebensmittel aus der Region, in die Seifenspender und die Waschmaschine nur Naturseifen. Mindestens zwei Tage müssen die Gäste bleiben – „um sich wiederaufzuladen“, wie Berny sagt.

Slider image

Rein in die Sandkiste

Der Mercedes EQC 400 4matic sieht nicht nur aus wie ein Geländewagen. Dank Allradantrieb meistert das 300 Kilowatt (408 PS) starke Elektromobil fast jede unwegsame Pisten. Und das ganz ohne Lärm. Foto: Florian Roser

Slider image

Gut Dinge will Weile haben

25 Jahre nach der Anpflanzung der Korkeiche kann der Besitzer erstmals ernten. Die Entwicklungszeit des Mercedes EQC dauerte hingegen nur vier Jahre – 2020 soll nun die Ernte eingefahren werden. Foto: Rother

Slider image

Verstecktes Paradies nicht nur für Stromer

Mindestens zwei Tage sollen die Gäste im Paraiso Escondido bleiben, um sich wieder aufzuladen. Dem Mercedes EQC reicht dafür eine Nacht. Foto: Florian Roser

Slider image

Stromern durch Portugal

Reichweitenangst kommt auf der Fahrt mit dem Elektroauto durch Portugal zu keinem Zeitpunkt auf. Selbst nicht bei eingeschalteter Klimaanlage und in voller LED-Illumination. Allerdings speichert unser Mercedes EQC in seinem Akku auch 80 Kilowattstunden Strom. Foto: Florian Roser

Slider image

Gemischtes Doppel

Die meisten Hotels entlang der Algarve verfügen inzwischen über Ladestationen für Elektroautos. Meist treten sie im Doppel auf: Ein Anschluss für Tesla-Fahrzeuge, einer für Elektroautos anderer Marken. Foto: Rother

Slider image

Mit der Kraft der Sonne

Im Frühjahr erzeugten die Portugiesen ihren Strombedarf erstmals komplett aus erneuerbaren Energien. Im „Versteckten Paradies“ von Berny Serrao und Glenn Cullen wird das Wasser mit Hilfe von solarthermischen Anlagen erwärmt. Foto: Rother

Slider image

Eletricidade Rapidamente

Entlang der Autobahnen baut der portugiesische Stromversorger Galp zusammen mit dem Mobi.e ein Netz von Schnellladestationen auf. Foto: Rother

Das gleiche gilt natürlich für unseren Mercedes EQC. Der elektrisch angetriebene Geländewagen ist hier in seinem Element. Nicht nur, weil der Allradler die Schotterstraße zur Hotelanlage auf derm Hügel mühelos bewältigt. Sondern auch, weil das E-Mobil kürzlich den Umweltcheck durch den TÜV Süd erfolgreich absolviert hat: Das Auto wird bereits weitgehend klimaneutral produziert. Bis 2022 soll dies für alle Werke des Konzerns in Europa gelten.

Vermüllte Strände im Naturschutzgebiet

Auch Portugal ist vom Ideal nachhaltigen Wirtschaftens noch ein Stück weit entfernt. Das merken wir am Endpunkt unserer Reise, dem Naturschutzgebiet Reserva Natural do Estuário do Sado nahe der Industriestadt Setubal. Die Meeresbiologin Raquel Gaspar von der Umweltinitiative „Ocean Alive“ hat uns eingeladen, zusammen mit einer Gruppe von Fischerfamilien eine Seegraswiese im Flussdelta – Habitat von Flamingos, Seepferdchen und Delphinen – zu säubern.  Die Aktion soll keine drei Stunden dauern, Gummistiefel und Handschuhe werden gestellt, die Sonne scheint: Auf geht’s.

Slider image

Nicht lange reden, einfach machen

Die Meeresbiologin Raquel Gaspar setzt sich zusammen mit Fischern und ihren Freunden von der Umweltinitiative „Ocean Alive“ seit Jahren für die Erhaltung des Flussdeltas in der Nähe von Setubal ein. Regelmäßig säubern sie die Flussufer vom Zivilisationsmüll – gerne zusammen mit Besuchern aus dem Ausland. Foto: Florian Roser

Slider image

Grund zum Jubeln

Über 700 Kilogramm Abfälle aller Art kamen in nur drei Stunden bei der Sammelaktion zusammen: Der Einsatz hat sich gelohnt.

Slider image

Idyllisch – aber nur auf den ersten Blick

Von einst 28 Fischern übt inzwischen nur noch ein einziger im Flussdelta sein Handwerk aus. Foto: Florian Roser

Worauf wir uns eingelassen haben, merken wir schon auf dem Weg von der Straße runter an den Strand, der mit schwarzem Schlick überzogen ist. „Früher war hier hier weißer Sand“ berichtet Tony Rodriguez, der letzte Fischer, der hier regelmäßig noch die Muschelbänke aberntet und Krustentieren nachstellt. Seine Kollegen haben längst aufgegeben, auch weil die Flut regelmäßig Müll ins Flussdelta spült. Dementsprechend erschütternd fällt die Ausbeute unseren Säuberungsaktion aus: Über 700 Kilogramm Abfälle aller Art, Plastikprodukte, Flaschen, Reifen, aber auch Dutzende ausrangierte Hummerkästen aus Kunststoff.

Portugal mag auf dem Weg in eine bessere, grünere Zukunft sein. Aber das braucht noch Zeit. Und natürlich Paciência.

Artikel teilen

4 Kommentare

  1. Avatar

    Habe noch mal recherchiert. Sunnycars bietet nichts an. Bei Europcar gibt es einen BMW i3 – es ist aber nicht klar welcher Typ und welche Akkugrösse. Im Augenblick scheint nur https://www.wattsonwheels.pt ein ernst zu nehmender Anbieter zu sein.

    Antworten
  2. Avatar

    Danke für den Tipp mit Sunnycars. M3 steht übrigens für Model 3.

    Antworten
  3. Avatar

    Hätte man die Reise mit einem energieeffizienten Fahrzeug gemacht, wäre es entspannter gegangen. Beispiele könnten sein ein Kona electric, ein eNiro oder ein M3.
    Gibt es in Portugal Vermieter, die Elektrofahrzeuge im Angebot haben?

    Antworten
    • Franz W. Rother

      Es war eine sehr entspannte Reise mit dem EQC. Es wäre sicher auch mit einem e-Soul, einem e-Niro oder einem Renault Zoe entspannt gewesen, da Urlaubsfahrt und keine Fluchtbewegung. Dafür wäre eher M3 BMW geeigneter 😉 E-Leihwagen habe ich nicht gesehen. Aber laut Sunnycars Portugal soll es welche geben. Also einfach mal fragen

      Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.