Kurze Transportwege, maximale Frische – regionale Lebensmittel sind gefragt. Nur weiß der urbane Mensch oft nicht, wo er sie jenseits des Wochenmarktes bekommt. Bauern wiederum wollen ihre Ware zu fairen Preisen an die Kundschaft bringen. Das funktioniert am besten im Eigenvertrieb, der ist aber aufwändig und teuer.

Beide Seiten sind deshalb auf den Handel angewiesen, der für seine Vermittlerrolle viel Geld verlangt. Das Münchener Start-up Erntebox baut nun eine direkte Brücke: Die junge Firma stellt in der bayerischen Landeshauptstadt Kühlautomaten auf, aus denen Verbraucher Eier, Nudeln, Fleisch oder Käse ziehen können. Alles produziert in einem Umkreis von 70 Kilometer, auf Bauernhöfen in der Region.

Ben Kohz (23) kam gemeinsam mit Jonas Meder (27) auf die Idee für die Erntebox. Das Prinzip beschreibt er als „Wochenmarkt und Hofladen auf einem Quadratmeter“. Städter können sich an den Kühlautomaten rund um die Uhr versorgen. Womit, das entscheiden die Lieferanten. Das Sortiment schwankt nach Saison, die Prinzipien nicht: „Wir wollen hochwertige Lebensmittel anbieten und den Bauern dafür vernünftige Preise ermöglichen“, sagt Kohz. Wieviel ein Landwirt verlang, ist ihm überlassen. 90 Prozent des Endpreises behält er, der Rest geht an das Start-up. Der Lebensmittelhandel hingegen behalte mindestens 50 Prozent Marge ein, Billig-Supermärkte noch deutlich mehr, sagt Kohz, der sich um das Marketing kümmert, während Ko-Gründer Meder für Logistik und Finanzen zuständig ist.

Full-Service für Landwirte

Dass es sich lohnt, die Konsumenten direkt zu bedienen, wissen zwar viele Bauern. Die wenigsten haben aber die Möglichkeit, einen eigenen Laden zu eröffnen. Und eigentlich ist das auch gar nicht ihre Kernkompetenz. „Landwirte sollen das übernehmen, was sie am besten können: Lebensmittel produzieren. Den Rest machen wir“, sagt Kohz.

Die Erntebox-Mitarbeiter holen die frischen Produkte ab, sie bestücken die Kühlautomaten und rechnen mit den Bauern ab. Marketing, Logistik: Alles übernimmt das Start-up für die Lieferanten. Per Telemetrie wird die Temperatur im Automaten überwacht. Auch der Zustand der Waren lässt sich so überprüfen. Aufgefüllt wird etwa zweimal pro Woche.

Zum Beispiel mit den Eiern von Alexander Grünwald. Seine Familie arbeitet am westlichen Stadtrand in Allach seit dem 19. Jahrhundert auf eigenem Hof. Grünwald baut heute Kartoffeln an und hält Hühner in mobilen Ställen. Die Tiere haben dadurch täglich Auslauf auf der Wiese.

Wer will, kann den Bauern besuchen

Wenn sich Kunden dafür interessieren, können sie die Produzentinnen ihrer Frühstückseier sogar auf einem Video erleben. Für die Erntebox-Gründer sind solche Filme etwa über die Lebensbedingungen der Legehennen ein wichtiger Bestandteil der Firmenphilosophie. „Wir wollen die totale Transparenz für unsere Lebensmittel“, sagt Kohz. Die städtische Kundschaft wird sogar ermuntert, die Lieferanten persönlich zu besuchen und sich die Herstellungsbedingungen vor Ort anzusehen. Weit müssen sie für diesen Ausflug ja nicht fahren.

Sechs Automaten haben die Erntebox-Gründer bislang in München installiert, nach weiteren Standorten suchen sie gerade. Egal, ob ein Bäcker den Automaten als Ergänzung zum Brotangebot sieht, oder ob ein privater Grundbesitzer die Fläche vermietet: Hier werden Bauern und Städter zusammengebracht.

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