Da können die gusseisernen Fans der Sportwagenmarke jammern und heulen, Porsche hat am Ende nicht lange gefackelt und schiebt nach dem elitären E-Pionier Taycan (Verkauf ab Jahresende) und dessen familientaugliches Derivat Cross Turismo nun als Nummer drei gleich das meistverkaufte Modell des Hauses in die Elektrospur. Der Nachfolger des obersportlichen Kompakt-SUV Macan, von dem 2018 immerhin 86.000 Exemplare ausgeliefert wurden, wird definitiv ein vollelektrischer Flitzer.

Keine Angst, liebe Porsche-Freunde, selbstverständlich mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h und einer üppigen Reichweite von 400 bis 500 Kilometern. „Diese Reichweite ist ein klares Entwicklungsziel“, bestätigt uns Porsches Produktionsvorstand Albrecht Reimold. Und auf Tempo 200 könne man dann mit diesem E-Macan nicht nur einmal beschleunigen, sondern immer wieder nach Wunsch. „Ein Porsche muss das können“, grinst Reimold.

Auch bekommt der vollelektrische Macan wie der Taycan die extrem schnelle 800-Volt-Ladetechnologie, und er basiert ebenfalls auf der in Kooperation mit Audi entwickelten PPE-Architektur (Premium Platform Electric). Sehr langer Radstand, Batterie im Unterboden, viel Platz für Passagiere und Gepäck. Diese Plattform-Bruderschaft spart Kosten, und klar, natürlich will Porsche auch mit diesem E-Racer den Freunden von Tesla und Co. (neuerdings auch Volvos Polestar) nebenbei zeigen, was ne richtige elektrische Speed-Harke ist.

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Der Cross Turismo kommt

Der zweite Elektro-Porsche ist bestätigt: In seiner Sitzung vom 18. Oktober hat sich der Aufsichtsrat der Porsche AG für die Serienfertigung der Konzeptstudie Mission E Cross Turismo entschieden. © Copyright Porsche

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Die Premiere war im März

Der Cross Turismo wurde im März auf dem Genfer Autosalon erstmals gezeigt – als seriennahe Übung für Designer und Ingenieure, was auf der Plattform des Mission E möglich ist. © Copyright Porsche

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Der Wagen kam gut an

Mit dem Zuspruch für die fahrbare Konzeptstudie bei seiner Premiere war Porsche offenbar sehr zufrieden – sonst hätte der Wagen den Sprung in die Serie nicht geschafft. © Copyright Porsche

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Kommt er als Taycan Cross Turismo?

Der Cross Turismo ist eine Mischung aus Kombi und SUV. Den Namen für das Serienmodell hat Porsche allerdings noch nicht verraten. Von der Seite lassen sich einige Parallelen zu dem Panamera Sport Turismo erkennen, aber auch klare Anleihen an der Elektro-Studie Mission E. © Copyright Porsche

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Gleiche Technik

Da sich der Cross Tursimo die intern als J1 bezeichnete Elektro-Plattform mit dem Taycan teilt, ähneln sich auch die technischen Daten: 600 PS Leistung, 500 Kilometer Reichweite, 800-Volt-Schnellladetechnik und ein Akku von mindestens 90 Kilowattstunden. © Copyright Porsche

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Futuristisch

Im Innenraum wird sich mit der Premiere des Taycan zeigen, wie viel von der Studie auch in der Serie kommt. © Copyright Porsche

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Studie oder Serie?

Das Layout des Kofferraums dürfte sich bis zum Serienstart noch ändern, zumindest eine bessere Absicherung zu den Rücksitzen ist Pflicht. © Copyright Porsche

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Das Stammwerk wächst weiter

Für die Produktion des noch namenlosen Cross Turismo werden in Zuffenhausen 300 weitere Mitarbeiter angestellt. © Copyright Porsche

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Kommt er 2021?

Ein Datum für den Serienstart gibt es noch nicht. Somit ist auch unklar, ob der Cross Turismo das kürzlich von Finanzvorstand Lutz Meschke für 2021 in Aussicht gestellte Elektro-SUV ist oder ob noch ein elektrischer Ableger des Macan kommt. So oder so: Der Anfang ist gemacht und Porsche geht den Weg weiter. © Copyright Porsche

Der Countdown läuft, Porsches Standort Leipzig muss sich nun ruck, zuck zum Automobilwerk für Elektromobilität wandeln. Soeben wurde der Grundstein für einen neuen Karosseriebau mit einer Gesamtfläche von 75.500 Quadratmetern gelegt, sogar Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer war bei der Zeremonie dabei. Die Zeit ist knapp, denn der erste rein elektrisch betriebene SUV von Porsche soll hier schon „Anfang des nächsten Jahrzehnts vom Band rollen“, so heißt es bisher offiziell.

Geht’s ein bisschen genauer? Produktionsvorstand Reimold ziert sich da natürlich, man arbeite ja noch mit Audi an der Architektur, die bei Porsche intern PPE 41 heißt. Aber 2021, so Reimold wolle man in Sachsen prinzipiell produktionsbereit sein, und die Produktion, so lässt er sich später entlocken, „wird vermutlich 2022 beginnen“.

Die Heimat des e-Macan
Der e-Macan wird im Porsche-Werk Leipzig gebaut – ab 2022.
© Copyright Porsche

Kriegen die Sachsen das hin? Reinhold ist da ganz entspannt. „Die Leute hier sind extrem flexibel, auch über mehrere Baureihen hinweg, wir haben da nur beste Erfahrungen“. Investitionen in Höhe von rund 600 Millionen Euro sind geplant, um auf der bestehenden Leipziger Fertigungslinie künftig vollelektrische Fahrzeuge produzieren zu können. Doch was die geplanten Stückzahlen betrifft, da ist der Vorstand ganz vorsichtig: „Wir hoffen, dass wir uns wie beim Taycan genauso positiv irren.“

Ein zarte Anspielung auf die anfangs zu niedrig angesetzten Stückzahlen des ersten Zuffenhausener Elektro-Sportwagens, für den es mittlerweile trotz 2500 Euro Deposit-Gebühr weltweit über 20.000 feste Interessenten gibt, obwohl die Leute dieses Auto noch nicht einmal in seiner endgültigen Form gesehen haben. Tendenz steigend.

Porsche e-Macan ab 70.000 Euro?

Ein Ladesäulen-Prototyp soll die Wartezeiten beim Stromtanken verkürzen. Noch sind Elektroautos aber von dessen Ladegeschwindigkeit überfordert. Laden

Der Druck, aus Leipzig rechtzeitig und ausreichend liefern zu können, ist jedenfalls groß, denn am Ende sollen Kunden des vollelektrischer Macan, nach Möglichkeit nicht länger als sechs bis acht Monate auf ihr Auto warten müssen. Reinhold: „Daran arbeiten wir.“ Und aus der eigenen Händlerschaft habe man schon die ersten positiven Reaktionen auf den geplanten vollelektrischen Macan.

Über einen möglichen Einstiegspreis für den Macan will heute noch niemand bei Porsche reden. Wir rechnen mal mit einem Basispreis von unter 70.000 Euro, die Topmodelle dürften locker an die 100.000-Euro-Marke rutschen. Unterm Strich dürfte sich das Engagement für Porsche garantiert lohnen, denn Produktionskosten und -zeit dürften nach einer Anlaufphase wie beim Taycan unter denen der bisherigen Verbrenner-Modelle liegen – und am Ende eine zweistellige Rendite garantieren. Reimold lächeld vielsagend: „Wir machen das in der Produktion wie immer so kostengünstig wie möglich.“

Porsche-Werk Leipzig wird mit Ökostrom betrieben

Auch ökologisch soll der Macan höchste Ansprüche erfüllen. Der neue Karosseriebau bekommt eine Photovoltaikanlage direkt aufs Dach. Reimold: „Das komplette Werk wird mit Strom aus regenerativen Quellen betrieben.“ Die Lithium-Ionen-Batterien fürs Auto sollen übrigens gleich um die Ecke produziert werden. Der zukünftige Lieferant würde vor Ort produzieren, erklärt der Vorstand. Mehr könne er dazu noch nicht sagen, noch laufe die entsprechende Ausschreibung.

Taycan, Cross Turismo, Macan – das ist ja erst der elektrische Anfang. Porsche-Chef Oliver Blume, der neuerdings Porsche und Elektromobilität als perfekte Kombination sieht, hat ja gerade den größeren Ausblick gegeben: „Bis 2022 investieren wir mehr als sechs Milliarden Euro in die Elektromobilität und bis 2025 könnte bereits jedes zweite Neufahrzeug von Porsche einen Elektroantrieb haben.“

Was dann aus den Zuffenhausener Benzinern wird? Der letzte Mohikaner dürfte jedenfalls der Klassiker 911 sein, der aber demnächst zumindest schon als Plug-in-Hybrid fahren wird. Auf eine ewige Verbrennerzukunft wettet niemand mehr bei Porsche.

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