110 Meter lang ist die Superyacht. Damit ist sie zwar ein Drittel kürzer als die „Solaris„, die nagelneue Yacht des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, die kürzlich auf der Lloyd-Werft in Bremerhaven fertiggestellt wurde. Dennoch würde die Yacht, die von den Kreativen des Wiesbadener Designbüros 3deluxe entworfen wurde, in den Häfen und auf dem Wasser sicher mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als das vergleichsweise konventionell konstruierte und von Ferne eher wie ein Kriegsschiff wirkende Prunkboot des Multimilliardärs: Wenn die Jalousinen vor den riesigen Fensterflächen geschlossen sind, sieht die visionäre, aerodynamisch gesformte Yacht der Wiesbadener Designer aus wie ein gigantischer Wal, der zum Luftholen an die Wasseroberfläche gekommen ist. Aber nicht nur das Design ist vom Feinsten, sondern auch die Technik – und das Gesamtkonzept, das in diesen Tagen auf Monaco Yacht-Show für Furore sorgt.

Denn die Yacht, die noch keinen Namen trägt, ist so etwas wie ein schwimmender Garten Eden, mit Gemüsegarten und einer Meereswasser-Entsalzungsanlage, mit sensorgesteuerten Lamellen vor den Glasfassaden – und einem großen „Masterbedroom“ mittendrin.

Nutzgarten statt Sonnendeck
Die Konstrukteure der Öko-Yacht haben an Bord ein großes Gewächshaus vorgesehen, das der Entspannung wie der Versorgung der Passagiere mit frischem Obst und Gemüse vorsieht. Trinkwasser liefert eine Entsalzungsanlage. Bild: 3deluxe

Naturnah, nachhaltig, offen und auf jeden Fall unkonventionell lauteten die Schlüsselworte, von denen sich die konstrukteure leiten ließen. Die „Solaris“ von Abramowitsch ist nach der Sonne benannt, wird aber noch von Dieselmotoren betrieben. Die Superyacht des Teams aus Wiesbadener ist mit 470 Quadratmeter Solarmodulen überzogen, die das Licht der Sonne einfangen und in Strom umwandeln. Dieser wird an Bord in einem riesigen Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von einer Megawattstunde gespeichert. Das sollte reichen, um sämtliche Räumlichkeiten und das Gewächshaus zu beleuchten und zu erwärmen.

Brennstoffzellen-Antrieb mit 4 Megawatt Leistung

Für den Antrieb sind zwei Elektromotoren mit jeweils 1000 kW (1360 PS) Leistung vorgesehen, die über eine Brennstoffzelle mit 4 Megawatt Leistung mit Fahrstrom versorgt werden. Zwei große Wasserstoff-Tanks sorgen dafür, dass dem emissionsfreien und praktisch lautlosen Schiffsantrieb nicht so schnell die Puste ausgeht: Die Reichweite der Yacht wird mit 3240 Seemeilen, umgerechnet rund 6000 Kilometer angegeben. Alternativ kann der Wasserstoff aber auch über einen Reformer aus mitgeführtem Bio-Methanol an Bord gewonnen werden.

Angelegt werden muss unterwegs ohnehin nicht. Die Passagiere ernähren sich von Früchten und Gemüse aus dem Garten – oder direkt aus dem Meer. Auch das Trink- und Duschwasser wird natürlich selbst gewonnen.

„Masterbedroom“ über dem Garten
Ein hohes Maß an Offenheit gibt dem Schlafzimmer des Schiffseigners unterm Solardach einen speziellen Charakter. Bild: 3deluxe

Im Unterschied zur „Solaris“, so haben es sich die Designer ausgedacht, wäre ihr Schiff deshalb auch gut als Schulschiff geeignet – während der Liegezeiten und außerhalb der Ferienzeiten könnten die Yacht Schülern, Studenten und Startups als schwimmende Plattform für Events und Kongresse dienen – so könnte der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung sozialverträglich kompensiert werden. Die Designer würden aber auch Wert darauf legen, dass beim Bau nur regenerative Energien und nur solche Stähle und Aluminium-Bauteile zum Einsatz kämen, die weitgehend klimaneutral gewonnen wurden.

Jetzt muss sich nur noch ein Bauherr finden. Was der Spaß kosten würde, haben die Konstrukteure noch nicht kalkuliert. Zur Orientierung: Die „Solaris“ soll eine halbe Milliarde Euro gekostet haben. Die Öko-Superyacht wird trotz geringerer Länge sicherlich nicht billiger ausfallen.

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2 Kommentare

  1. Avatar

    Toll! Ein super ökologischer Schwachsinn für Reiche, die nicht wissen was sie mit dem Geld tun sollen.

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    • Franz W. Rother

      Allemal besser als ein Flug ins All. Und Yachten bauen sie ohnehin

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