Es herrscht wieder Betrieb in den deutschen Autohäusern. Wie hier wir bereits mehrfach berichteten, hat die Ankündigung der neuen E-Auto-Prämie zu einer spürbar stärkeren Nachfrage nach Stromern geführt. Und das nicht nur bei den Opel-Händlern. Interessenten fragen aktiv nach Konditionen, die Auftragsbücher füllen sich. Doch nun legt das Nürnberger Marktforschungsinstitut puls Zahlen vor, die zeigen: Der Ansturm könnte größer sein als das Budget – und das bei maximaler bürokratischer Unsicherheit.

Laut einer aktuellen Repräsentativstudie unter 1.000 PKW-Haltern in Deutschland, durchgeführt im Februar 2026, wollen 3,1 Prozent der Befragten die neue E-Auto-Prämie „unbedingt nutzen“. Was zunächst nach einer kleinen Nische klingt, entfaltet seine Wucht bei der Hochrechnung auf den Gesamtmarkt: Dies entspricht rund einer Million Fahrzeuge, für die die Prämie konkret ins Auge gefasst wird.

Hier tut sich eine finanzielle Lücke auf. Der Fördertopf ist mit einem Gesamtvolumen von 3 Milliarden Euro ausgestattet, was rechnerisch nur für etwa 800.000 Fahrzeuge reicht. Stefan Reiser, Geschäftsführer von puls Marktforschung, warnt: „Schon allein die Gruppe der konkreten Interessenten übersteigt rechnerisch die geplante Förderkulisse.“. Zählt man die weiteren 20,6 Prozent der Befragten hinzu, die eine Nutzung zumindest „noch überlegen“ , deutet vieles darauf hin, dass die Mittel in Rekordzeit ausgeschöpft sein könnten.

Überzeugen wir nur die Überzeugten?

Während die hohe Nachfrage die Händler freut, offenbart die Studie ein strukturelles Problem bei der Lenkungswirkung. Das Ziel der Bundesregierung ist es, Verbrenner-Fahrer zum Umstieg zu bewegen. Die Daten zeigen jedoch ein anderes Bild:

  • Hohe Akzeptanz bei E-Mobilisten: Am größten ist das Interesse bei Haltern, die bereits ein reines Elektroauto (22,5 % Interesse) oder einen Plug-in-Hybriden (29,6 % Interesse) fahren.
  • Skepsis bei Verbrenner-Fahrern: Bei Haltern von Benzinern und Dieselfahrzeugen ist die Gruppe der Unentschlossenen zwar vorhanden, aber der Anteil derer, die „unbedingt“ zugreifen wollen, ist mit 2,2 % (Benzin) beziehungsweise 1,4 % (Diesel) verschwindend gering.

Die Prämie droht also eher ein „Upgrade-Programm“ für bestehende E-Auto-Fahrer zu werden. „Wenn ein Upgrade auf ein neues Elektrofahrzeug deutlich attraktiver wirkt als ein Umstieg vom Verbrenner, werde ein wesentliches Ziel der Förderung verpasst“, analysiert Reiser. Zudem könnte dies den Preisverfall bei gebrauchten E-Autos weiter anheizen, wenn viele junge Gebrauchte auf den Markt drängen.

Großes Interesse, aber niemand weiß „Wo?“ und „Wann?“

Die Ironie der aktuellen Situation könnte jedoch kaum größer sein. Während die Nachfrage im Handel anzieht und die Rechenbeispiele kursieren, tappen Käufer und Händler bei der Umsetzung im Dunkeln. Bis heute ist völlig ungeklärt, wo und ab wann genau die Anträge auf den neuen Umweltbonus gestellt werden können. Es fehlen ein freigeschaltetes Portal und konkrete Termine für den Startschuss. Wer also noch darauf wartet, dass die Behörden endlich bekannt geben, wo man den Antrag stellt, könnte angesichts des begrenzten Budgets am Ende leer ausgehen.

So viel Geld gibt es: Die offiziellen Konditionen

Wer sich trotz der bürokratischen Hürden für den Kauf entscheidet, findet die Rahmenbedingungen auf der Website des Bundesumweltministeriums. Die Bundesregierung setzt auf eine soziale Staffelung, die Haushalte mit geringerem Einkommen und Familien gezielt bevorzugt.

Das Grundgerüst sieht dabei wie folgt aus:

  • Basis-Prämie: Für reine Elektroautos und Plug-in-Hybride (mit einer elektrischen Reichweite von wenigstens 80 Kilometern und einem CO2-Ausstoß von maximal 60 Gramm pro Kilometer) gibt es feste Basissätze von 3000 bzw. 1500 Euro.
  • Einkommensgrenzen: Antragsberechtigt sind Haushalte bis zu einer Grenze des zu versteuernden Jahreseinkommens in Höhe von 80.000 Euro.
  • Sozial-Bonus: Wer unter bestimmten Einkommensschwellen liegt, erhält einen zusätzlichen Bonus, der sich bei besonders niedrigen Einkommen nochmals erhöht.
  • Kinder-Bonus: Für bis zu zwei Kinder gibt es weitere Pauschalbeträge von jeweils 500 Euro obendrauf.

Durch diese Staffelung können Käufer im Idealfall – also bei geringerem Einkommen und mit Kindern – eine Förderung von bis zu 6000 Euro für einen neuen Vollstromer und von 4500 Euro für einen Teilzeitstromer erhalten. Aber zuerst einmal muss im Bundesumweltministerium die Förderrichtlinie erarbeitet werden – bei der dann noch viele Detailfragen zu klären sind. Unter anderem auch die Frage, wie mit Paaren ohne Trauschein oder auch Schwangerschaften umzugehen ist: Zählt allein der Geburtstag des Kindes oder wird das „Kindergeld“ auch gezahlt, wenn der Nachwuchs erst im Jahr nach der Neuzulassung des Autos erwartet wird? „Da stehen noch viele Fragezeichen im Raum“, bestätigt ein Sprecher des Ministeriums.

Auch die Frage, welche Behörde die Anträge auf E-Auto-Förderung bearbeitet – und wann die Internet-Plattform freigeschaltet wird. Auskunft des Ministeriums: „Voraussichtlich im Mai“. Ein konkretes Datum könne man noch nicht nennen: An der Software werde noch gearbeitet.

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