Stéphane Séjourné tritt in die Szene wie ein Superheld ohne Umhang, aber mit einer Mission: Städte retten, CO₂ besiegen und dabei noch europäische Autos glänzen lassen. Sein Geheimwaffen-Team? Kleine, elektrische Flitzer, die so kompakt sind, dass man fast denkt, man könnte überall mit ihnen durch die Stadt fahren und in der engsten Ecke parken. Während die Welt noch über große SUV streitet, sieht Séjourné Mini‑Autos, die blitzschnell wie lautlos durch die Straßen huschen, die Parkplätze erobern und den Pendlern ein Lächeln aufs Gesicht zaubern.

Seine Idee hat sich längst rumgesprochen: Es geht um die geplante Fahrzeugkategorie M1E, eine neue Unterkategorie der klassischen EU‑Pkw‑Klasse M1. Sie soll künftig kleine, rein elektrische Autos bis etwa 4,20 Metern Länge fördern. Die Idee zählt zum Teil eines größeren „Automotive Packages“ der Europäische Kommission, mit dem die EU die Mobilitätswende beschleunigen und gleichzeitig ihre eigene Autoindustrie stärken will.

Vive la France 
Dass elektrische Kleinwagen wie der Renault 5 von Neuregelung profitieren, ist bei der Herkunft des EU-Kommissars sicher kein Zufall.
Vive la France
Dass elektrische Kleinwagen wie der Renault 5 von Neuregelung profitieren, ist bei der Herkunft des EU-Kommissars sicher kein Zufall.

Die Grundidee ist, erschwingliche, kompakte Elektrofahrzeuge attraktiv für Hersteller und Käufer zu machen, indem sie für besonders emissionsfreundliche Modelle „Super‑Credits“ einführt: Jedes in dieser Kategorie verkaufte Fahrzeug zählt bei CO₂‑Flottenzielen stärker, was Unternehmen hilft, ihre Ziele zu erfüllen und mögliche Strafen zu vermeiden.

Konkret bedeutet das: Bei der Neuzulassung eines ID. Polo würde VW bei der Berechnung seiner Flottenemissionen nicht einfach ein Fahrzeug angerechnet bekommen, sondern 1,3 Fahrzeuge. Laut der Kommission soll dies Anreize für die Autoindustrie schaffen, mehr kleine Elektroautos auf den Markt zu bringen und deren Produktion zu fördern. Denn bisher argumentieren die Hersteller mit einer geringen Rendite für den Verzicht auf Kleinwagen.

Maximal 4,20 Meter lang – und in der EU produziert

Die M1E‑Regelung erlaubt es den Mitgliedstaaten zudem, gezielte Anreize wie Steuervergünstigungen, Kaufprämien oder günstigere Ladeangebote für diese kleinen Stromer einzuführen. Hersteller, die Modelle innerhalb der 4,20‑Meter‑Grenze anbieten, könnten so neue Marktchancen sehen. Etwa für den Renault 5 oder Renault Twingo, den Fiat 500e oder den Citroën ë‑C3 – Elektroautos, die von ihrer Größe her exakt in dieses Segment passen und lokal montiert werden. Heißt: Es profitieren nur Modelle, die innerhalb der EU produziert werden. Das entspricht der aktuellen Linie der Kommission, in ihrer Industriepolitik verstärkt auf „Europe-First“-Regeln zu setzen.

Wir müssen leider draußen bleiben 
Kleinwagen aus Asien wie der BYD Dolphin Surf und der Hyundai Inster sollen nach den Vorstellungen der EU-Kommission keine Super-Credits erhalten, solange sie und ihre Schlüsselkomponenten nicht wenigstens zur Hälfte in Europa hergestellt werden. Foto: Rother
Wir müssen leider draußen bleiben
Kleinwagen aus Asien wie der BYD Dolphin Surf und der Hyundai Inster sollen nach den Vorstellungen der EU-Kommission keine Super-Credits erhalten, solange sie und ihre Schlüsselkomponenten nicht wenigstens zur Hälfte in Europa hergestellt werden. Foto: Rother

Auch der Opel Mokka Electric sowie der Jeep Avenger passen ins Raster. Selbst Varianten des Volkswagen ID. Polo und andere Modelle des VW-Konzerns wie Cupra Raval, der VW ID. Cross und der Skoda Epiq fallen darunter, ebenso wie künftige EU‑Plattformmodelle von Stellantis und Renault. Nach dieser Definition würden allerdings Elektroautos aus China und Korea wie der Dacia Spring und Hyundai Inster oder auch der Mini Cooper und der Mini Aceman herausfallen.

Super-Credits für die CO2-Flottenziele

Denn das Ziel ist nicht nur, preisgünstige, städtische Elektromobilität zu fördern, sondern auch eine strategische Stärkung der europäischen Industrie im globalen Wettbewerb – gerade gegenüber Importen aus China oder anderen Regionen. Mit „Super‑Credits“ und stabilen technischen Vorgaben über zehn Jahre soll Herstellern Planungssicherheit gegeben und die Entwicklung effizienter Klein‑E‑Autos attraktiver gemacht werden.

Citroën ë‑C3 
Der vollelektrische City-SUV ist mit einer Länge von 4.01 Metern aus Sicht der Politik das ideale Stadtauto für die Familie. Foto: Citroën
Citroën ë‑C3
Der vollelektrische City-SUV ist mit einer Länge von 4.01 Metern aus Sicht der Politik das ideale Stadtauto für die Familie. Foto: Citroën

Kein Wunder also, dass weitere Hersteller wieder über das Kleinwagensegment nachdenken, darunter Skoda und Audi. Mit dem A2 hatten die Ingolstädter zwar schon vor Jahrzehnten einen cleveren und durchaus innovativen Kleinwagen im Programm, aber eben als Verbrenner und für sie auf Dauer zu unwirtschaftlich. Nach nur sechs Jahren Bauzeit schmiss Audi den Kleinwagen 2005 wieder aus dem Programm.

Stadtautos mit nur wenigen Assistenzsystemen

Nach Angaben des spanischen Magazins „La Tribuna de Automoción“ könnte ein neuer Audi A1 e-tron voraussichtlich 2029/2030 erscheinen, während ein möglicher Skoda E-Fabia 2031/2032 auf den Markt kommen könnte. In spanischen Seat-Werk in Martorell werden künftig die Modelle Cupra Raval, Skoda Epiq und VW ID. Polo gebaut. Auch der mögliche Audi A1 e-tron und der Skoda E-Fabia könnte dort vom Band laufen. Allerdings sind diese Zeitpläne offiziell noch nicht bestätigt.

Cupra Raval 
Mit einer Länge von 4,05 Metern würde der sportliche Spanier wie die Schwestermodelle VW ID Polo und Skoda Epiq in die neue Fahrzeugkategorie fallen - und mit jeder Neuzulassung dem Mutterkonzern die Erreichung der Klimaziele per Super-Credit erleichtern.
Cupra Raval
Mit einer Länge von 4,05 Metern würde der sportliche Spanier wie die Schwestermodelle VW ID Polo und Skoda Epiq in die neue Fahrzeugkategorie fallen – und mit jeder Neuzulassung dem Mutterkonzern die Erreichung der Klimaziele per Super-Credit erleichtern.

Ein zentrales Argument für die neuen Kleinwagen ist ihr Preis: Für viele bleibt Elektromobilität nach wie vor teuer. Kompakte Fahrzeuge bieten hier Vorteile durch niedrigere Betriebskosten und geringeren Wartungsaufwand. Die Einstiegspreise liegen deutlich unter 30.000 Euro, einige Modelle sind sogar schon für unter 20.000 Euro zu haben. Um die Kosten weiter zu senken, könnte auf bestimmte, teure Assistenzsysteme verzichtet werden, die den Fahrzeugpreis deutlich erhöhen. Eine gezielte Reduzierung solcher Systeme gilt als ein wirksamer Hebel, um Elektro-Kleinwagen erschwinglicher zu machen. So könnte Europa die Kleinwagen nicht aus Nostalgie, sondern aus wirtschaftlicher Notwendigkeit und Überzeugung neu denken – und möglicherweise liegt darin die Zukunft des Autos.

Entscheidung fällt am Jahresende

Und was hat Stéphane Séjourné damit zu tun? Er ist ein französischer Politiker und Mitglied des Europäischen Parlaments (MEP) für die Partei La République En Marche! (LREM). Stéphane Séjourné gilt als enger Verbündeter von Präsident Emmanuel Macron und ist vor allem für seine Arbeit in der europäischen Politik bekannt, darunter Themen wie Digitalisierung, Wirtschaftspolitik und die Zukunft der Mobilität. Von Januar bis September 2024 war er auch Außenminister von Frankreich, seit Dezember arbeitet der in der EU-Kommission als einer der Exekutiven Vizepräsidenten der EU-Kommission.

Stéphane Séjourné 
Der 40-jährige Franzose gilt als Vertrauter von Staatspräsident Emmanuel Macron. Der Jurist ist in der EU-Kommission Exekutivvizepräsident für Wohlstand und Industriestrategie und zudem Kommissar für Industrie, KMU und den Binnenmarkt.
Stéphane Séjourné
Der 40-jährige Franzose gilt als Vertrauter von Staatspräsident Emmanuel Macron. Der Jurist ist in der EU-Kommission Exekutivvizepräsident für Wohlstand und Industriestrategie und zudem Kommissar für Industrie, KMU und den Binnenmarkt.

Dort engagiert sich Séjourné stark für europäische Integration, Innovation und Klimapolitik. In der Mobilitätsdebatte tritt er als Befürworter neuer, nachhaltiger Fahrzeugtechnologien auf, insbesondere von kompakten, elektrischen Fahrzeugkonzepten, die Städte entlasten und europäische Hersteller stärken – am besten die aus Frankreich.

Praktisch, dass der Stellantis-Konzern mit seinen Marken Peugeot, Citroen und DS Automobiles, aber auch Renault auf Kleinwagen spezialisiert ist und schon ein paar passende Produkte im Portfolio hat. So entstehen auf AmpR-Small-Plattform der Renault-Nissan-Allianz Modelle wie R4, R5, Twingo und Nissan Micra, gebaut in Douai in Frankreich, vielleicht bald auch ein elektrischer Ford Fiesta.

Mitte Dezember könnte übrigens im Zuge des „Auto-Pakets“ die neue Fahrzeugkategorie und damit seine Förderungen beschlossen werden. Garantiert mit dabei: Stéphane Séjourné, der Franzose mit dem unsichtbaren Umhang.

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1 Kommentar

  1. Renaud

    VW ID.3/Cupra Born: 4,26 m lang.
    Ein Schelm, wer böses dabei denkt.

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