Zehn Sekunden nur dauert es – und plötzlich hören wir die Vögel zwitschern, können wir bei der langsamen Fahrt durch die City den Gesprächen in den Straßenlokalen ein wenig lauschen. Denn unser Auto fährt elektrisch – störende Motorengeräusche sind nicht mehr zu vernehmen. Und ein kurzer Druck auf den Hebel am Fahrzeughimmel reicht aus, um das Faltdach über unseren Köpfen fast einen Meter weit nach hinten fahren zu lassen. Elektrisch versteht sich.
Renault hat sich lange bitten lassen, den vollelektrischen R4 E-Tech mit einem großen Faltschiebedach auszurüsten und damit in eine Cabrio-Limousine zu verwandeln. So wie seinen Ahnen, den zwischen 1961 und 1994 produzierten „Quatrelle“. Als Sonderausstattung gab es für die damals welterste Schrägheck-Limousine mit oben angeschlagener Heckklappe und variablem Innenraum für 120 Mark – umgerechnet etwa 60 Euro – ein Stofffaltdach, das je zur Hälfte von vorn und hinten zu öffnen war. Manuell natürlich.

92 mal 80 Zentimeter groß ist das Faltdach. Ein Windschott verhindert, dass nach dem Öffnen ein Sturm im Innenraum ausbricht.
Ganz so günstig ist es heute nicht mehr. Weder das Auto, noch das Sonnendach. Für die Ausführung „Plein Sud“ („Mitten im Süden“) des R4 E-Tech Techno 150 Comfort Range ruft Renault 36.300 Euro auf, die geschlossene Version kostet 1800 Euro weniger. Aber das Extra sollte man sich gönnen. Denn der Fahrspaß steigt darüber ungemein – und das nicht nur, wenn man sich entlang der Mittelmeerküste bei Sonnenschein bewegt.
Webasto-Konstruktion wiegt nur 19 Kilogramm
Denn der bayerische Zulieferer Webasto – Spezialist für Dachsysteme aller möglichen Art mit über 125-jähriger Erfahrung – liefert aus seinem Werk im französischen Les Châtelliers eine zweilagige Faltkonstruktion, die eine fast ein Quadratmeter große (80 mal 92 Zentimeter) Öffnung in das Dach zaubert, ohne dass die Insassen um den korrekten Sitz ihrer Frisur oder gar um ihre Gesundheit fürchten müssten. Denn es bleibt dank eines kleinen Spoilers vorne weitgehend windstill im Innenraum. Und das auch auf der Rücksitzbank und bei Tempo 100, zeigte sich beim Praxistest. Auch das Wummern in den Ohren, das sich früher nach dem Öffnen mancher Schiebedächer bei höheren Geschwindigkeiten einstellte, unterbleibt. Da ist den Stockdorfern wirklich etwas Solides gelungen.

Für Fahr- und Lebensfreude sorgt das große Webasto-Faltdach im Renault 4 E-Tech. Und das nicht nur an der Mittelmeerküste.
Klar, das zusätzliche Bauteil bringt allein schon aufgrund der strukturellen Maßnahmen an der Karosserie zusätzliches Gewicht ins Fahrzeug. 19 Kilogramm, um genau zu sein. Das ist zwar deutlich weniger, als ein Panorama-Glasdach wiegt. Aber bei einem Elektroauto, könnte der eine oder andere jetzt monieren, zählt bekanntlich jedes Gramm bei der Kalkulation der Reichweite. So kommt der R4 E-Tech mit seinem 52 kWh fassenden LFP-Akku tatsächlich lediglich 392 Kilometer weit, sieben Kilometer weniger als die Version ohne Faltdach. Aber ob 399 oder 392 Kilometer Norm-Reichweite, ist letztlich egal. Hauptsache, das Auto weckt Emotionen und das Fahren macht Spaß.
Faltdach soll Absatz des R4 neuen Schub geben
Bei Renault war dafür bislang eher der elektrische R5 zuständig. Der sich bestens verkauft: Bis Ende Mai wurden dieses Jahr in Deutschland über 3500 Exemplare des Modells zugelassen – vom R4 mit 1854 Einheiten nur halb so viele. Aber das könnte sich mit dem „Cabrio“, wie Renault die Plein Sud-Version etwas euphemistisch nennt, bald ändern. Alexander Albrecht aus dem Produktmarketing von Renault Deutschland erwartet einen Verkaufsanteil der Faltdach-Ausführung von wenigstens 20 Prozent: „Sonst haben wir etwas falsch gemacht.“ Das sollte auch für höhere Gewinnspannen sorgen: Angeboten wird Cabrio-Feeling nur zusammen mit dem 52 kWh-Akku als „Comfort Range“ und ab Techno-Ausstattung. Die preiswerte Urban Range-Version mit 40 kWh-Akku gibt es weiterhin nur mit festem Dach: Offenfahren war schon immer etwas teurer.

Das Stoffdach reicht bis über die Rücksitzbank. Auch bei offenem Dach und Tempo 100 lässt es sich hier noch gut aushalten.
Fotos: Renault
Und wer weiß – vielleicht bringt Renault ja bald auch eine Version des neuen elektrischen Twingo mit Faltdach. Bei Webasto würde man sich freuen: Der Wunsch nach Licht und frischer Luft, heißt es dort, sei laut Umfragen bei Autokäufern ungebrochen. Von der Autoindustrie werde er aber immer seltener erfüllt. Vor allem im Kleinwagensegment und speziell bei Elektroautos: Der Fiat 500 Cabrio (ab 27.990 Euro) und der Abarth 500 (ab 40.990 Euro) sind neben dem Renault 4 E-Tech Plein Sud aktuell die einzigen Angebote auf dem Markt.
Ein wirklich schönes pfiffiges E-Auto und die gebotene Qualität der Materialien ist im Vergleich zu meinem ID5 GTX um Welten besser..