Mazda bleibt stur und geht weiter seinen eigenen Weg. Während die Konkurrenz fast ausnahmslos auf den Batterie-Antrieb setzt, tüfteln die Japaner weiter am Verbrennungsmotor. Ihr jüngster Ansatz: „Mazda Mobile Carbon Capture“. Im Rahmen der ENEOS Super Taikyu Series 2026 wurde das System nun erstmals unter realen Rennbedingungen als integrierter Prozess erprobt. Doch ist diese „CCS auf Rädern“-Technologie wirklich der erhoffte Klimaretter oder eher eine technische Sackgasse?
Das Konzept klingt zunächst wie Science-Fiction: Ein spezielles Adsorptionsmaterial auf Zeolith-Basis fängt das CO2 direkt aus den Abgasen auf, bevor es in die Atmosphäre gelangt. Was Mazda bei der Japan Mobility Show 2025 als Konzept vorstellte, hat beim 24-Stunden-Rennen auf dem Fuji Speedway nun den nächsten Evolutionsschritt gemacht: Die Kombination aus Adsorption, Desorption und Speicherung in einem integrierten Tank wurde erstmals unter Rennbedingungen demonstriert.

Die Idee: Vom CO2-Emittenten zum CO2-Sammler
Mazda verfolgt hier einen Multi-Solution-Ansatz. Besonders spannend wird es in der Theorie, wenn das System mit klimafreundlichen Kraftstoffen wie HVO-Diesel (hydriertes Pflanzenöl) kombiniert wird. Da bei der Verbrennung solcher Kraftstoffe ohnehin weniger CO2-Emissionen über den Lebenszyklus anfallen, könnte das Fahrzeug bei erfolgreicher Abscheidung theoretisch sogar einen negativen CO2-Fußabdruck erreichen – es würde also „sauberer“ fahren, je mehr Kilometer zurückgelegt werden.
Die kritische Frage: Ist „CCS auf Rädern“ sinnvoll?
Kritiker und Experten stellen jedoch berechtigte Fragen zur Alltagstauglichkeit und Effizienz:
- Gewicht und Platzbedarf: Ein zusätzliches System aus Filtern, Abscheidern und einem Speichertank erhöht das Fahrzeuggewicht und benötigt Bauraum. Das beeinflusst den Verbrauch negativ – ein Teufelskreis, den man erst einmal durchbrechen muss.
- Logistik: Das abgeschiedene CO2 muss regelmäßig aus dem Fahrzeug entleert werden. Hierfür wäre eine flächendeckende Infrastruktur notwendig, die weit über das heutige Tankstellennetz hinausgeht. Wer kümmert sich um das CO2? Landet es in der Industrie, im Gewächshaus oder in einer Speicherstätte?
- Energieaufwand: Die Regeneration der Zeolith-Filter benötigt Energie (Hitze), die dem Prozess entzogen werden muss. Diese Energie muss das Fahrzeug erst einmal aufbringen.
Während andere Hersteller die Komplexität des Verbrenners aufgrund der Elektrifizierung reduzieren, baut Mazda sie durch solche Systeme massiv aus. Mazda selbst betont, dass die Ergebnisse noch nicht auf den Serienbetrieb übertragbar sind und man Effizienz sowie Haltbarkeit unter noch höheren Belastungen weiter testen müsse.
Mazdas Projekt ist auf jeden Fall ein faszinierendes Stück Ingenieurskunst. Als Nischenlösung für spezielle Anwendungen oder Flottenbetrieb könnte „Mobile Carbon Capture“ durchaus sinnvoll sein. Ob es jedoch ein massentaugliches Instrument zur Dekarbonisierung des Individualverkehrs wird, bleibt angesichts der enormen logistischen und energetischen Herausforderungen jedoch zweifelhaft.