Auf der IAA in München präsentierte Skoda die Konzeptstudie „Vision O“ – ein Kombi, der mehr sein soll als nur ein weiterer Elektro-Skoda für die Familie. Auch mehr als nur ein Nachfolger für den Skoda Octavia Combi und die Kombi-Version des Superb, von denen die tschechische VW-Tochter inzwischen mehr als 3,6 Millionen Exemplare weltweit verkauft hat. Für Einkaufsvorstand Karsten Schnake ist „Vision O“ auch mehr als nur ein Auto: „Das O steht für Kreislaufwirtschaft“, erklärt er im Gespräch mit EDISON und legt damit das Augenmerk auf die Anstrengungen der Skoda-Designer und -Ingenieure, die Umweltverträglichkeit der Fahrzeuge kräftig zu verbessern – auch an Stellen, die der Kunde nicht sieht. Und auch, wenn es oft auch mit einem größeren Aufwand in Fertigung und Beschaffung verbunden ist.

Die Gestaltung des Frontends geht beim „Vision O“-Kombi einen Schritt weiter als bei Elroq und Enyaq.
Skoda kann es sich leisten – derzeit ist die tschechische VW-Tochter eine Ertragsperle im Konzern mit einer Umsatzrendite von 8,3 Prozent und einem Rekordabsatz von weltweit 926.600 Fahrzeugen. Auch im ersten Halbjahr 2025 läuft es gut bei Absatz, Umsatz und Ertrag. Entsprechend entspannt präsentierte sich der Skoda-Vorstand auf der IAA Mobility in München.
Noch im Frühjahr 2023 war Einkaufschef Schnake ein Getriebener – Halbleiterengpässe belasteten damals die Produktion. Heute klingt er gelassener: „Wir sind aus der Krise gekommen in eine langfristige Strategie rein. Unsere Teams bei Volkswagen, Porsche, Audi und Skoda haben gemeinsam mit unserem Rivian-Volkswagen-Joint Venture die Sourcing-Strategien für die Elektronikplattformen der Zukunft entwickelt.“ Die Versorgungslage habe sich stabilisiert, die Produktion laufe über Plan. „Wir nutzen jede Schicht, die wir freibekommen, um Kunden zu bedienen.“ Ähnlich hatte sich kürzlich Skoda-Chef Klaus Zellmer im Interview mit EDISON geäußert.
Vision O setzt ein Statement
Mit der Studie Vision O bleibt Skoda seinen Wurzeln treu. Der Kombi, seit Jahrzehnten ein Markenzeichen, soll elektrifiziert und nachhaltig in die Zukunft geführt werden. Außen wirkt das 4,85 Meter lange Fahrzeug geräumig und funktional, innen experimentiert Skoda mit neuen Materialien und Fertigungsmethoden.
Auffällig sind etwa transparente Kopfstützen aus dem 3D-Drucker, die Material sparen und Gewicht reduzieren. Auch bei den Sitzen geht Skoda neue Wege: „Wir arbeiten daran, komplette Sitzbezüge inklusive Polsterung aus Monomaterialien herzustellen – ohne Verklebungen, damit man sie später problemlos recyceln kann“, so Schnake.

Künftig sollen auch Sitzbezüge aus Monomaterialien entstehen, die ohne Verklebungen auskommen – und so leichter recycelbar sind.
Für Schnake ist klar: Der Erfolg von Skoda mit Elektroauto und von Fahrzeugen mit elektrifizierten Antrieben hängt in Zukunft nicht nur an Reichweite und Verkaufspreis, sondern auch an der Glaubwürdigkeit der Marke in Sachen Nachhaltigkeit. „Zum einen erwarten unsere Kunden zu Recht, dass wir maximale Anstrengungen unternehmen, um unsere Fahrzeuge so umweltverträglich wie möglich zu machen. Zum anderen arbeiten auch unsere Partner lieber an nachhaltigen Produkten“, betont er. Der Skoda-Vorstand beschreibt einen „Selbstläufer“: Junge Talente bei Zulieferern entschieden sich bewusst für Unternehmen, die nachhaltige Materialien einsetzen. „Wenn Menschen sehen, dass sie an etwas arbeiten, das Sinn ergibt, sind sie mit mehr Begeisterung dabei.“
Recycling in Serie
Skoda verfolgt in Sachen Kreislaufwirtschaft ehrgeizige Ziele. Der Kunststoffanteil an Rezyklaten liegt beim Enyaq derzeit bei rund 20 Prozent, bei der nächsten Modellgeneration sollen es 50 Prozent sein. Auch Stahl und Aluminium werden zunehmend „grün“ eingekauft – etwa für Felgen oder Batteriewannen.

Ähnlich wie im neuen BMW iX3 zieht sich auch im Konzeptauto von Skoda ein schmales Info-Display unterhalb der Windschutzscheibe über die gesamte Fahrzeugbreite. Ein konventionelles Head-up-Display erübrigt sich dadurch.
Mit Projekten wie „Bumper zu Bumper“ will Skoda weitere Stoffkreisläufe schließen: Alte Stoßfänger werden über Schrottplätze gesammelt und zu neuen verarbeitet. Ein weiteres Projekt bringt PET-Flaschen aus Afrika zurück nach Europa. „Das hat auch eine soziale Dimension: Wir schaffen Arbeitsplätze und leisten einen Beitrag zum Umweltschutz“.
Von transparenten Kopfstützen bis CO₂-Polstern
Auch beim Interieur geht Skoda neue Wege. Im Vision O sind etwa transparente Kopfstützen aus dem 3D-Drucker zu sehen. Künftig sollen ganze Sitzbezüge aus Monomaterialien entstehen, die ohne Verklebungen auskommen – und damit leichter recycelbar sind. Das zahlt sich nicht nur ökologisch aus: „Im Moment generiert die Beschaffung an der Stelle Einsparungen“, sagt Schnake schmunzelnd. „So mache ich auch meinen Finanzvorstand glücklich.“
Beim EU-Lieferkettengesetz und Green New Deal ist Schnake allerdings skeptisch: „Ich war davon überzeugt, dass das eine Riesenchance ist. Aber im Vordergrund muss stehen, bürokratische Prozesse zu reduzieren und Eigeninitiative zu fördern.“ Statt dessen müssten sich viele Hersteller nun mit noch mehr „Papierkram“ beschäftigen.
Marktstart der Vision O in der nächsten Dekade
Der Vision O ist für die nächste Dekade geplant. „Wir fangen jetzt mit der Entwicklung an, und die dauert bei uns rund dreieinhalb Jahre“, so Schnake. Bis dahin will Skoda weitere Materialkreisläufe erschließen. „Es kann nicht unser Ziel sein, in 15 Jahren immer noch Rohöl für Kunststoffe einzusetzen. Wir sollten darüber nachdenken, CO₂ aus der Luft zu holen und nutzbar zu machen.“