1883 Meilen, umgerechnet rund 3032 Kilometer, sind es von Darwin im Norden Australiens bis nach Adelaide im äußersten Süden des Subkontinents. Ein konventionell angetriebenes Auto braucht für die Strecke im besten Fall 31 Stunden, ein modernes Elektroauto ein paar Stunden mehr – wegen der fünf bis sechs nötigen Ladevorgänge unterwegs. Wobei das entlang der Strecke schwierig werden kann: Die Zahl der Ladesäulen entlang der Strecke ist überaus spärlich. Und die maximale Ladeleistung ist mickrig: Mit etwas Glück findet man eine Station, an der Wechselstrom mit 22 Kilowatt fließt.

Insofern ist es nur folgerichtig, dass die Ausrichter der Bridgestone World Solar Challenge (BWSC) den teilnehmenden Teams aus aller Welt das Nachladen der Fahrzeug-Akkus verbieten – und beim diesjährigen, 17. Wettbewerb dieser Art die Akkukapazität weiter eingeschränkt haben. Statt sechs Kilowattstunden wie beim letzten Wettbewerb vor zwei Jahren dürfen die Akkus nur noch maximal drei kWh speichern. Denn die Elektroautos, die an der Langstrecken-Weltmeisterschaft teilnehmen, sollen ihren Fahrstrom unterwegs möglichst selbst produzieren – mithilfe von Sonnenkraft und Solarmodulen.

Fast vier Sekunden schneller als die Konkurrenz
Moritz Mitzel am Steuer des Covestro Aethon, mit dem er kurz darauf für das Aachener Team Sonnenwagen die Pole Position holte.
Fast vier Sekunden schneller als die Konkurrenz
Jan Potthast am Steuer des Covestro Aethon, mit dem er kurz darauf für das Aachener Team Sonnenwagen die Pole Position holte.

Bis zu sechs Quadratmeter Fläche dürfen die Solarzellen bedecken. Entsprechend kurios sehen die Fahrzeuge in der sogenannten Toyota Challenger-Klasse aus. Einige wie Katamarane mit zwei Rümpfen, andere wie Düsenjets. Mit vier oder drei Rädern und besonders schmalen Leichtlaufreifen, die Bridgestone eigens für die Teams gefertigt hat. 35 Studententeams aus 17 Ländern haben sich zum Teil jahrelang den Kopf darüber zerbrochen, wie sich die Aerodynamik der Karosserie mit der Effizienz eines Elektromotors und den Erträgen einer Solaranlage am besten unter einen Hut bringen lässt.

Kurzschluss beim TUFast“-Team aus München

Dem Team Sonnenwagen der Rheinisch-Westfälischen Hochschule (RWTH) Aachen scheint das am besten gelungen zu sein: Mit ihrem dreirädrigen Solar-Jet Aethon fuhren sie am Samstag (23. August) beim Qualifikations-Rennen auf dem „Hidden Valley Racetrack“ von Darwin Bestzeit. Mit einer Zeit von 1:52.51 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 91,83 km/h verwiesen die Aachener ihre ärgsten Konkurrenten aus den Niederlanden, aus Belgien und Ungarn auf die Plätze und schrammten nur knapp am Rundenrekord für Solarwagen vorbei.

Auf den letzten Drücker
Das Team TUFast der TU München hatte beim Qualifikationsrennen auf dem Hidden Valley Raceway von Darwin mit einigen technischen Problemen zu kämpfen - es ist ihre erste Teilnahme an der Langstrecken-Weltmeisterschaft für Solarfahrzeuge.
Auf den letzten Drücker
Das Team TUFast der TU München hatte beim Qualifikationsrennen auf dem Hidden Valley Raceway von Darwin mit einigen technischen Problemen zu kämpfen – es ist ihre erste Teilnahme an der Langstrecken-Weltmeisterschaft für Solarfahrzeuge.

Das Rennen nach Adelaide können sie deshalb am morgigen Sonntag (24. August) wie schon 2023 erneut von der Poleposition in Angriff nehmen und müssen sich nicht wie das zweite deutsche Team – „TUFast Eco“ der Technischen Universität München – aus dem Hinterfeld mühsam nach vorne arbeiten. Die Bayern, die zum ersten Mal an der BWSC teilnahmen, hatten mit massiven technischen Problemen zu kämpfen. Aufgrund eines Kurzschlusses blieben sie auf der ersten Qualifikationsrunde nach wenigen hundert Metern liegen. Erst beim zweiten Anlauf lief alles rund. Im Eco-Modus und mit einer Zeit von 2:49,32 konnten sich das von Audi gesponserte Team gerade noch für die Teilnahme qualifizieren. vorübergehend sah es so aus, als müsste TUfast vorzeitig die Heimreise antreten. Nun ist alles wieder offen – und möglich.

Road Trains, Kängurus und andere Unwägbarkeiten

Denn die Strecke, die vor den Teams liegt, ist nicht nur lang, sondern auch gefährlich. Die Solarautos bewegen sich im öffentlichen Straßenverkehr, wo sie unter anderem auf über 50 Meter lange Road Trains treffen können – Lastwagen mit bis zu vier Anhängern, die bei Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 100 km/h für ordentliche Windböen sorgen können. Insbesondere die dreirädrigen Solarwagen können dadurch heftig durchgerüttelt werden. In der Vergangenheit gab es auch immer wieder Zusammenstöße mit Kängurus und Beeinträchtigungen durch Buschbrände, die den Himmel verdüsterten. Auch ist steter Sonnenschein in Australien keineswegs garantiert – „Down Under“ herrscht gerade Winter.

Das Team Sonnenwagen ist jedenfalls gewappnet – seit 2017 haben die Aachener bereits drei Mal an der Langstrecken-Weltmeisterschaft für Solarfahrzeuge teilgenommen. Das aktuelle Modell ist bereits das fünfte Solarmobil, das dafür konstruiert wurde. Gesponsert werden sie unter anderem von der Bayer-Tochter Covestro und einer Tochter von Mercedes-Benz. Zu einem Sieg hat es bislang noch nicht gereicht: 2023 warf sie nur 300 Kilometer vor dem Ziel der Windstoß eines entgegenkommenden Road Trains aus der Bahn. Das soll dieses Jahr möglichst nicht passieren.

Ob es gelingt? Wir werden hier – wie schon 2017 – fortlaufend über den Wettbewerb berichten. Natürlich mit besonderem Fokus auch auf das zweite deutsche Team. Wir drücken beiden kräftig die Daumen.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert