Nach Einschätzung des Weltklimarats (IPCC) ist der Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen in den vergangenen Jahrzehnten eindeutig auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen. Die Zunahme könnte bis Mitte dieses Jahrhunderts jedoch, verglichen mit der Referenzperiode von 1850 bis 1900, auf einen Bereich zwischen 1,2 und 2,0 Grad begrenzt werden, wenn die CO2-Emissionen stark reduziert und bis 2060 auf null gesenkt würden. Das geht aus dem Sechsten IPCC-Sachstandsbericht (AR6) über Naturwissenschaftliche Grundlagen des Klimawandels hervor, der am 9. August 2021 veröffentlicht wurde.

Doch selbst unter den günstigen Szenarien sei ein weiterer Anstieg der globalen Erderwärmung bis Mitte des Jahrhunderts nicht zu vermeiden. „Ohne starke Reduktionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in den kommenden Jahrzehnten wird im Lauf des 21. Jahrhunderts die globale Erderwärmung von 1,5 und 2 Grad Celsius überschritten“, heißt es weiter.

Das 4.000-seitige Dokument (PDF) fasst neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Klimawandel seit dem Jahr 2013 zusammen. Anhand verschiedener Szenarien wird prognostiziert, wie sich die Erderwärmung im Verhältnis zum globalen CO2-Ausstoß entwickeln könnte.

„Jede Tonne CO2 trägt zur Erderwärmung bei“

„Dieser Bericht bestätigt, dass es eine fast lineare Relation zwischen der zunehmenden Menge von CO2-Emissionen in der Atmosphäre durch menschliche Aktivitäten und dem Ausmaß gemessener und zukünftiger Erwärmung gibt. Das ist Physik“, sagte die französische Klimatologin Valérie Masson-Delmotte bei der Vorstellung des Berichts und fügte hinzu: „Der einzige Weg, um die globale Erwärmung zu begrenzen, besteht darin, die CO2-Emissionen auf globaler Ebene auf null zu reduzieren. Jede zusätzliche Tonne an CO2-Emissionen trägt zur weltweiten Erwärmung bei.“

Eindeutig menschengemacht 
Die Aufzeichnungen der Temperaturen auf der Erdoberfläche zeigen ganz klar eine fortschreitende Erderwärmung seit dem Beginn der Industrialisierung und speziell seit den 1960er Jahren. Grafiken: IPCC
Eindeutig menschengemacht
Die Aufzeichnungen der Temperaturen auf der Erdoberfläche zeigen ganz klar eine fortschreitende Erderwärmung seit dem Beginn der Industrialisierung und speziell seit den 1960er Jahren. Grafiken: IPCC

Sollte die weltweite Klimaneutralität später als um die Jahrhundertmitte oder gar nicht erreicht werden, droht dem Bericht zufolge ein weltweiter Temperaturanstieg um bis zu 5,7 Grad Celsius. Das wäre allerdings nur der Fall, wenn der CO2-Ausstoß weltweit von derzeit 40 Gigatonnen im Jahr auf mehr als 120 Gigatonnen ansteigen würde.

Sollte der CO2-Ausstoß noch einige Jahrzehnte auf dem bisherigen Niveau verbleiben und zumindest nicht ansteigen, ist mit einer Erderwärmung von 2 Grad Celsius bis zur Jahrhundertmitte und rund 2,7 Grad bis zum Jahr 2100 zu rechnen.

Höchste CO2-Konzentration seit zwei Millionen Jahren

Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre hat dem Bericht zufolge den höchsten Wert seit mindestens zwei Millionen Jahren erreicht. Simulierte natürliche Faktoren wie Sonnenaktivitäten oder Vulkanausbrüche haben demnach eine vernachlässigbare Auswirkung auf die Erderwärmung. Der Ausstoß von Aerosolen durch menschliche Aktivitäten hat hingegen eine abkühlende Wirkung.

Demnach lag im Zeitraum von 2010 bis 2019 die globale Durchschnittstemperatur zwischen 0,8 und 1,3 Grad Celsius höher als im Vergleichszeitraum von 1850 bis 1900, wobei der beste Schätzwert mit 1,07 Grad Celsius angegeben wird. Schon diese Erwärmung habe zu zahlreichen negativen Klimaveränderungen geführt. So seien Hitzewellen oder starke Regenfälle häufiger und intensiver geworden. In bestimmten Regionen habe sich die Trockenheit verschärft. Höhere Temperaturen und stärkere Winde würden Waldbrände begünstigen. Zudem führe der Klimawandel zu einer höheren Meerestemperatur, einer Versauerung der Meere und einem Verlust an Sauerstoff.

Irreversible Prozesse für Jahrtausende

Weitere negative Auswirkungen seien der schnellste Anstieg der Meeresspiegel in den vergangenen 3.000 Jahren, die niedrigste Ausdehnung von arktischem Eis seit 1.000 Jahren und eine beispiellose Gletscherschmelze, wie es sie mindestens in den letzten 2.000 Jahren nicht gegeben hat. Diese Veränderungen sind dem Bericht zufolge irreversible Prozesse, die selbst in Jahrhunderten oder Jahrtausenden nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Träges System 
Selbst wenn die CO2-Emissionen drastisch reduziert würden, wären die Auswirkungen erst in Jahrzehnten zu spüren, zeigen die Szenarien, die Wissenschaftler der IPCC erarbeitet haben. Umso dringender ist es, nun schnell zu handeln. Grafik: IPCC
Träges System
Selbst wenn die CO2-Emissionen drastisch reduziert würden, wären die Auswirkungen erst in Jahrzehnten zu spüren, zeigen die Szenarien, die Wissenschaftler der IPCC erarbeitet haben. Umso dringender ist es, nun schnell zu handeln. Grafik: IPCC

„Langfristig wird der Meeresspiegel aufgrund der anhaltenden Tiefenerwärmung und Eisschmelze über Jahrhunderte bis Jahrtausende steigen und für tausende Jahre erhöht bleiben“, halten die Forscher mit hoher Wahrscheinlichkeit für zutreffend. Diese irreversiblen Prozesse könnte durch eine Klimaneutralität jedoch verlangsamt werden.

Extreme Wetterereignisse werden häufiger

Der Weltklimarat warnt davor, dass extreme Wetterereignisse mit einer weiteren Erwärmung noch häufiger würden. So steige die Wahrscheinlich extremer Regenfälle mit jedem zusätzlichen Grad um 7 Prozent. „Es ist unbestreitbar, dass menschliche Aktivitäten den Klimawandel hervorrufen und extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen und Trockenheiten häufiger und heftiger machen“, sagte Masson-Delmotte.

An dem Bericht haben laut IPCC 230 Autoren aus 65 Ländern mitgearbeitet. Fast zwei Drittel von ihnen waren erstmals an einem IPCC-Bericht beteiligt. Neben dem vollständigen Bericht hat der Weltklimarat noch eine 42-seitige Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (PDF) veröffentlicht, die die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfasst.

Ebenfalls veröffentlicht wurden regionale Einschätzungen, darunter auch für Europa (PDF). „Extremniederschläge und dadurch verursachte Überschwemmungen werden nach den Projektionen in allen Regionen außer dem Mittelmeer zunehmen, wenn die Erderwärmung über 1,5 Grad hinausgeht“, heißt es darin.

Darüber hinaus hat das IPCC einen interaktiven Atlas zum Klimawandel veröffentlicht. Dort lassen sich die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf bestimmte Regionen wie West- und Zentraleuropa darstellen, beispielsweise für Temperaturen und Niederschläge. 

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