Der Flughafen Düsseldorf ist nur einen Steinwurf weit entfernt, ein ICE- und S-Bahn-Haltepunkt in Sichtweite. Über die Autobahn fahren täglich Tausende von Menschen in Richtung Ruhrgebiet oder in die Niederlande, ein wachsender Teil davon in Elektroautos. Und auf dem Gelände des neuen EUREF-Campus selbst arbeiten Schneider Electric und andere Unternehmen an Innovationen für die Mobilität der Zukunft.

Der Standort ist ein echter Verkehrs-Hotspot und geradezu perfekt – für den zehnten charging hub von Audi. Am Montag wurde die Premium-Schnellladestation offiziell in Betrieb genommen, nach dreijähriger Planungs- und mehrwöchiger Vorbereitungszeit. An vier Ladeplätzen können hier Elektroautos aller Marken – wenn sie dazu technisch in der Lage sind – höchst komfortabel mit bis zu 400 kW Strom aufnehmen. Für 60 Cent pro Kilowattstunde. Besitzer von Audi-Stromern kommen noch günstiger weg, wenn sie sich für den Ladedienst des Unternehmens angemeldet haben. Je nach Tarif kostet die Kilowattstunde dann nur zwischen 39 und 49 Cent. Zudem können sie einen der Ladepunkte reservieren, um unterwegs keine Zeit zu verlieren.

Aushängeschildf 
Charging Hubs wie der in Düssseldorf bieten für die Audi-Händler in der Region auch eine Möglichkeiten, Interessenten die neuen Elektroautos der Marke vorzuführen - und neue Kunden zau gewinnen. Zur Eröffnung hatte Audi einige Fahrzeuge mitgebracht.
Aushängeschildf
Charging Hubs wie der in Düssseldorf bieten für die Audi-Händler in der Region auch eine Möglichkeiten, Interessenten die neuen Elektroautos der Marke vorzuführen – und neue Kunden zau gewinnen. Zur Eröffnung hatte Audi einige Fahrzeuge mitgebracht.

Entsprechend gut ist der neue Audi charging hub in Düsseldorf angenommen worden: Seit der Inbetriebnahme am 17. November und noch vor der offiziellen Eröffnung (24.11.) haben bereits 100 Fahrer von Elektroautos die neue Schnellladestation angefahren. Täglich luden hier im Schnitt 15 Fahrzeuge ihre Akkus auf, wie Audi-Projektleiter Nikolai Senst ausgerechnet hat. Und wie die Nutzerdaten zeigen, werde der neue Charging Hub beileibe nicht allein von Menschen genutzt, die auf dem EUREF-Campus arbeiten. „Der erste Nutzer war ein Reisender aus den Niederlanden“ – ihm war die neue Lademöglichkeit bereits im Navigationssystem seines Audi angezeigt worden.

Profitcenter und Lernfeld

„Mit dem Audi charging hub definieren wir einen neuen Leistungsstandard für das Laden im städtischen Umfeld“, sagt Senst, der in das Projekt viel Zeit und auch Herzblut investiert hat. Schnellladestationen entlang der Fernstraßen gäbe es dank Audi-Partner Ionity und anderen Spezialisten inzwischen reichlich. Im städtischen Raum hingegen seien HighPower-Charger hingegen noch selten. In die Lücke wolle Audi mit seinem Angebot hineinstoßen. Ja, eine hohe Auslastung sei auch hier wichtig, schon für die Rentabilität der Anlage. Aber für Audi sind die Charging Hubs mehr als ein Geschäftsmodell und Profitcenter, wie Senst ausführt. „Es ist nicht zuletzt auch auch Lernfeld für uns.“ Um die Ladetechnik der neuen Elektroautos von Audi zu testen, auch um die Software der Fahrzeuge zu optimieren.

Charging Hub Nürnberg 
Die Pilotanlage in der Nähe der Nürnberger Messe ist seit der Inbetriebnahme im Dezember 2021 ein Hotspot der Elektromobilität geworden. Nicht nur die Ladeplätze werden intensiv genutzt, sondern auch die Lounge in der Etage darüber. Fotos: Audi
Charging Hub Nürnberg
Die Pilotanlage in der Nähe der Nürnberger Messe ist seit der Inbetriebnahme im Dezember 2021 ein Hotspot der Elektromobilität geworden. Nicht nur die Ladeplätze werden intensiv genutzt, sondern auch die Lounge in der Etage darüber. Fotos: Audi

Und nicht zuletzt auch, um die Laderlebnisse an den Stationen zu verbessern. So kommen in Düsseldorf erstmals Bedienterminals zum Einsatz, bei denen sich das Display horizontal verschieben lässt: Auch Rollstuhlfahrer sollen die Ladepunkte ohne Verrenkungen aktivieren können. Und Ausrüster Alpitronic hat extra lange Kabel montiert, die über einen patentierten Schwenkarm leicht an jede Ecke des Fahrzeugs herangeführt werden können. Schritt für Schritt wird so das Ladeerlebnis weiter optimiert.

Ladestrom aus dem Vorratsspeicher

Im Dezember 2021 hat Audi nahe der Messe in Nürnberg den ersten Charging Hub als „Weltneuheit“ in Betrieb genommen – einen kleinen Lade-Tempel mit sechs Ladepunkten rund um einen Kubus und einer Lounge darüber, in der sich die Fahrer bei einem Kaffee oder einem Kaltgetränk erfrischen konnten, während ihre Fahrzeug Strom zogen. Ganz so luxuriös ist die neue Ladestation in Düsseldorf nicht. Die Fahrer müssen sich hier in das Gebäude des EUREF-Campus begeben, um sich in der Kantine zu stärken oder eine Toilette aufzusuchen. Im Sommer dürfen sie hier allerdings auch die Terrasse nutzen und mit Blick auf einen Teich entspannen.

Audi only 
Fahrer eines Elektroautos mit den berühmten vier Ringen können einen der vier Ladeplätze über die Charging-App reservieren. Der Bügel fährt dann automatisch runter, wenn die Kameras das angemeldete Fahrzeug erkennen.
Audi only
Fahrer eines Elektroautos mit den berühmten vier Ringen können einen der vier Ladeplätze über die Charging-App reservieren. Der Bügel fährt dann automatisch runter, wenn die Kameras das angemeldete Fahrzeug erkennen.

Ansonsten hat sich allerdings an der Grundkonzeption der Anlagen nichts geändert. Basis sind immer Cubes – Containerwürfel mit jeweils zwei Schnellladepunkte und einem 2,45 Megawatt großen Stromspeicher, der aus aufbereiteten Lithium-Ionen-Batterien ausrangierter Elektroautos besteht. Das spart nicht nur Kosten und Ressourcen, sondern auch eine aufwändige Infrastruktur mit Anschluss an das Mittelspannungsnetz und einen Transformator. Einen Teil des Stroms produziert die Anlage an sonnigen Tagen über PV-Module auf dem Dach auch selbst. Und sollte sich ein Standort nicht rentieren, kann die komplette Anlage auch in wenigen Tagen wieder abgeräumt und an anderer Stelle wiederaufgebaut werden. Das Schicksal erfuhr beispielsweise der Charging Hub im Bankenviertel von Zürich: Die Station steht inzwischen 370 Kilometer weiter östlich – an der deutsch-österreichischen Grenze in Kiefersfelden.

Stromeinkauf zum Bestpreis

Über 100.000 Ladevorgänge fanden seit der Inbetriebnahme der Pionieranlage in Nürnberg inzwischen an den acht Ladestationen in Deutschland und Österreich sowie den neuen Anlagen in Japan statt. Im Schnitt wurden dabei 36 Kilowattstunden von jedem Fahrzeug aufgenommen. Die Beschaffung des Stroms zu möglichst günstigen Konditionen ist da eine große Herausforderung für die Projektverantwortlichen. Audi ist inzwischen zu einem zeitgesteuerten Stromeinkauf übergegangen: Wenn an der Strombörse aufgrund des großen Angebots an Wind- und Sonnenstrom das Angebot groß ist, wird nach Möglichkeit eingekauft. Die großen „Power Cubes“ geben dazu die Möglichkeiten. Die Preisvorteile, die sich daraus ergeben, gibt Audi allerdings noch nicht an seine Kunden weiter: Der Strompreis ist stabil. Immerhin werden dann und wann Aktionen gefahren, bei denen der Strom zu Sonderkonditionen abgegeben wird.

Audi hat sich so eine Stammkundschaft herangezogen: Rund 70 Prozent der Nutzer besuchen die Charging Hubs regelmäßig, drei Viertel davon mit einem Elektroauto eines anderen Herstellers. Noch: Audi-Händler nutzen die Stationen gerne, um Kaufinteressenten die gute Ladeperformance der Stromer aus Ingolstadt und Neckrasulm vorzuführen. So auch bei der Eröffnung der Station in Düsseldorf.

Artikel teilen

2 Kommentare

  1. Reiner Boettcher

    kleiner Hinweis:
    Kiefersfelden liegt östlich von Zuerich

    Antworten
    • Franz W. Rother

      Korrekt

      Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert