Der Ton im deutschen Automobilhandel wird rauer – und BYD ist bereit, lautstark mitzumischen. Lars Bialkowski, der Deutschland-Chef des chinesischen Konzerns, macht keinen Hehl daraus, dass das erste Quartal dieses Jahres entscheidend wird. „Ich bin davon überzeugt, dass Q1 ein sehr wettbewerbsintensives Umfeld entstehen wird durch die neue E-Auto-Prämie“, prognostiziert Bialkowski.
Dabei verlässt sich BYD nicht allein auf die mögliche staatliche Förderung, sondern schafft selbst starke Kaufanreize: Für das neueste Modell, den Plug-in-Hybrid Atto 2 DM-i, gewährt der Hersteller einen Nachlass von beachtlichen 11.500 Euro auf den Listenpreis von rund 35.000 Euro. Eine Summe, die aufhorchen lässt.
Der Preisbrecher: Eine „Social-Idee“
Bialkowski bezeichnet diesen Schritt als notwendig für einen erfolgreichen Start: „Wir glauben, dass wir mit diesem Fahrzeug richtig gut starten müssen und wollen“. Die eigene Prämie sieht er dabei fast philosophisch als „Social-Idee“, die sicherstellen soll, dass Kunden über das Haushaltseinkommen nicht selektiert werden. Die Botschaft der Offenbacher an Interessenten ist simpel: „Du kommst zum Händler, du interessierst dich für einen BYD – und du hast Planungssicherheit ab dem ersten Tag“.

Der 54-jährige Diplom-Kaufmann aus Bielefeld kennt das Automobilgeschäft aus dem Effeff. Seine Karriere startete er als Trainee bei der Schwabengarage AG. Es folgten Stationen im Vertrieb von Ford, Toyota, John Deere sowie Nissan Europe. 2020 wurde er Vertriebsvorstand bei Renault Deutschland, 2022 Managing Director von Stellantis in Deutschland. Seit Sommer 2025 leitet er nun die Geschäfte von BYD in Deutschland und den Benelux-Ländern.
Dass diese Rabatt-Schlacht Margen kostet, ist eingepreist. BYD sieht sich als „Challenger im deutschen Markt“. „Eine gewisse Grundoffensive ist im Vertrieb auch immer gut, vor allem dann, wenn man von dem sehr umkämpften deutschen Markt Marktanteile gewinnen möchte“, erklärt Bialkowski im Gespräch mit EDISON seine Strategie. Wichtig sei ihm dabei, dass trotz der hohen Nachlässe auch der Handel profitiert: „Wichtig ist uns, dass der Händler damit Geld verdient. Und das ist sichergestellt“.
BYD fährt weiter zweigleisig
Während viele Hersteller fast ausschließlich auf reine E-Autos (BEV) schielten, fahre BYD zweigleisig und setzt in wachsendem Maße auf Plug-in-Hybride, wiederaufladbare Teilzeitstromer. BYD hat hier unter der Bezeichnung DM-i („Dual-Mode intelligent“) ein eigenes System entwickelt, bei dem das Fahrzeug primär durch Elektromotoren angetrieben wird. Der Benzinmotor fungiert die meiste Zeit nur als Stromgenerator und arbeitet entkoppelt von den Rädern. Erst bei höheren Geschwindigkeiten und Belastungen koppelt sich der Verbrenner über eine Kupplung direkt an die Antriebsachse mit der Antriebstechnik.

BYD bietet den Kompakt SUV Atto 2 mit zwei Antrieben an. Als Atto 2 DM-i zum Aktionspreis von 24.490 Euro. Für den Vollstromer in „Boost“-Ausführung sind es bis Ende März nur 25.990 – ein „E-Bonus“ von BYD in Höhe von 9000 Euro macht es möglich. Fotos: BYD
„Wir verkaufen deutlich mehr Plug-in-Hybride als viele andere. Das ist unsere Kernkompetenz“, so Bialkowski. Der Split zwischen den voll- und teilelektrischen Fahrzeugen (die nicht der EU-Strafsteuer für Elektroautos aus China unterlegen) liege je nach Monat bei etwa 60 bis 70 Prozent zugunsten der PHEVs. Der neue Atto 2 DM-i soll hier neben dem Seal 6 DM-i Touring (der in verstärktem Umfang Taxi- und Uber-Fahrern angedient werden soll), in diesem Jahr als „Wachstumstreiber“ fungieren. Und weitere Modelle mit der Antriebstechnik seien in Vorbereitung.
Ambitionierte Netz-Ziele: 350 Händler im Visier
Um die Autos zur Kundschaft zu bringen, drückt BYD beim Netzausbau mächtig aufs Gas. Das Ziel für dieses Jahr ist ambitioniert: 350 Händler sollen es werden, damit kein Kunde mehr als 35 Kilometer zur nächsten Werkstatt fahren muss. Nachdem man sich zunächst auf die Ballungsgebiete konzentriert hat, geht es nun in die Fläche. Aktuell verfügt der Importeur in Deutschland erst über 150 Verkaufsstützpunkte, Ende des ersten Quartals sollen es schon 190 sein. „Wir sind schnell, sehr schnell sogar, bei der Entwicklung des Händlernetzes“, betont Bialkowski. Dabei setzt er auch auf das Flottengeschäft und Vermieter wie Sixt, um die Fahrzeuge im Straßenbild sichtbar zu machen.
Die Skepsis gegenüber einer chinesischen Marke hält er indes für weitgehend überwunden: „Ich glaube, dass diese Schwelle für BYD schon überwunden ist“, sagt er selbstbewusst und verweist darauf, dass man Tesla technologisch und auch nach Absatzzahlen global längst überholt habe.
Ein weiteres Argument „Made in Europe“ soll bald ziehen: Die ersten in Europa produzierten Elektroautos – den Anfang macht der kleine Dolphin Surf – würden voraussichtlich Anfang des zweiten Quartals vom Band laufen. Langfristig wolle BYD so als „europäischer Anbieter wahrgenommen werden“.
Eigene Hypercharger: BYD baut Ladeinfrastruktur
Neben Autos bringt der Konzern auch seine eigene Ladeinfrastruktur nach Deutschland. Noch im ersten Halbjahr sollen die ersten BYD-Hypercharger mit einer maximalen Ladeleistung von einem Megawatt bei Händlergruppen installiert werden, kündigte Bialkowski an. Genutzt werden sollen die Ladepunkte auch von E-Autofahrern anderer Fabrikate.

Mit Ladeleistungen von bis zu 1000 kW können Elektroautos wie der Atto8 an den BYD-Megaflash-Chargern laden – sofern sie dazu in der Lage sind. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Ladestationen des Typs in Deutschland in Betrieb gehen. Foto: Rother
Vor der Inbetriebnahme müsse allerdings noch ein typisch deutsches Hindernis aus dem Weg geräumt werden: Das Eichrecht. „Wenn wir die Voraussetzungen des Eichrechts jetzt schnell gelöst kriegen, dann werden wir bald auch die ersten sehen“, so Bialkowski. „Wir arbeiten derzeit intensiv an einer vollständigen Angleichung von Technologien und Prozessen.“ Um den Start des Ladesystems zu beschleunigen, könnte die Energie hier zu Beginn sogar teilweise kostenfrei abgegeben werden.
Edelmarke Denza startet mit fünf Flagship-Stores
Technologisch soll vor allem die kommende Premium-Marke Denza von den neuen Säulen profitieren. Der Marktstart für Denza ist für Mai mit dem vollelektrischen Porsche-Fighter Z9 GT geplant, mit fünf eigenen Flagship-Stores in Metropolen wie Frankfurt, Köln, Hamburg, München und Berlin.
Kein Zweifel: Lars Bialkowski und BYD machen ernst. Mit einem Mix aus Preiskampf, Technologie-Offenheit bei den Antrieben und einem rasanten Infrastruktur-Aufbau will der chinesische Riese seinen Status als „Challenger“ schnell hinter sich lassen. Oder wie Bialkowski es ausdrückt: „Wir sind neu im europäischen Markt und wir wollen schnell Marktanteile gewinnen“.