Die neue Prämie der Bundesregierung für Elektroautos in Deutschland ist erst ein paar Tage alt – und zeigt bereits Wirkung. Zumindest bei Opel, wie Markenchef Florian Huettl im Interview mit EDISON verrät. Er hat wegen der gestiegenen Nachfrage, die Opel zusätzlich durch Leasingraten ab 220 Euro stimuliert, die Produktion in den Werken Eisenach (wo der Opel Grandland Electric vom Band läuft) und im Stammwerk Rüsselsheim (wo der vollelektrische Astra produziert wird) bereits hochfahren lassen, um keine langen Lieferzeiten entstehen zu lassen. Und Huettl, der auch für den Vertrieb aller Stellantis-Marken in Deutschland verantwortlich ist, hätte noch einen Wunsch an die Bundesregierung.

Florian Huettl 
Der bald 49-jährige Betriebswirt steht seit Sommer 2022 als Geschäftsführer an der Spitze der Opel Automobile GmbH in Rüsselsheim. Seit Dezember 2024 verantwortet der frühere Renault-Manager zudem das Deutschland-Geschäft aller Stellantis-Marken. Foto: Opel
Florian Huettl
Der bald 49-jährige Betriebswirt steht seit Sommer 2022 als Geschäftsführer an der Spitze der Opel Automobile GmbH in Rüsselsheim. Seit Dezember 2024 verantwortet der frühere Renault-Manager zudem das Deutschland-Geschäft aller Stellantis-Marken. Foto: Opel


Herr Huettl, Sie waren heute morgen bereits im Werk Eisenach. Haben Sie den Kollegen dort gesagt: Ich glaube, ihr müsst dieses Jahr ein paar mehr Autos bauen?

Das habe ich getan, ja. Ich habe dem Team auch mit auf den Weg gegeben, dass wir weiter an den Kosten arbeiten müssen – da sind wir noch zu hoch. Zunächst einmal aber sind wir sehr zufrieden mit der Entwicklung des Grandland in Eisenach. Der Grandland ist in Deutschland im zweiten Halbjahr, seit er eine gewisse Flughöhe erreicht hat und seitdem auch alle Motoren verfügbar sind, deutlich in den Top Ten. Das war lange nicht mehr der Fall.

Sie rechnen wegen der Verkaufsprämie für Elektroautos mit mehr Produktionsvolumen in Eisenach und Rüsselsheim – in Richtung mehr Elektro?

Genau. Wir haben die Produktion darauf vorbereitet, flexibel zu sein. Das ist einer der Vorteile unserer Multi-Energy-Strategie: Wenn die Nachfrage nach Elektroautos anzieht, ist das Werk in der Lage, den Mix entsprechend zu verändern.

Derzeit wird der Markt für Elektroautos noch von Firmenkunden dominiert. Wird die neue Verkaufsprämie der Bundesregierung mehr Privatkunden zu Ihnen bringen?

Da kann man eine Parallele zur Entwicklung in Frankreich ziehen. Dort hat das Social Leasing in der ersten Welle innerhalb von zwei Monaten dem Markt 40.000 neue Kunden gebracht, die wir vorher nicht kannten. Die Prämie hat dort tatsächlich ein Marktsegment erschlossen und ein zehn- bis fünfzehnprozentiges Wachstum im Privatmarkt bewirkt. Deshalb war ich auch immer ein Fürsprecher einer derartigen Förderung in Deutschland.

Made in Germany
Mit besonders erschwinglichen Leasingraten sowie der Fortführung des „Electric All In“-Programms sorgt Opel dafür, dass Elektromobilität für alle noch erschwinglicher wird. Im Zentrum stehen dabei der Grandland Electric und der Opel Astra Electric. 
Made in Germany
Mit besonders erschwinglichen Leasingraten sowie der Fortführung des „Electric All In“-Programms sorgt Opel dafür, dass Elektromobilität für alle noch erschwinglicher wird. Im Zentrum stehen dabei der Grandland Electric und der Opel Astra Electric

Erwarten Sie einen ähnlichen Effekt in Deutschland?

Ja. Wir haben in den letzten Jahren beobachtet, dass durch die gestiegenen Neuwagenpreise viele Kunden ihr Auto länger behalten, zum Beispiel, indem sie die Finanzierung am Ende der Vertragslaufzeit verlängern. Generell altert der gesamte Fuhrpark in Deutschland. Wir gehen davon aus, dass die Prämie nun eine latent vorhandene Nachfrage aktiviert. Davon erwarten wir uns gute Impulse. Wie wir in anderen Ländern sehen, zeigen solche Prämien auch Sekundäreffekte: Wenn der Nachbar plötzlich mit einem neuen Fahrzeug aus diesem Programm vorfährt, stimuliert das die Kaufbereitschaft.

Aber zünden solche Prämien nicht nur ein Strohfeuer?

Wir sehen in Frankreich, dass der Elektroanteil auch nach dem Auslaufen der Prämie auf einem sehr guten Niveau liegt. Wir erhoffen uns davon also mehr als nur ein paar zusätzliche Verkäufe, sondern einen generellen Impuls für mehr Wachstum in Deutschland.

Viele Privatkunden kaufen wegen der gestiegenen Neuwagenpreise vor allem Gebrauchtwagen. Ist es ein Fehler, dass die Prämie nicht auch für junge Gebrauchtwagen gilt – wie damals bei der Abwrackprämie?

Zunächst einmal freuen wir uns sehr über diesen Impuls der Bundesregierung. Das wird den Markt für Elektromobilität stimulieren. Dennoch muss hier sicherlich noch das eine oder andere nachjustiert werden. Ich bin zuversichtlich, dass das auch passiert. Eine reine Neuwagenprämie setzt die Restwerte der Gebrauchtwagen unter Druck. Ich befürworte durchaus, die Prämie auf junge Gebrauchte auszuweiten. Wir sind zuversichtlich, dass das kommt. Unabhängig davon bewerte ich die Prämie als ein starkes Zeichen. Wir freuen uns darauf.

Der Antrag auf die Prämie mit Einkommensnachweis hört sich kompliziert an. Geht das nicht einfacher?

Die Abwicklung muss so einfach wie möglich sein. Wir arbeiten hier eng mit unserem Handelsnetz zusammen, damit die Kunden bei uns eine kompetente Beratung erhalten. Unser Ziel ist es, den Kunden so viel Arbeit wie möglich abzunehmen.

Opel war ja sehr schnell darin, die angekündigte Prämie für eine Werbekampagne zu nutzen und in niedrige Leasingraten einzurechnen. Gibt es aus dem Markt schon ein Echo?

Wir sehen ganz klar Bewegung. Es gibt viel Traffic auf unserer Website, bei den Händlern klingeln die Telefone heiß. Am Wochenende, beim „Opel-Angrillen“ unserer Händler, haben wir viel Betrieb gesehen. Mit der Prämie als Anzahlung ist für den Astra aus Rüsselsheim eine Leasingrate von 220 Euro darstellbar, beim Grandland sind es 249 Euro. Das ist dann schon Elektromobilität für alle – made in Germany.

Hat die Opel-Flotte im vergangenen Jahr eigentlich den von der EU gesetzten CO₂-Grenzwert erreicht?

Wir weisen für Opel keine eigene Zahl aus, sondern nur konzernweit für Stellantis. Was ich sagen kann, ist, dass Opel im vergangenen Jahr bei der Elektrifizierung sehr dynamisch unterwegs war, das liegt vor allem am deutschen Markt. Mit gezielten Maßnahmen in der Vertriebsarchitektur wie innovativen Buyback-Lösungen haben wir hier den Handel unterstützt.

Opel Frontera Electric 
Mit einem Basispreis von 28.990 Euro zählt der Kompakt-SUV zu den preiswertesten Elektroautos in Deutschland. Inklusive E-Prämie und zusätzlicher Förderung durch Opel wird der Stromer schon für eine monatliche Leasingrate von 135 Euro angeboten. Fotos: Opel
Opel Frontera Electric
Mit einem Basispreis von 28.990 Euro zählt der Kompakt-SUV zu den preiswertesten Elektroautos in Deutschland. Inklusive E-Prämie und zusätzlicher Förderung durch Opel wird der Stromer schon für eine monatliche Leasingrate von 135 Euro angeboten. Fotos: Opel

Buyback heißt, Sie haben dem Handel das Restwertrisiko bei Elektroautos abgenommen?

Ja, denn gerade kleinere Partner schrecken oft noch vor dem realen oder auch nur wahrgenommenen Risiko zurück, wenn sie ein Elektroauto nach Ende der Leasingzeit zurücknehmen müssen. Die Händler wünschen sich dann eine Begleitung durch den Hersteller. Das hat viel in Bewegung gesetzt. Der Elektromix von Opel lag über das Gesamtjahr bei 14 Prozent, im vierten Quartal bei 17 Prozent und im Dezember bei 19 Prozent. Bei den Bestellungen liegen wir deutlich über 20 Prozent. Da ist also klar Bewegung drin. Ich sehe uns hier auf einem sehr guten Weg. Bei den neuen Modellen Frontera und Grandland haben wir einen Elektromix von über 30 Prozent.

Überraschenderweise gibt es bei der E-Prämie der Bundesregierung keine Local-Content-Regel, um vor allem europäische Autos zu fördern. Nun können auch Importmarken von außerhalb Europas profitieren. Wird das nicht vor allem ein Konjunkturprogramm für chinesische Marken?

Um Fahrzeuge nachhaltig an Privatkunden verkaufen zu können – mit attraktiven Leasingraten und einem funktionierenden Servicenetz – braucht es eine entsprechende Infrastruktur. Diese Infrastruktur haben wir bei Stellantis mit unserem Händlernetz, mit Teileverfügbarkeit und Finanzpartnern. Wir halten es durchaus für unterstützungswürdig, wenn ein Hersteller in Europa und insbesondere in Deutschland investiert, so wie wir das tun. Denkbar wären hier auch sogenannte Super-Credit-Lösungen, also eine doppelte Anrechnung von in Europa gebauten Fahrzeugen innerhalb der europäischen CO₂-Regulierung. Die E-Prämie an Local Content zu knüpfen, wäre sehr komplex geworden. Wir werden in den nächsten Wochen sehen, ob es gegebenenfalls Nachbesserungsbedarf gibt.

Stellantis hat mit Leapmotor einen chinesischen Hersteller im Vertriebsnetz. Erwarten Sie, dass die Marke überdurchschnittlich von der Prämie profitiert?

Die Fahrzeuge von Leapmotor sprechen eine eigene Kundengruppe an. Damit sind wir im Stellantis-Händlernetz sehr gut aufgestellt, um diesen Kunden attraktive Angebote zu machen. Leapmotor ist aktuell bei alternativen Antrieben die am schnellsten wachsende chinesische Elektromarke in Deutschland. Opel wiederum hatte im Jahr 2025 den größten Zuwachs bei alternativen Antrieben unter den deutschen Marken.

Vielen Dank für das Gespräch.

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