Wo immer der neue Twingo auftaucht, fliegen die Köpfe herum und zaubert er ein Lächeln auf die Lippen der Betrachter. Vor allem bei Angehörigen der Generation Y, den sogenannten „Millenials“ – sie haben noch die erste Generation des Kleinwagens vor Augen. Ja, der spaßige kleine Franzose hat das Zeug zum Herzensbrecher. Insbesondere, wenn er in einem frischen Mango-Gelb, in kräftigem „Absolut Rot“ oder dezentem „Absolut Grün“ daherkommt.
Und auch sonst weiß der kleine Fünftürer im Retrodesign zu gefallen. Er reißt mit seiner Antriebsleistung von 60 kW oder 82 PS zwar keine Bäume aus, passt mit seinem Elektroantrieb, einer Länge von 3,79 und einem Wendekreis von nur 9,87 Metern aber perfekt in jede Stadt. Dass man mit einer Füllung seines 27,5 kWh großen Akkus im besten Fall – bei frühsommerlichen Außentemperaturen und einer gemächlichen Fortbewegung – nur 261 Kilometer weit kommt, spielt da keine Rolle. Eher schon der Einstiegspreis von 19.900 Euro in Deutschland, der inklusive der deutschen E-Auto-Prämie auf unter 14.000 Euro sinken kann.

Der kleine Stromer ist für Renault nicht nur ein Sympathieträger. Er soll auch schon in diesem Jahr auch ordentlich Volumen bringen.
Florian Kraft, der Geschäftsführer von Renault Deutschland, ist deshalb sicher, dass der Kleine ein ganz Großer wird, wenn er demnächst in den Handel kommt. Als Sympathieträger – und als Volumenbringer wie schon sein Vorgänger, der Twingo der ersten Generation von 1992. Schon jetzt lägen 600 Vorbestellungen für den Elektro-Zwerg vor, freut sich der Automanager. Und Kraft macht keinen Hehl aus seinen Erwartungen: „Ich hoffe und habe mir auch vorgenommen, dass Twingo unser meistverkauftes Fahrzeug wird.“
Der R5-Effekt: Vom Sympathieträger zum Kassenschlager
Das aktuelle Aushängeschild der Elektro-Strategie des französischen Autobauers ist aktuell noch der Renault 5. Der kompakte Stromer, der wie der vollelektrische R4 ebenfalls im Retro-Design daherkommt, hat die eigenen Erwartungen des Unternehmens bereits weit übertroffen. Kraft erinnert sich an seine Prognose von vor einem Jahr: „Ich hatte gesagt, wenn wir 500 Einheiten im Monat schaffen, dann ist das ein Erfolg. Wir sind am Ende des Jahres dann bei 8.000 gelandet.“

Der kompakte Stromer hat bislang die Erwartungen der Vertriebsorgansation übererfüllt. Geplant war für 2025 ein Absatz von 6000 Exemplaren in Deutschland – tatsächlich kamen 8000 Autos des Typs neu auf die Straße. Fotos: Renault
Auch im aktuellen Monat verzeichnete das Modell, das beim älteren Publikum Erinnerungen an die wilden 1970er Jahre aufkommen lässt, bei uns bereits wieder über 500 Verkäufe im Monat. Doch Kraft betont, dass das Retro-Design kein Selbstzweck ist. Die Strategie dahinter sei klar kalkuliert: Man nutze das Retro-Element als Wiedererkennungsmerkmal und erleichtere den Verkauf durch die Bekanntheit der Modellreihe. „Aber das Ziel war nie, nur Nostalgiker anzusprechen. Tatsächlich kaufen viele Kunden den Wagen, die gar keinen persönlichen Bezug zum ursprünglichen R5 haben.“ Was offensichtlich daran liege, dass das Fahrzeug auch technisch überzeuge.
Der neue E-Twingo soll zum Volumenkönig werden
Den Ball aufnehmen und weitertragen soll nun der neue vollelektrische Twingo, der nach dem Rezept konzipiert wurde und kostengünstig im slowenischen Novo Mesto produziert wird. Renault rechnet bei dem kleinen Fünftürer europaweit mit einem Absatz von über 1.000, vielleicht sogar bis zu 1.500 Einheiten im Monat. . Die Argumente für den Kunden sind dabei pragmatisch:
Im Unterschied zu den vorangegangenen drei Generationen verfügt das Fahrzeug über fünf statt nur drei Türen, was die Praktikabilität und Variabilität zusammen mit der verschiebbaren Rückbank deutlich erhöht. Hinzu kommt ein sparsamer Energieverbrauch von nur 12 kWh auf 100 Kilometer laut WLTP-Verbrauchsnorm, Den Wert konnten wir auf unserer ersten Testfahrt mit einem Schnitt von 11,6 kWh/100 km sogar noch (leicht) unterbieten. Das Ganze zu einem Einstiegspreis von unter 20.000 Euro und einer Leasingrate, die laut Kraft bei rund 200 Euro im Monat (ohne Anzahlung) liegen wird – so wird Elektromobilität massentauglich.
Zwei-Bein-Strategie und neue Range Extender
Wobei Renault technologisch noch eine ganze Weile bei seiner klaren Trennung zwischen beiden Welten – der alten und der neuen – bleiben wird. Pkws, die sowohl mit einem Verbrenner als auch mit Elektromotoren betrieben werden, wird es bei Renault nicht geben. Ganz im Unterschied etwa zur Stellantis-Gruppe. Der R5 fährt ausschließlich elektrisch, der Clio etwa ist nur als Hybrid oder mit einem konventionellen Antrieb zu bekommen. Kraft ist überzeugt, dass die Fahrzeuge durch diese klare Trennung „mehr Charakter“ bekommen.

Der City-SUV ist etwas höher positioniert als der R5 und entsprechend teurer. Auf zwei verkaufte R5 kommt derzeit ein R4.
Um Bedenken bei der Reichweite künftig noch besser aufzufangen, setzt Renault im C- und D-Segment künftig allerdings nicht mehr auf klassische Plug-in-Hybride, sondern auch auf Elektroautos mit Range Extender. Diese Technologie soll künftig bei den großen E-Plattformen zum Einsatz kommen, verriet er. Die reine elektrische Reichweite werde hier zwischen 400 bis 450 Kilometern liegen. Dank eines kleinen Verbrenners, der als Generator arbeite, könnten Gesamtreichweiten von bis zu 1.200 Kilometern erzielt werden. Für Kraft ist dies eine sinnvolle Brückentechnologie auf dem Weg zur reinen Elektromobilität.
Attacke auf die 6-Prozent-Marke
Renault sieht sich so gut aufgestellt für die kommenden Jahre und den Wettbewerb in Deutschland sowohl mit den etablierten Automarken wie auch mit den neuen Herausforderern aus Fernost. Schon das zurückliegende Jahr sei insofern kein kein Zuckerschlecken gewesen. Die deutschen Hersteller ließen als „Platzhirsche“ ihre Muskeln spielen,, was viele internationale Konkurrenten Marktanteile gekostet habe. Renault und Dacia hingegen zeigten sich weitgehend unbeeindruckt und konnten ihre Marktanteile sogar leicht ausbauen. Beide Marken liegen aktuell mit jeweils 2,35 Prozent Marktanteil exakt gleichauf. Besonders stolz ist Kraft auf die Entwicklung der Kernmarke: „Allein die Marke Renault hat vier Plätze im PKW-Ranking gut machen können, ist vom 15. auf den 11. Platz vorgerückt“.

Ganz so extravagant wie die Konzeptstudie wird der Nachfolger des Dacia Spring wohl nicht werden, der 2027 in den Handel kommt.
Ein massiver Treiber sei dabei die E-Mobilität. Während der Gesamtmarkt für Elektroautos in Deutschland „nur“ um 50 Prozent wuchs, konnte die Marke Renault dank des R5 hier um satte 130 Prozent zulegen. Und mit dem „Future Ready Plan“ will Renault in Deutschland noch weiter wachsen und auch operativ noch exzellenter werden. Krafts Vision ist es, in Deutschland wieder Importeur Nummer Eins über alle Marken hinweg zu werden. Zuletzt hatte die Renault Group den Titel 2009 inne. Damals betrug der Marktanteil knapp fünf Prozent.
„Der Handel hat Bock“
Und das mittelfristige Ziel ist selbstbewusst: Die Gruppe – also Renault inklusive Dacia und Alpine sowie den leichten Nutzfahrzeugen der Marke Renault – peilt einen Marktanteil von sechs Prozent an. Davon sollen auf die Marke Renault etwa 3,2 Prozent und auf Dacia rund 2,8 Prozent entfallen. In Gebieten, in denen Renault mit einem Händler vertreten ist, erwartet Kraft von diesen Partnern sogar 3,5 Prozent Marktanteil.
Kraft fasst die Stimmung im Konzern und in der deutschen Vertriebsorganisation sehr optimistisch zusammen: „Der Handel hat Bock. Und Zukunft kommt von Zuversicht. Ich glaube, da kriegen wir noch einiges hin.“ Mit dem neuen Twingo – und auch dem neuen Schwestermodell von Dacia, das möglicherweise den Namen Evader tragen und mit einem Preis um die 18.000 Euro locken soll. Irgendwann im kommenden Jahr.