Auf der Jahrespressekonferenz (22. März) hatte Seat-Chef Wayne Griffiths gleich zwei nette Überraschungen parat. Erstens kündigte er für Seat „ein erstes urbanes Elektrofahrzeug“ an. Das soll mal so zwischen 20.000 und 25.000 Euro kosten und 2025 europaweit zu den Seat-Händlern rollen. Also auch zu uns. Und bei dieser Gelegenheit ließ er auch gleich was zum Design des Autos aus dem Sack – allerdings nur seine Umrisse. Immerhin, die geplante Karosserieform war gut erkennbar: Das wird ein handliches City-SUV im Format eines Seat Arona, also gut vier Meter lang.

Logischerweise nutzt der Hochsitzer die fürs Elektrische vollvariable MEB-Plattform des VW-Konzerns, die zum Beispiel im Vergleich zur schon käuflichen VW ID.3-Limousine hier nur vorn und hinten etwas eingekürzt wird. Auf der gleichen Kurz-Architektur startet VW spätestens Anfang 2025 seine eigenen geplanten ID-Kleinwagenmodelle (die etwas eher als der Spanier losgelassen werden). Und vergleichbare City-Ableger wird es auch bei Audi und Skoda geben, damit sich der ganze Aufwand schön rentiert. Selbst die Basisversion des Batterieformats des VW ID.3 kann der kleine Seat nutzen. Passt millimetergenau in seinen Unterboden. Wir rechnen deshalb schon mal mit Reichweiten zwischen 300 und 400 Kilometern.

Martorell wird Elektroauto-Werk

Gebaut wird der Flitzer offenbar bei Seat im Werk Martorell, das für künftige Elektromobilität komplett umgebaut wird. Griffiths: „Unser Ziel ist es, in Martorell mehr als 500.000 urbane Elektrofahrzeuge pro Jahr zu produzieren – auch für den Volkswagen-Konzern“. Klar, die genannten Kleinen der anderen Marken. Wobei die ehrgeizigen Spanier nicht nur Elektrofahrzeuge produzieren, sondern auch deren Entwicklung für den Volkswagen-Konzern leiten wollen. „Wir planen hierfür die Umgestaltung unseres Technischen Zentrums, das für die gesamte Region eine wichtige Forschungs- und Entwicklungsstätte darstellt“, haut Griffiths schon mal auf den Putz.

Seat Tavascan
Seat-Konzeptauto Tavascan
2024 wird das schnittige SUV-Coupe mit Elektroantrieb bei den Händlern stehen. Foto: Seat

Mit viel spanischem Speed soll übrigens auch auf der iberischen Halbinsel „die Herstellung eines Ökosystems für Elektrofahrzeuge und der flächendeckende Aufbau einer öffentlichen Ladeinfrastruktur“ angegangen werden. Ladepunkte, Ladepunkte, Ladepunkte. Und bei den Zulieferern für die Produktion der E-Modelle sollen möglichst viele spanische Unternehmen zum Zuge kommen.

VW-Batteriefabrik soll nach Spanien kommen

Zweite Überraschung: Auf der Jahrespressekonferenz gab Griffiths auch die für 2024 geplante Einführung des Cupra Tavascan bekannt. Dahinter verbirgt sich ein schneidiges, rund 4,40 Meter langes SUV-Coupe im Format eines Seat Ateca auf der gleichen MEB-Basis, die der VW ID.5 (richtig, das kommende elektrische SUV-Coupe der Wolfsburger) nutzt. Nach dem vollelektrischen Cupra Born (das coole Cupra-Pendant zur VW-Kompaktlimousine ID.3), der in Deutschland bereits Ende dieses Jahres zu haben sein soll, wird dies das zweite rein elektrische Modell der jungen Submarke sein. Selbstverständlich, sein sportlich geschärftes Design, das sich eng an die 2019 gezeigte Studie anlehnt, kommt natürlich nicht aus Wolfsburg, sondern aus Barcelona.

SEAT Metropolis:Lab Barcelona Die spanische VW-Tochter will ihren Gewinn vor allem in eins investieren: Smart City. Dafür hat sie das Labor Metropolis in Barcelona eröffnet, hat Alexa in einige Modelle integriert und den elektrischen Mii auf den Markt gebracht. Stadtplanung

Und jetzt warten alle Beteiligten nur noch auf grünes Subventionslicht von der spanischen Regierung und den einschlägigen EU-Behörden. Und dabei geht es schließlich nicht nur um dem Umbau von Martorell, sondern auch um die vom VW-Konzern beim „Power Day“ avisierte Batteriezellen-Produktion am spanischen Standort, die VW-Konzernchef Herbert Diess fürs Umfeld von Martorell bereits angekündigt hat. Die Aussichten? „Wir sind da guten Mutes“, ist bei Seat und Cupra hinter vorgehaltener Hand zu hören.

Cupra wächst trotz Corona

Griffiths Ankündigungen kommen zum richtigen Zeitpunkt, denn die wirtschaftlichen Zahlen der Spanier (Corona, Corona) waren diesmal nicht so toll. Zwar sind die Seat- und Cupra-Verkaufszahlen nach der Lockerung der pandemiebedingten Einschränkungen wieder gestiegen. Aber mit 427.000 verkauften Fahrzeugen lag das Ergebnis am Ende des Jahres 2020 dennoch 25,6 Prozent unter dem des Vorjahres (2019: 574.100 Fahrzeuge). Und statt eines Gewinns gab es beim operativen Ergebnis einen Verlust von 418 Millionen Euro (2019: 352 Millionen Euro Gewinn). Und das Ergebnis nach Steuern rutschte mit 194 Millionen Euro in die Miesen (2019: 346 Millionen Euro Gewinn).

Für 2021 verspricht Wayne Griffiths bereits Besserung: „Unser finanzielles Ziel ist klar: Wir wollen in diesem Jahr wieder Gewinne einfahren. Wir arbeiten mit aller Kraft und Entschlossenheit daran, so schnell wie möglich wieder schwarze Zahlen zu schreiben.“ Dabei gehe es nicht nur um zusätzliche Sparpotenziale, sondern eben auch um zusätzliche elektrische Modelle für die Erreichung der EU-Emissionsziele.

Cupra Born
Cupra Born
Das spanische Gegenstück zum ID.3 von Volkswagen geht schon zum Jahresende an den Start und soll im nächsten Jahr ein Wachstumstreiber werden. Foto: Seat

Das Thema Cupra stimmt ihn ohnehin positiv. Weil die noch ziemlich junge Power-Marke im letzten Jahr immerhin 27.400 Fahrzeuge absetzen konnte – gegenüber 2019 bedeutete das ein zweistelliges Wachstum von elf Prozent. Cupra war somit eine von wenigen Automarken, die trotz der Corona-Krise in Europa gewachsen sind. Die neuen E-Modelle der Marke könnten dieses Tempo noch beschleunigen: Für 2021 rechnen die Cupra-Manager mit einer Verdoppelung ihres Absatzes. Der anteilige Umsatz von Cupra am Seat-Gesamtergebnis soll dadurch von fünf auf zehn Prozent steigen.

Und 2022 wird Cupra auf dem australischen Markt starten – zu einer Expansion im gesamten asiatisch-pazifischen Raum. „Australien ist ein junger Markt zu dem eine junge Marke wie Cupra hervorragend passt. Die Kunden dort sind auf der Suche nach neuen Marken und das verfügbare Einkommen der Mittelschicht ist relativ hoch“. Griffiths jedenfalls ist auch in dieser Beziehung optimistisch.

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