Die Corona-Krise hat den deutschen Automarkt 2020 kräftig durchgerüttelt und die Neuzulassungen in den Keller geschickt: Für das Gesamtjahr rechnet der Verband der Internationalen Fahrzeughersteller (VDIK) mit einem Rückgang um 20 Prozent auf rund 2,9 Millionen Einheiten. Der Markt hätte damit das tiefste Niveau seit der deutschen Wiedervereinigung vor 30 Jahren erreicht.

Doch es gab auch ein paar kleine Lichtblicke für die im VDIK organisierten Importeure, die nach einer aktuellen Schätzung hierzulande bis zum Jahresende rund 1,16 Millionen Pkw absetzen dürfen. Damit wären sie etwas weniger stark vom Corona-bedingten Einbruch betroffen. Und sie hätten damit über das Jahr hinweg ihren Marktanteil auf über 40 Prozent steigern können.

Getragen wird dieser Erfolg zum einen durch den hohen Anteil des Privatkunden-Geschäfts – und von der „Energiewende auf der Straße“: Fahrzeuge mit alternativen Antrieben erleben seit dem Sommer, seit der Erhöhung der Innovationsprämie, einen regelrechten Boom. Für das Gesamtjahr rechnet der VDIK mit über 350.000 Elektroautos – mit Batterie und Brennstoffzelle, auch einem wiederaufladbaren Hybridantrieb. Das wäre ein Plus von 220 Prozent und ein Anteil von 12 Prozent am Gesamtmarkt. „Damit wird 2020 zum Jahr des Durchbruchs der Elektromobilität in Deutschland“, sagte VDIK-Präsident Reinhard Zirpel. Etwa 40 Prozent der Fahrzeuge mit einem alternativen Antrieb wurden dabei von einem Verbandsmitglied auf den deutschen Markt gebracht. Zirpel: „Wir waren früh am Markt, davon profitzieren wir jetzt.“

Deutsche auf Schnäppchenjagd
Seit der Erhöhung der Innovationsprämie ist die Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland trotz Corona deutlich gestiegen. Grafik: VDIK

Der Renault Zoe ist aktuell das meistverkaufte Elektroauto auf dem deutschen Markt; Toyota und Hyundai sind derzeit die einzigen Anbieter mit einem Brennstoffzellenauto im Portfolio. Und Mitsubishi hat mit dem Outlander und dem neuen Eclipse zwei Plug-in-Hybride im Angebot, die auch aufgrund der steuerlichen Vorteile aktuell stark nachgefragt werden.

E-Autos mit 30 Prozent Marktanteil

Und nach Einschätzung des VDIK ist die große Nachfrage nach Elektroautos nicht nur ein Strohfeuer. Der Verband erwartet, dass sich die Rekordfahrt im kommenden Jahr fortsetzt und Fahrzeuge mit alternativen Antrieben Ende 2021 auf einen Marktanteil von über 30 Prozent kommen werden. Zirpel: „Wir sind sehr optimistisch, was die alternativen Antriebe anbetrifft.“ Über eine halb Million Elektroautos, so die Prognose, werden im kommenden Jahr neu zugelassen, so dass der Gesamtbestand bis zum Jahresende die Marke von einer Million Fahrzeuge reißen dürfte.

Die Bundesregierung hatte dieses Ziel 2010 für das Jahr 2020 ausgegeben, später dann auf 2022 verschoben. Nun könnte es schon 2021 erreicht sein. Zirpel: „Emissionsarme Mobilität, nicht nur Elektromobilität, startet 2021 richtig durch.“

Flaschenhals Ladeinfrastruktur

Den Verband treibt allerdings die Sorge um, dass die Ladeinfrastruktur in Deutschland dem Ansturm der Stromer nicht gewachsen ist. Zirpel: „Wir sehen die zunehmende Gefahr, dass die Ladeinfrastruktur zum Flaschenhals wird.“ Es fehle an Ambition und Tempo bei der Umsetzung der Ausbaupläne. Viele Kommunen zögerten noch der konkreten Umsetzung. „Die Devise muss lauten: Schneller, höher, weiter!“, mahnte der VDIK-Präsident.

Auch dürfte im kommenden Jahr der Wettbewerb deutlich schärfer werden, da nun auch die deutschen Autohersteller mit einer großen Zahl neuer Modelle auf diesen Markt drängen. Zirpel: „Wir sind ja nicht blauäugig. Wenn der größte deutsche Fahrzeughersteller“ – gemeint ist Volkswagen – „hier eine Offensive startet, wird es zwangsweise zu Verschiebungen bei den Marktanteilen kommen.“

Renault-Chef Uwe Hochgeschurtz zeigte sich indes entschlossen, die Position seiner Marke zu verteidigen: „Wir sind immerhin voll lieferfähig“, meinte er auch mit Blick auch auf Opel: Aufgrund der hohen Nachfrage ist das Kontingent des neuen Opel Mokka-e für 2021 bereits jetzt ausverkauft.

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