Citroën befindet sich mitten im Wandel: Die Marke, die jahrzehntelang für Komfort, Mut zum Design und französische Unbeschwertheit stand, will zur E-Marke für alle werden. Mit dem neuen ë-C3, dem ë-C3 Aircross sowie dem ë-C5 Aircross hat die französische Traditionsmarke zwei günstige Elektroautos am Start, die den Markt aufmischen sollen. Im Gespräch mit Edison erklärt Thomas Goldboom, Geschäftsführer von Citroën Deutschland, wie die Marke wieder Fahrt aufnimmt – und warum er selbst „ein Elektro-Gläubiger“ ist.

„Unsere Händler müssen keine Angst vor Elektroquoten haben“

„Wir haben das große Glück, mit dem ë-C3 und dem ë-C3 Aircross zwei nagelneue Modelle zu haben, die extrem gut ankommen“, sagt Goldboom. Entsprechend zuversichtlich blickt er auf die Verkaufsziele.

2024, sagt Goldboom, sei bereits jedes vierte bis fünfte verkaufte Auto vollelektrisch gewesen. Im kommenden Jahr will Citroën den Anteil weiter steigern: „Jeder dritte Kunde soll elektrisch fahren.“

„Ich bin ein Elektro-Gläubiger, schon immer gewesen.“
 Thomas Goldboom leitet seit November 2023 die Geschäfte von Citroen in Deutschland. Zuvor war der Betriebswirt unter anderem im Vertrieb von Skoda Deutschland tätig, Fleet Manager bei Hyundai Motor Deutschland und Europachef bei der London EV Company.
„Ich bin ein Elektro-Gläubiger, schon immer gewesen.“
Thomas Goldboom leitet seit November 2023 die Geschäfte von Citroen in Deutschland. Zuvor war der Betriebswirt unter anderem im Vertrieb von Skoda Deutschland tätig, Fleet Manager bei Hyundai Motor Deutschland und Europachef bei der London EV Company.

Trotz ambitionierter Vorgaben gebe es keine Akzeptanzprobleme bei den Kunden. „Das Problem ist nicht die Technik, sondern der Preis. Wenn Elektro- und Verbrennerfahrzeuge zum gleichen Leasingtarif angeboten werden, dann funktioniert das. Das war wirklich ein guter Move von uns.“

Produktionsverzögerungen, keine Nachfrageprobleme

Die größte Herausforderung für Citroën lag 2024 nicht in der Nachfrage, sondern in der Lieferkette. „Wir hatten beim C3 eine Verschiebung der Markteinführung und einen hohen Kaufvertragsbestand. Das zweite Werk ist leider noch nicht angelaufen. Aber jetzt bringen wir die Fahrzeuge sukzessive in die Auslieferung.“

Im vierten Quartal will Citroën laut Goldboom mehr Elektroautos zulassen als in den ersten neun Monaten zusammen. „Wir werden jetzt jeden Monat versuchen, um die 1000 Fahrzeuge oder mehr in die Auslieferung zu bringen. Das sieht sehr gut aus.“

„Ich bin ein Elektrogläubiger“

Goldboom spricht ruhig, überlegt – aber seine Leidenschaft für das Thema Elektromobilität ist unverkennbar. „Ich bin ein Elektrogläubiger, schon immer gewesen. Ich habe schon vor zehn Jahren Elektroautos verkauft.“

Vor seiner Zeit bei Citroën arbeitete er unter anderem bei der London EV Company und bei Hyundai, wo er an den ersten Wasserstoffmodellen beteiligt war. „Ich glaube sehr wohl an den menschengemachten Klimawandel und daran, dass wir eine Verantwortung für die nächste Generation haben.“

Citroen e-C5 
“Er ist teurer als der Verbrenner, aber auch stärker, komfortabler und besser ausgestattet. Da darf das Elektroauto ruhig 100 Euro mehr kosten.“
Citroen e-C5
“Er ist teurer als der Verbrenner, aber auch stärker, komfortabler und besser ausgestattet. Da darf das Elektroauto ruhig 100 Euro mehr kosten.“

Für ihn sei Elektromobilität keine Glaubensfrage, sondern eine logische Konsequenz. „Es gibt überhaupt keinen Grund mehr, warum 50 Prozent der Menschen morgen nicht elektrisch fahren sollten. Für die anderen 50 Prozent gibt es gute Gründe – etwa weil sie keine Wallbox haben oder lange Pendelstrecken. Aber das lässt sich in den nächsten zehn Jahren lösen.“ Bis zum Jahr 2035, wenn in der EU der Verkauf von Neuwagen in der verboten werden soll, die mit ihren Abgasen das Klima belasten.

Bezahlbare E-Mobilität für alle

Mit dem neuen ë-C3 Urban will Citroën zeigen, dass Elektromobilität nicht teuer sein muss. „Das Auto kostet 19.990 Euro – und wenn der Händler ein bisschen mitgeht, vielleicht auch 19.000. Ich lade jeden herzlich ein, irgendwo ein anderes Auto für 20.000 Euro zu finden. Selbst viele Verbrenner fangen da erst an.“

Damit wolle Citroën beweisen, dass E-Mobilität massentauglich ist. „Das Argument, Elektroautos seien unbezahlbar, haben wir damit entkräftet.“ Auch der größere ë-C5 Aircross sei ein gutes Beispiel: „Er ist teurer als der Verbrenner, aber auch stärker, komfortabler und besser ausgestattet. Da darf das Elektroauto ruhig 100 Euro mehr kosten.“

Kostenvergleich: Strom schlägt Benzin

Goldboom rechnet es vor: „Ich zahle zu Hause 22 Cent pro Kilowattstunde. Selbst wenn ich 20 kWh auf 100 Kilometer verbrauche, kostet mich das nur sechs Euro. Bei fünf Litern Benzin und 1,80 Euro pro Liter bin ich bei neun Euro – also 50 Prozent teurer.“ Und mit Spritpreisen in der Größenordnung müsse man in den kommenden Jahren schon rechnen, auch wenn sie aktuell abseits der Autobahn noch darunter liegen.

Citroën Ami Buggy 
Das Leichtfahrzeug hilft dem französischen Autohersteller zwar nicht, den Marktanteil auf deutschen Pkw-Markt zu steigern. Aber es treibt der Traditionsmarke neue, vor allem junge Kunden zu. Denn der Elektro-Zwerg steht für das Lebensgefühl von Citroën.
Citroën Ami Buggy
Das Leichtfahrzeug hilft dem französischen Autohersteller zwar nicht, den Marktanteil auf deutschen Pkw-Markt zu steigern. Aber es treibt der Traditionsmarke neue, vor allem junge Kunden zu. Denn der Elektro-Zwerg steht für das Lebensgefühl von Citroën.

Natürlich gebe es Schnellladeanbieter mit hohen Preisen, räumt der Citroen-Manager ein. „Aber für die zwei Urlaubsfahrten im Jahr kann man das mal machen. Auf der Autobahn ist das wie beim Benzintanken – da zahlt man auch mehr.“

„Wir brauchen Verlässlichkeit“

Mit Blick auf politische Rahmenbedingungen fordert Goldboom stabile Regeln statt ständiger Änderungen der Rahmenbedingunen: „Es wäre hilfreich, wenn die Regeln, die gesetzt werden, auch stabil bleiben. Diese Verunsicherung – auch ob es neue Förderungen gibt oder nicht – hilft niemandem.“

Citroën wolle sich an den europäischen Regularien orientieren, aber nicht darüber hinausgehen. „Wir werden uns an die Regeln halten, immer compliant sein – aber nicht früher aufhören, Verbrenner zu verkaufen, als es die EU verlangt.“ Nach Stand der Dinge – siehe oben – wäre das 2035 der Fall.

Komfort als Markenkern

Innerhalb der Stellantis-Gruppe sieht Goldboom Citroën klar positioniert: „Wir sind die komfortorientierte, mutige Marke. Komfortfederung, bequeme Sitze, eigenständiges Design – das gibt es nur bei Citroën.“

Der neue C5 Aircross bringe zudem Innovationen wie das „Waterfall-Display“ und markante „Light Wings“-Rücklichter. „Wir sind die Einstiegsmarke beim Preis, aber nicht bei der Qualität“, betont Goldboom. „Wir haben einen hohen Wiedererkennungswert und sind endlich wieder eigenständig unterwegs.“

Köln als Citroën-Stadt

Citroën will in den kommenden Jahren deshalb auch wieder stärker in den deutschen Metropolen sichtbar werden. Besonders Köln, so Goldboom, spiele für die Marke eine wichtige Rolle: „Historisch hatten wir hier immer sehr hohe Marktanteile. Köln ist eine Citroën-Stadt – das wollen wir wiederbeleben.“

Citroën-Stadt Köln
Zwischen 1927 und 1935 produzierte Citroën Autos in Köln-Poll. Unter anderem die „Gangster-Limousine“ Traction Avant. Entsprechend intensiv wurde in der Domstadt für die französische Marke geworben – hier 1928 auf der Hohenzollernbrücke. Fotos: Citroën

Das Händlernetz soll aber auch bundesweit ausgebaut werden, in Kooperation mit Partnern wie Stellantis & You. „Wir führen viele positive Gespräche. Wir wollen mit einem Citroën-Weg möglichst nah an den Menschen dran sein – gerade in den Städten.“

Zwischen Geschichte und Zukunft

Die Marke Citroën lebt von ihrer Geschichte – und Goldboom weiß das. „Citroën hat die höchste Oldtimer-Dichte der Welt. Jeder kennt die alten Transporter mit dem Doppelwinkel vorn, das ist Teil unserer DNA.“ Dieses Erbe solle aber kein Nostalgieprojekt sein, sondern Antrieb für die Zukunft.

„Viele Menschen haben dieses Gefühl in sich, und die, die es nicht haben, müssen wir damit anstecken“, sagt er. „Wir sind auf einem guten Weg – wir haben den Marktanteil von 1,35 auf 2,1 Prozent gesteigert. Dieses Jahr kämpfen wir um die Zwei.“ Citroën wäre dann so stark wie die Konzernschwester Peugeot. Aber der eigentliche Wettbewerber sei Renault.

„Ich fahre noch den alten Schluffen“

Und privat? „Ich fahre aktuell noch den alten C5 Aircross“, lacht Goldboom. „Ich wollte, dass die neuen Autos erst auf Roadshow gehen – zu den Händlern, zu den Kunden. Aber jetzt nehme ich der Presseabteilung wahrscheinlich bald eins weg.“

Der Schuster, sagt er, habe eben die schlechtesten Leisten. Das sei bei Citroën Deutschland nicht anders.

Artikel teilen

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert