Welche Automarke erzielte im vergangenen Jahr die größten Zuwächse auf dem deutschen Automarkt? Nicht Volkswagen, auch nicht Skoda – Xpeng war der große Gewinner. Der chinesische Fahrzeughersteller konnte seine Neuzulassungen 2025 gegenüber dem Vorjahr fast verachtfachen. Und im Januar schossen die Neuzulassungen von Xpeng erneut ins Kraut: Das Kraftfahrtbundesamt vermeldete ein Plus von 247,9 Prozent. Und das auf einem Markt, der um fast sieben Prozent schrumpfte.
Trotzdem werden die Zahlen nicht dafür sorgen, dass in Wolfsburg, beim Kooperationspartner Volkswagen (der Konzern hält seit Ende 2023 einen Anteil von 5,99 Prozent an dem chinesischen Autobauer), nun die Alarmglocken läuten. Denn so stark das Wachstum aktuell ist – das Volumen insgesamt ist noch überschaubar. Knapp 3000 Elektroautos setzte Xpeng im vergangenen Jahr in Deutschland ab – etwa so viel wie VW vom ID.3 oder dem Passat in einem Monat auf die Straße bringt.

Mit einer maximalen Ladeleistung von bis zu 525 kW sticht der Elektro-SUV sämtliche Luxus-Stromer aus europäischer Herstellung aus.
Aber Markus Schrick, Geschäftsführer der XPeng Vertriebsregion Central Europe (die neben Deutschland auch Österreich und die Schweiz umfasst) ist ehrgeizig: Seinen Händlern präsentierte er kürzlich eine Planung, die in diesem Jahr ein Absatzvolumen von über 8000 und in 2027 von über 15.000 Fahrzeugen vorsieht. Und das hält er durchaus für realistisch, wie er in einem Pressegespräch in Köln darlegte.
Zahl der Xpeng-Händler soll sich mehr als verdoppeln
Seinen Optimismus begründet der ehemalige Hyundai- und Toyota-Geschäftsführer einerseits mit der wachsenden Zahl an Handelsbetrieben in Deutschland, die Fahrzeuge von Xpeng im Lieferprogramm haben. Ende vergangenen Jahres waren es 50 Betriebe, bis zum Ende des Jahres sollen es 120, also doppelt so viele, sein. Schon im ersten Quartal dieses Jahres sollen mehr als sechs neue Standorte eröffnet werden, unter anderem in der Domstadt. Zudem haben sich im Norden drei Handelsgruppen zusammengetan, um in Hamburg den ersten Xpeng City-Store zu eröffnen.

Im April geht die neue Fastback-Limousine an den Start, die mit einer maximalen Ladeleistung von 446 kW einen Mercedes EQS in den Schatten stellt, ihn mit einer Reichweite von bis zu 530 Kilometern übertrumpft – und nicht einmal die Hälfte kostet. Fotos: Xpeng
Zweite Säule der Wachstumsstrategie ist der Ausbau der Modellpalette. Xpeng G6 und G9 erhielten zum Jahreswechsel ein Upgrade, das den beiden SUVs größere Reichweiten und höhere Ladeleistungen bescherte. Im April geht mit dem P7+ nun eine neue, 5,07 Meter Fastback-Limousine an den Start, die nicht nur mit einer maximalen Ladeleistung von 446 kW einen Mercedes EQS in den Schatten stellt, sondern ihn mit einer Reichweite von bis zu 530 Kilometern und einer Antriebsleistung von 370 kW deutlich übertrumpft – und dabei in der allradgetriebenen Topversion nicht einmal die Hälfte kostet. Und zum Preis von 53.600 Euro gibt es Vollausstattung und obendrein sieben Jahre Garantie auf das Fahrzeug. Mercedes hingegen gewährt nur kurze zwei Jahre – und die Liste der aufpreispflichtigen Extras ist lang.
Ein Van und zwei neue Kompakt-SUVs
Und das ist erst der Anfang der Modelloffensive von Xpeng. Bereits im Juni kommt mit dem X9 ein siebensitziger Raumgleiter von 5,30 Metern Länge hinzu, mit Hinterradlenkung, Luftfederung, einer mit Nappaleder bezogenen Sitzlandschaft mit Liegefunktionen, mit ebenfalls 370 kW Antriebsleistung, einer Ladeleistung von 330 kW sowie einer Reichweite von 702 Kilometern nach der chinesischen Verbrauchsnorm CLTP. Angeboten wird der MPV im Mutterland in der Basisversion für 359,800 Yuan, umgerechnet 45.000 Euro. Zu dem Preis gibt es hierzulande nicht einmal einen VW ID. 7 Tourer (ab 54.900 Euro). Vom neuen Mercedes VLE ganz zu schweigen.

Der siebensitziger Raumgleiter glänzt mit Hinterradlenkung und Luftfederung, einer Ladeleistung von 330 kW sowie einer Reichweite von 702 Kilometern nach der chinesischen Verbrauchsnorm CLTP. In China wird er für umgerechnet 45.000 Euro angeboten.
Aber auch im Kerngeschäft des Volkswagen-Konzerns will Xpeng schon bald angreifen – mit zwei Kompakt-SUVs. Der neue, knapp 4,50 Meter lange G3 soll mit Preisen um die 35.000 Euro den erfolgreichen Skoda Elroq aufs Korn nehmen. Später wird dann noch ein Enyaq-Fighter unterhalb des Xpeng G6 positioniert. Beide gehen zunächst allerdings nur mit 400-Volt-Architektur an den Start, wie Schrick ankündigte.
Produziert werden die neuen Modelle in China, G6, G9 und P7+ hingegen laufen bei Magna Steyr vom Band – dort, wo auch das G-Modell von Mercedes montiert wird. Xpeng hat in Graz Fertigungskapazitäten übernommen, die nach dem Ende der Produktion von BMW Z4 und Toyota Supra frei wurden. Später kommen auch noch Versionen des vollelektrischen Xpeng G9 mit sechs und sieben Sitzen hinzu. Zudem wird in der Firmenzentrale überlegt, eine Variante des großen Elektro-SUV mit einem Verbrennungsmotor als Range Extender auch in Europa anzubieten – in China feiert das Antriebskonzept gerade große Erfolge.
„Deutscheste aller Chinesen“
Trotz mancher Nähe zu den deutschen Luxusmarken – Premiumhersteller möchte Schrick Xpeng nicht nennen. „Da sind wir ganz bescheiden.“ Wichtiger ist ihm, dass die Kunden Xpeng als Qualitätsmarke wahrnehmen – und als der „deutscheste Anbieter aller Chinesen“. Gegen Elektroautos aus dem Reich der Mitte haben viele Menschen hierzulande immer noch Vorbehalte und Datenschutz-Bedenken. Womit gelegentlich sogar die schwedische Geely-Tochter Polestar zu kämpfen hat, obwohl sie nach einer Studie der Unternehmensberatung UScale zusammen mit Xpeng (81 Prozent) und Porsche bei Autokäufern die höchsten Empfehlungsraten aufweist.

Vier junge Sportler hat Xpeng für die Marketingkampagne „Zero Gravity“ gewonnen, mit der die Marke bekannter gemacht werden soll.
Und für viele Menschen in der DACH-Region, die Schrick betraut, ist Xpeng überhaupt noch kein Begriff, zeigen andere Befragungen. Da gilt es kräftig nachzusteuern, Bekanntheit aufzubauen, das Profil zu schärfen, Vertrauen aufzubauen – und „Erstaunen kreieren“. Vor allem bei jungen Käuferschichten.
Schwerelose Markenkampagne im Internet
Zu dem Zweck zieht Xpeng gerade in den sozialen Medien eine Marketingkampagne unter dem Schlagwort „Zero Gravity“ auf. Die zentralen Markeneigenschaften von XPeng – Leistung, Innovation und Design – sollen hier emotional aufgeladen und mit den Werten Power, Eleganz und Präzision verbunden werden. „Wir wollten etwas Besonderes schaffen – genau wie unsere Modelle und unsere Marke: führend, zukunftsorientiert und bewusst ‚out of the box‘. Dynamisch wie unsere Fahrzeuge, positiv geladen wie unsere Kundinnen und Kunden und mit einer Performance, die Leichtigkeit, Selbstvertrauen und Kontrolle vermittelt“, erklärt Schrick.
Der frühere Eishockey-Spieler setzt dabei auf Sportsponsoring – und vier junge Athleten, die gemeinsam mit den Xpeng-Modellen auftreten. Einen Breakdancer, eine Team-Weltmeisterin in der Rhythmischen Sportgymnastik, den deutschen Calisthenics-Meister William Scheifler sowie die sechsfache polnische Weltmeisterin im Freestyle-Fußball, Aguska Mnich. Auf TikTok und Instagram sollen sie nun ihre Fertigkeiten vor einem G6 oder G9 aufführen und so ihre Fangemeinde in die Xpeng-Autohäuser locken. Man darf gespannt sein, ob die Rechnung aufgeht.