Reichweitenangst muss in Deutschland niemand mehr haben, der mit einem Elektroauto durch die Lande fährt. Ende August standen bundesweit 43.764 öffentliche Ladepunkte zur Verfügung, ergibt die aktuelle Auswertung von CIRRANTiC und TheonData für den „Charging Radar“. Allein im Augst kamen demnach über 1800 neue Ladepunkte hinzu. Und das Angebot wächst weiter: Dieser Tage gab Aldi Süd bekannt, noch in diesem Jahr 200 seiner Filialen mit neuen Ladestationen zu versorgen – und mittelfristig fast alle seiner 1940 Filialen. Mit einem symbolischen ersten Ladevorgang in Passau startete das Aldi-Management jetzt in Anwesenheit von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer jetzt das Ausbauprogramm.

Die großen Handelsketten locken immer öfter mit Ladesäulen für ihre Kunden. Jetzt bauen Aldi Süd und Innogy ihr Angebot deutlich aus, sogar mit Schnellladesäulen. Laden

„Wir möchten es unseren Kunden leichtmachen, auf Elektromobilität umzusteigen“, begründete Aldi-Manager Stefan Ruhland die Investition, über deren Höhe er allerdings keine Angaben machte. Dabei dürfte diese keine Kleinigkeit sein: Um den wachsenden Bedarf „passgenau“ decken zu können, werden auf den Parkplätzen der Aldi-Märkte im großstädtischen Raum und nahe der Autobahnen jeweils zwei neue Schnellladestationen mit Ladeleistungen von 150 Kilowatt (kW) installiert. Etwas langsamer fließt der Strom in Kleinstädten und im ländlichen Raum: Die Märkte dort sollen lediglich AC-Ladestationen mit einer Leistung von maximal 22 kW erhalten. Fahrer von Elektroautos japanischer Provenienz mit einem CHAdeMO-Anschluss schauen hier wie da in die Röhre: Die Ladestationen, die von ABB, Alpitronic und Wallbe geliefert werden, verfügen lediglich einen CCS-Stecker beziehungsweise Anschlüsse für Ladekabel vom Typ 2.

Aldi Süd verkauft den Ausbau der Ladeinfrastruktur als Teil seiner „ambitionierten Nachhaltigkeitsstrategie“: Der Discounter verfolge das Ziel, bis Ende 2025 seinen CO2-Fußabdruck um ein Viertel zu verringern. Allerdings wird das Unternehmen auch von der Politik getrieben, sich am Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos zu beteiligen: Das sogenannte „Gebäude-Elektromobilitätsinfrastruktur-Gesetz“ (GEIG), das die Bundesregierung im März auf den Weg gebracht hat, schreibt vor, dass „Nicht-Wohngebäude“ – also gewerbliche Bauten – mit mehr als 20 Parkplätzen mindestens mit einer Ladestation ausgestattet sein müssen. Ganz freiwillig sind die Investitionen also nicht.

Den Grünstrom für die Ladestationen will Aldi wo immer möglich übrigens mit Solaranlagen auf den Dächern der Märkte selbst erzeugen. Wo das nicht möglich ist, wird er zugekauft: Als Stromlieferanten hat Aldi Süd den Energieversorger Enercity aus Hannover an Bord geholt.

Aktuell gibt Aldi den Ladestrom an den rund 100 Ladestationen, die der Discounter aktuell betreibt, noch und „bis auf Weiteres“ kostenlos ab. Doch das könnte sich in absehbarer Zeit ändern: Alle neuen Ladestationen werden mit dem x-Pay- Bezahlterminal von Wallbe verbunden. Über diese können die Ladepunkte mit gängigen Geld- und Kreditkarten sowie bei Apple- oder Google-Pay freigeschaltet werden – „barrierefrei und hocheffizient“.

Schon klar: Kundenbindung ist schön, klingende Münze besser.

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