Für die Volkswagen-Tochter Audi sind Plug-in-Hybride (PHEV), wiederaufladbare Teilzeitstromer, nicht nur eine Übergangslösung, sondern eine „sinnvolle Ergänzung unseres Antriebsportfolios zur Gewährleistung einer CO2-neutralen Mobilität“. Dies erklärte Projektleiter Bernhard Decker bei einem Audi Tech-Talk im Internet. Noch im laufenden Jahr werde man deshalb das PHEV-Angebot deutlich erweitern. Mit einem zusätzlichen elektrischen Antriebsstrang werde schon in Kürze der kompakte A3 ausgestattet, bis zum Jahresende sollen auch die Modelle Q3 und Q8 in PHEV-Varianten angeboten werden. Aktuell werden bereits die Modelle A6, A7 und A8 sowie Q5 und Q7 mit elektrischem Hilfsantrieb angeboten. Lithium-Ionen-Batterien im Fahrzeugboden mit 14,1 und 17,3 Kilowattstunden Speicherkapazität sorgen dafür, dass die Fahrzeuge bis zu 51 Kilometer emissionsfrei fahren können – sofern die Akkus regelmäßig an einer Steckdose geladen werden und die Fahrer das Auto artgerecht, sprich: zurückhaltend bewegen.

Wie Decker ankündigte, sollen künftig auch die besonders sportlichen RS-Modelle ein „zweites Herz“ eingepflanzt bekommen – für mehr Fahrspaß, aber vor allem aber um die Kraftstoffverbräuche mit Blick auf die CO2-Flottengrenzwerte zu senken. Um welche Modelle es sich handelt und wann diese verfügbar sein werden, mochte Decker in der Runde allerdings nicht sagen. Ein kleines Geheimnis machte sein Kollege Oguz Eksi aus der Fahrzeugentwicklung auch noch um die Leistungsdaten der neuen Batterien, mit denen in naher Zukunft die elektrische Reichweite der PHEVs gesteigert werden soll – auf 80 Kilometer. Erreicht werden soll dies durch eine neue Zell-Generation mit einer höheren Energiedichte. Einschränkungen etwa beim Kofferraum-Volumen seien deshalb in Zukunft ebenso wenig zu erwarten wie bei der Zuladung: Aktuell belasten die Akku-Blöcke das Fahrzeug mit einem Zusatzgewicht von rund 300 Kilogramm. Weitere Vergrößerungen der Akku-Speichers von Plug-in Hybriden hielten die Audi-Manager nicht für sinnvoll. Decker: „Bei 200 Kilometer Reichweite wären wir schon bei einem BEV“ – dem Aktionsradius eines vollelektrischen Autos.

Mal kurz an die Ladesäule
Audi will seine Angebot an Plug-in Hybriden zügig ausbauen – und die elektrische Reichweite der Teilzeitstromer mit neuer Zelltechnik von heute 50 auf 80 Kilometer erhöhen. Foto: Audi

Die Teilzeitstromer erfreuen sich hierzulande aufgrund der steuerlichen Förderung und der neuen Innovationsprämie von bis zu 6750 Euro derzeit vor allem unter Dienstwagen-Berechtigten großer Popularität. Die Neuzulassungen von Fahrzeugen mit diesem Antriebskonzept waren deshalb allein im August um fast 448 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen, wie das Kraftfahrtbundesamt ausweist. Umweltverbände ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge.

„In der Realität kommen Plug-In-Hybride zu selten an die Steckdose, sondern werden größtenteils im Verbrennermodus mit Benzin oder Diesel betrieben. Werden häufig längere Strecken gefahren, und damit nicht elektrisch, verpuffen die Vorteile schnell. Dann liegen der reale Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen von Plug-In-Hybriden um ein Vielfaches über den Herstellerangaben“, beklagten der ökologische Verkehrsclub Deutschland sowie der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) kürzlich in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Nur AC, kein DCBeim Laden gleicht er wieder der E-Klasse: Das Onboard-Ladegerät leistet (wie auch im reinen Elektro-Mercedes EQC) 7,4 Kilowatt. Um eine kleine Plug-in-Hybrid-Batterie aufzuladen, reicht das. Beim EQC sieht das schon anders aus. Foto: Daimler AG Ingenieure haben jede Menge Intelligenz in Hybridautos gepackt. Etwas weniger Intelligenz reicht, um diese abzurufen. Die Diskussion über Staatskarossen mit Plug-in-Hybridantrieb zeigt aber: Die Bereitschaft zur Energiewende muss noch wachsen. E-Mobilität

Und die Deutsche Umwelthilfe forderte kürzlich im Umfeld des so genannten Autogipfels die Bundesregierung sogar auf, die Förderung des Antriebskonzepts zu beenden: Bei eigenen Untersuchungen von PHEVs verschiedener Autohersteller im Alltagsverkehr – darunter Audi – hätte man „dramatische Überschreitungen“ der offiziellen Kraftstoff-Verbräuche festgestellt. Allerdings waren die Testwerte von dem Verein offensichtlich unter sehr speziellen Bedingungen ermittelt worden, mit leerem Akku im Kurzstreckenverkehr und obendrein teilweise im „Sport-Modus“.

Audi, auf diesen Test angesprochen, wies daraufhin, dass die offiziellen Verbrauchsangaben auf einem gesetzlich vorgeschriebenen Testzyklus beruhen. Natürlich könnten der Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen stark variieren, da sie vom Nutzungsverhalten abhingen. Wer den PHEV zum Berufspendeln nutze und das Auto regelmäßig an die Steckdose hänge, dürfte in den meisten Fällen täglich komplett emissionsfrei fahren. Audi ist deshalb zuversichtlich, eine wachsende Zahl von Fahrzeugen mit diesem Antriebskonzept verkaufen zu können. In Europa erwartet das Unternehmen in den kommenden Jahren Verkaufsanteile zwischen 35 und 50 Prozent.

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