Leistungsstarke Benziner oder Diesel – einst heiß begehrt in der bajuwarischen 5er-Familie – sucht man in der Preisliste der siebten Generation der Business-Limousine erst einmal vergeblich. In Europa gibt es bei den reinen Verbrennern nur noch ein Schmalhans-Angebot mit 520er-Signet am Heck. Die Kunden sollen sich lieber für die beiden Elektroversionen des BMW i5 entscheiden und vorrangig für Flottenkunden sind noch 520i, 520d und die beiden Plug-in-Hybriden 530e und 550e im Angebot. Die Entscheidung, in den Basis-Elektriker zu steigen, machen einem die Münchner somit noch leichter als beim großen Bruder, dem 7er.

Das 5er-Design ist ein kompletter Neustart, denn nichts erinnert mehr an den so erfolgreichen Vorgänger und bei einem Volumenmodell aus der Oberklasse kann man sich auch keine visuellen Extravaganzen wie beim klassenhöheren 7er erlauben. Das Design der 5,06 Meter langen Limousine ist gefällig, sehenswert und allemal dynamisch. Da passt die vermeintliche Basismotorisierung im mindestens 70.200 Euro teuren BMW i5 eDrive40 vorbildlich, den der Elektromotor an die Hinterachse leistet 250 kW (340 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 430 Newtonmeter.

Schön von allen Seiten 
Das Design der Fünfer-Baureihe ist auch in der sieben Generation sehr gefällig geraten. Die Business-Limousine soll möglichst vielen Menschen gefallen. Fotos: BMW
Schön von allen Seiten
Das Design der Fünfer-Baureihe ist auch in der sieben Generation sehr gefällig geraten. Die Business-Limousine soll möglichst vielen Menschen gefallen. Fotos: BMW

Kein Wunder, dass die stattliche 2,2 Tonnen schwere Limousine auf Chauffeurwunsch mächtig anschiebt. Das gilt nicht nur aus dem Stand, sondern aus jedem Tempo. Na ja, aus fast jedem. Denn schon bei 193 km/h wird der BMW i5 abgeregelt. Hatte man in der Firmenzentrale am Münchner Petuelring vor ein paar Jahren nicht noch Späße über die 180er-Abregelungen von Volvo gemacht?

2,2 Tonnen Gewicht sind deutlich zu spüren

Doch davon abgesehen ist die Fahrt im elektrischen BMW i5 ein echter Genuss. Denn der Stromer bewegt sich lässig und komfortabel, ist unglaublich leise und verwöhnt seine Insassen mit einem exzellenten Fahrwerk. Das ist je nach angewähltem Fahrprogramm und Anwahl in der Ausstattungsliste mal sportlich-stramm, mal komfortabel, aber immer sehr souverän. Eben so, wie man es sich von einer Oberklasselimousine wünscht.

Doch eines kann auch das feinfühlige Fahrwerk nebst guter Lenkung und kräftig zupackenden Bremsen nicht kaschieren: der i5 ist ein Koloss mit mehr als 2,2 Tonnen auf den schick verpackten Rippen. Ein paar schnelle Kurven und trotz niedrigem Schwerpunkt ist dem Fahrer das Mehrgewicht allgegenwärtig, wenn der Viertürer in schnell gefahrenen Kurven spürbar über die Vorderachse schiebt. Derweil glänzt die präzise Steuerung gerade mit ihren fein justierten Rückstellkräften und die Dämpfung sorgt dafür, dass der Bayern nie ins Wanken gerät.

Ganz auf den Fahrer zugeschnitten 
Ein Extra-Display für den Beifahrer ist im neuen BMW i5 auch für einen Aufpreis nicht zu bekommen.
Ganz auf den Fahrer zugeschnitten
Ein Extra-Display für den Beifahrer ist im neuen BMW i5 auch für einen Aufpreis nicht zu bekommen.

Der Verbrauch ist dabei stark von der Räder-Reifen-Kombination und der Fahrweise abhängig. BMW verspricht einen durchschnittlichen Stromverbrauch zwischen 15,9 bis 18,9 kWh pro 100 Kilometer, was bei dem (netto) 81,9 kWh großen Akkupaket im Unterboden eine Reichweite zwischen 500 und 580 Litern verspricht. Beim später folgenden Allradbruder oder der Topversion des BMW i5 xDrive60 sind es deutlich weniger.

Ärgerlich ist, dass es um die Ladegeschwindigkeit des i5 nicht zum Besten bestellt ist. Denn weil sich BMW eine 800 Volt-Architektur gespart hat, fließt der Ladestrom mit maximal 205 kW. Immerhin soll der Ladestand des Akkus in 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent anheben lassen. Wer sich lange Ladepausen ersparen möchte, kann im Fahrmodus „Efficient“ das Programm „Max Range“ wählen. Im Tausch gegen eine Reduzierung von Leistung und einigen Komfortfunktionen und einer Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h lassen sich dann 25 Prozent an Reichweite gewinnen.

„Autobahnassistent“ gegen Aufpreis

Sitzposition und Platzangebot im 5,06 Meter langen Elektro-Fünfer können allemal überzeugen. Doch bei der Displaytechnik machen es sich die Bayern zu leicht. Die beiden leicht gebogenen 12,3- und 14,9-Zoll-Bildschirme sind zwar gestochen scharf, doch für ein neues Auto des Modelljahres 2024 doch etwas zu wenig des Guten. Gemessen an den Wettbewerbern vor allem aus Fernost dürften die Displays gerne etwas größer sein. Einen Extra-Bildschirm für den Beifahrer gibt es nicht einmal gegen Aufpreis.

Mehr braucht kein Mensch
Sitzposition und Platzangebot im 5,06 Meter langen Elektro-Fünfer können allemal überzeugen.
Mehr braucht kein Mensch
Sitzposition und Platzangebot im 5,06 Meter langen Elektro-Fünfer können allemal überzeugen.

Dafür kann der Kunde für den BMW i5 jedoch einen Autobahnassistenten ordern. Der erlaubt zwar kein hochautomatisiertes Fahren der Stufe drei wie im Mercedes EQS oder neuerdings auch im BMW i7. Aber immerhin muss man bis Tempo 130 die Hände nicht mehr permanent am Lenkrad haben. Und nach einem Blick in die Außenspiegel kann überholt werden, ohne mit der Hand den Blinker zu setzen: BMW geht auch hier ganz neue Wege. Mal schauen, wohin es die Marke führt.

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