Der elektrische Mercedes GLC ist noch nicht einmal auf dem Markt, da legen die Schwaben bereits das Schwestermodell nach. Auch die C-Klasse wird ab Herbst elektrisch und soll dabei nicht zuletzt dem neuen BMW i3 das Leben schwer machen. Im vergangenen Jahr hatte BMW mit seinem neuen Elektro-SUV iX3 rund um die Münchner IAA den ganz großen Auftritt. Der im ungarischen Kecskemet produzierte Elektro-Crossover schlug prächtig ein und stahl dabei nicht zuletzt dem direkten Wettbewerber Mercedes GLC EQ die Schau, was die Mercedes-Verantwortlichen mehr als ärgerte.
Das dürfte beim Schwestermodell, der elektrischen Mercedes C-Klasse, nicht viel anders sein, denn auch hier ist der elektrische BMW i3 bei Publikumspremiere und Marktstart ein paar Wochen früher dran als der Wettbewerber mit Stern und dem selbstbewusst im Wind stehenden Plakettenkühlergrill. Der BMW i3 feierte bereits in dieser Woche in München seine Weltpremiere, während sich die Mercedes-Fans noch bis Ende April gedulden müssen, ehe der C-Klasse EQ in Asien unter Applaus die Showbühne betritt.

Die vollelektrische C-Klasse von Mercedes-Benz wird erst Ende April in Singapur entkleidet, veröffentlicht wurden bislang erst Bilder des Elektroautos im Folien-Tarnkleid. Foto: Mercedes-Benz
In Sachen Plattform und Akkutechnik liegt der BMW i3 gegenüber der elektrischen C-Klasse ebenso weit vorne wie der iX3 gegenüber dem GLC EQ. Neben dem Basismodell des Mercedes C 300 EQ wird als zweite Motorvariante der C 400 EQ 4matic jene Kunden ansprechen, die mehr Leistung und insbesondere einen Allradantrieb wollen. Die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse dürften nach GLC-Vorbild gemeinsam 360 kW / 489 PS leisten und von einem 94 kWh großen Batteriepaket im Unterboden mit Strom versorgt werden. Damit sollten locker 700 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp drin sein. Derweil dürfte das 800-Volt-Bordnetz eine Ladeleistung von bis 330 kW garantieren.
BMW mit größerer Reichweite und höherer Ladeleistung
Ein ähnliches Bordnetz bietet auch die neue Klasse aus dem Hause BMW – jedoch mit beeindruckenderen technischen Daten. Seine Premiere feiert der 4,76 Meter lange Viertürer im Spätherbst zunächst als BMW i3 50 xDrive. Für den Antrieb sorgen hier an beiden Achsen Elektromotoren der sechsten Generation mit einer Gesamtleistung von 345 kW / 469 PS und einem maximalen Drehmoment von bis zu 645 Nm. Während an der Hinterachse eine stromerregte Synchronmaschine arbeitet, versorgt die vordere Achse ein Asynchronmotor mit Energie, der komplett abgekoppelt werden kann und so den Realverbrauch senkt.

Der BMW i3 der neuen Klasse glänzt vor allem mit einer großen Reichweite und hoher Ladeleistung. Das Design ist eher konventionell.
Dank des knapp 109 kWh großen Batteriepakets beträgt die maximale Reichweite 900 Kilometer, ehe der in München produzierte E-Bayer wieder an die Ladesäule muss, wo er Gleichstrom sogar mit bis zu 400 kW aufnimmt. Am AC-Lader sind bis zu 22 kW drin.
Mercedes punktet mit Breitband-Kino
So sehr der BMW i3 die elektrische C-Klasse bei der Ladetechnik ausstechen kann, so sehr kann der Schwabe im Innern und bei der Bedienung punkten. Während BMW bei i3 wie beim iX3 auf sein Panoramic Display, ein Head-Up-Display und einen zentralen, 17,9 Zoll großen Touchscreen setzt, bieten C- und GLC-Klasse hier deutlich mehr. Nämlich mit einem imposanten Digitalcockpit, das sich mit einer Diagonale von fast einem Meter (39 Zoll) fast über die gesamte Fahrzeugbreite zieht. Keine Panorama-Spielereien wie im BMW iX3, sondern eine massive Display-Wand, die Eindruck macht und ein Lenkrad, das auch besser in der Hand liegt.

In der Mercedes C-Klasse EQ zieht sich wie im GLC EQ ein Panorama-Display wie im Kino über die gesamte Fahrzeugbreite. Foto: MB
Überraschend: im Unterschied zu Mercedes lässt BMW als einer der wenigen Hersteller auch im neuen i3 ein Beifahrerdisplay außen vor. Das Lenkrad bleibt Geschmacksache. Der Fahrzeugschlüssel kann wie bei Mercedes zuhause bleiben, denn für die Fahrt braucht es nicht mehr als ein entsprechend vorbereitetes Smartphone. Praktisch: Wer BMW i3 oder Mercedes C-Klasse EQ einmal an Freunde oder Bekannte verleihen will, kann den digitalen Schlüssel entsprechend per Sendefunktion weiterleiten.
Level-3-Fahrten scheitern an den Kosten
Ankommen dürfte bei beiden Mittelklasse-Limousinen das Platzangebot mit bequemen Sitzgelegenheiten vorne wie hinten – angenehm beheizt, elektrisch verstellbar und auf Wunsch gekühlt. Die Komfortausstattung des Elektro-Benz bietet auch der BMW i3, der in München, Mexiko und China vom Band läuft und im Herbst einen identisch aussehenden 3er mit konventionellen Antrieben zu Seite gestellt bekommt.
Beim Thema Fahrerassistenz hätte man von beiden Modellen im Modelljahr 2027 mehr erwartet. Level-drei-Fahren bieten weder Mercedes noch BMW bei seinen Mittelklassemodellen – zu hohe Kosten, zu wenig Kundennachfrage und eine Nutzung nur bis Tempo 60 bzw. 95 allein in Deutschland. Fortgeschrittene Level-zwei-plus-Funktionen sorgen stattdessen bei beiden Limousinen für Entspannung in Innenstadt und auf der Autobahn. Doch echte Lese- oder Ruhezeiten ohne die Augen von der Straße zu nehmen, bietet keiner der beiden.

Das Cockpit des BMW i3 fällt futuristisch aus mit schrägem Touchscreen, Vierspeichen-Lenkrad und einem Info-Band unter der Windschutzscheibe. Foto: BMW
Für die Vernetzung von Antrieb, Fahrwerk, Bordnetz und Akkupaket sind in beiden Modellen immerhin die jeweils neuesten IT-Architekturen verbaut. Während BMW im i3 auf vier Hochleistungsrechner setzt und dem eigens entwickelte Operating System X mit dem „Heart of Joy“ eine stimmungsvolle Marketingbezeichnung gegeben hat, lässt es Mercedes mit dem MB.OS-System etwas bodenständiger, aber ähnlich schnell in Sachen Prozessortechnik angehen. Beide Modelle bieten eigene Sprachassistenten mit KI-Unterstützung für einfache Bedienung von verschiedensten Funktionen – natürlich „over-the-air-updatefähig“.
Preise auf ähnlichem Niveau
Größer sind die Unterschiede beim Fahrwerk. Seinem Komfortanspruch folgend ist die elektrische Mercedes C-Klasse auf Wunsch mit einer Luftfederung inklusive Hinterachslenkung unterwegs, während der Bayer auf Zweigelenk-Federbein-Vorderachse und Fünflenker-Hinterachse – auf Wunsch mit adaptiver Verstellung – setzt.
Preislich dürfte es für beide Modelle zunächst bei rund 65.000 Euro losgehen. Weitere Motorvarianten mit weniger Leistung werden folgen, was den Einstiegspreise BMW i3 und Mercedes C-Klasse EQ an die 60.000-Euro-Marke drücken dürfte.