In Australien steht zwar nicht alles Kopf, aber ein paar Dinge sind doch ein wenig anders. Die Jahreszeiten beispielsweise: Wenn bei uns Sommer ist, herrscht „Down Under“ Winter. Und trotzdem kann es in Darwin an der Nordküste schon am frühen Morgen schwül-heiß sein. Und im Gegensatz zu Nordamerika und den meisten Ländern Europas fahren die Autos auf dem sogenannten fünften Kontinent auf der linken statt auf der rechten Seite. An beides sollte man sich schnell gewöhnen, wenn man nur kurze Zeit im Land verweilt. So wie die Teilnehmer der Bridgestone World Solar Challenge, die am Sonntag (24. August) vor dem Rathaus von Darwin startete.

Einige der Teams hatten bereits am Morgen damit zu kämpfen, dass aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit die Scheiben ihrer Solarautos von innen beschlugen. Bei anderen stellt sich nach dem Start heraus, dass sich die Fahrer noch nicht so richtig akklimatisiert haben: Gleich mehrere Fahrer lenken an der ersten Kreuzung in den Gegenverkehr, werden zumindest für einige Meter zum Geisterfahrer. Beim Versuch, den Fahrfehler zu korrigieren, strandet ein Solarwagen aus USA auf einer Verkehrsinsel. Von Teammitgliedern muss es mit der Unterstützung von Zuschauern wieder zurück auf die Straße getragen werden, ehe es weiter gehen kann.

Ein Schluck Wasser 
Startfahrer Moritz Mitzel vom Team Sonnenwagen aus Aachen geht die erste Etappe der Bridgestone World Solar Challenge aus der Pole Position ganz entspannt an. Aethon, das nach dem Pferd des Sonnengottes Helios benannte Solarmobil, ist in bester Form.
Ein Schluck Wasser
Startfahrer Moritz Mitzel vom Team Sonnenwagen aus Aachen geht die erste Etappe der Bridgestone World Solar Challenge aus der Pole Position ganz entspannt an. Aethon, das nach dem Pferd des Sonnengottes Helios benannte Solarmobil, ist in bester Form.

Aus deutscher Sicht gibt es vom Start hingegen nur Gutes zu berichten. Aethon, das nach dem Pferd des antiken griechischen Sonnengottes benannte Fahrzeug des Teams Sonnenwagen aus Aachen, legt aus der Pole Position einen bravourösen Start hin. Startfahrer Moritz Mitzel ist am frühen Morgen die ersten 200 Meter der Etappe zu Fuß abgelaufen und hat deshalb an der ersten Kreuzung keinerlei Orientierungsprobleme.

TUfast Eco aus München weiter mit Problemen

Beim zweiten deutschen Team, „TUfast Eco“ aus München, war nach dem verpatzten Qualifying am Vortag die Anspannung groß. Und sie wird vor dem Start zur ersten Etappe der insgesamt über 3000 Kilometer langen Solar-Challenge nicht kleiner. Weil zum einen erneut eines der Bremslichter zickt. Und zum anderen, weil man in der Hektik der Startvorbereitungen vergessen hat, den Sack mit fünf Kilogramm Zusatzgewicht wieder in das Fahrzeug zu packen: Startfahrer Leon Federschmidt – Nomen est Omen – unterschreitet mit 75 Kilogramm das von den Organisatoren der Solar Challenge festgelegte „Idealgewicht“ und muss entsprechend aufgelastet werden.

Auf und davon 
Mit einigen Minuten Verzögerung rollt "Sun 32", das Solarauto von TUfast Eco aus München, in Darwin über die Startlinie. Fotos: Rother
Auf und davon
Mit einigen Minuten Verzögerung rollt „Sun 32“, das Solarauto von TUfast Eco aus München, in Darwin über die Startlinie. Fotos: Rother

Bis der Sandsack gefunden und das Bremslicht gefixt ist, vergehen einige Minuten. Mit der Folge, dass das Team der TU München – das an der Bridgestone World Solar Challenge zum allerersten Mal teilnimmt – als eines der letzten Fahrzeuge an den Start rollt. Immerhin hatte sich auch Leon Federschmidt zuvor mit den Verkehrsregeln in Australien vertraut gemacht – „Sun 32“ nimmt die erste Kreuzung ebenfalls mit Bravour und anschließend schnell Fahrt auf. Es muss nun auf dem Weg gen Süden das Feld nach und nach von hinten aufrollen. Am Ende der ersten Etappe hatte er sich bereits zwei Plätze vorgearbeitet.

Für Team Sonnenwagen ging es leider in die andere Richtung: Von Platz 1 auf Platz 4. Nur 20 Minuten nach dem Start musste Moritz wieder anhalten, da sich die Solarzellen nicht einschalten ließen. „Das war die einzige Komponente, die nicht getestet werden konnte, da die Batterie zu voll war“, erläutert Pressesprechering Melissa Hark. Zwar dauerte der Stopp nicht lange: „Nach kurzem Suchen stellte sich heraus, dass der Bordcomputer, der die Wechselrichter steuert, kaputtgegangen war. Nach 18 Minuten war das Problem gelöst, jedoch sind wir auf Position 13 gerutscht.“ Es begann eine rasante Aufholjagd – bis zum ersten Kontrollstopp konnten sich Felix und Aethon mit Geschwindigkeiten um die 100 km/h auf die vierte Position vorkämpfen. Und die Position halten sie auch noch bei Redaktionsschluss am Montagmittag (14 Uhr Ortszeit). Darwin hatte man da schon 1125 Kilometer hinter sich gelassen.

Über den Liveticker der Veranstalter lässt sich der aktuelle Stand des Rennens jederzeit abrufen. Wir drücken „unseren“ beiden Teams die Daumen und werden das Rennen um die Langstrecken-Weltmeisterschaft für Solarmobile hier in den kommenden Tagen weiter verfolgen. Bis ins 3000 Kilometer entfernte Adelaide an der Südküste Australiens ist noch ein weiter Weg. Da kann noch einiges passieren und auch auf den Kopf gestellt werden. Nicht nur vom Wetter, durch den Straßenverkehr – und auch durch technische Pannen.

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