Der VW T-Roc zählte 2025 zu den beliebtesten Autos in Deutschland, der fast die ewige Nummer 1 in der Zulassungsstatistik – den VW Golf – vom Thron geworfen hätte. 36.755 Euro ruft Volkswagen für die 110 kW (150 PS) starke Version „Life“ des City-SUV auf . Das ist ein stolzer Preis für ein 4,37 Meter langes Fahrzeug mit einem lediglich mildhybridisierten Antrieb. Zumal hier viele Komfort- und Sicherheitsfeatures noch extra bezahlt werden wollen.

In einer ähnlichen Preis- und Größenliga spielt auch der Peugeot 2008. Die Stellantis-Marke verlangt aktuell für den 4,30 Meter langen „Mini-SUV“ in der gehobenen Version „Allure“ mit einem 107 kW (143 PS ) starken Hybridantrieb wenigstens 36.060 Euro. Abstandsradar, Rückfahrkamera, Sprachsteuerung und das induktive Laden des Smartphones kosten auch hier noch Aufpreis.

Build your Dreams
BYD erhofft sich große Stückzahlen von dem Atto 2 in der teilelektrischen Version. Typisch sind die LED-Rückleuchten, die einen „chinesischen Knotens“ zeichnen, der wie eine liegende Zahl 8 aussieht und in China endloses Glück symbolisiert.
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BYD erhofft sich große Stückzahlen von dem Atto 2 in der teilelektrischen Version. Typisch sind die LED-Rückleuchten, die einen „chinesischen Knotens“ zeichnen, der wie eine liegende Zahl 8 aussieht und in China endloses Glück symbolisiert.

Dagegen ist der neue, 4,33 Meter lange Atto 2 DM-i von BYD ein echter Schnapper. Aufpreis muss hier lediglich zahlen, wer sich mit einer Metallic-Lackierung in Mitternachts-Blau nicht arrangieren kann und lieber mit einem weißen, schwarzen oder grauen Auto durch die Landschaft rollt. Eine adaptive Geschwindigkeitsregelung, Rückfahrkamera und LED-Scheinwerfer sind aber bereits in der Basisversion „Active“ serienmäßig an Bord. In der Topversion „Boost“ auch ein Panorama-Glasdach, beheizbare und elektrisch verstellbare Vordersitze sowie eine ganze Reihe von Assistenzsystemen.

„Super“-Hybrid fährt bis zu 90 Kilometer vollelektrisch

Obendrein verfügt der Chinese zum Preis von 35.990 Euro schon in der Basisversion über einen wiederaufladbaren „Super“-Hybridantrieb mit einer Spitzenleistung von 122 kW (166 PS), einer elektrischen Reichweite von 40 Kilometern und einer Gesamtreichweite von 930 Kilometern. In der 38.990 Euro teuren Topversion „Boost“ beträgt die Systemleistung sogar 156 kW oder 212 PS. Und dank einer 18 kWh großen Blade-Batterie rollt der Atto 2 DM-i bis zu 90 Kilometer elektrisch durch die Lande und kommt in Summe bis zu 1000 Kilometer weit. Fahrzeugkäufer mit einem Haushaltseinkommen von bis zu 80.000 Euro können deshalb das neue Förderprogramm der Bundesregierung für Elektroautos (das auch Plug-in-Hybride umschließt) in Anspruch nehmen und einen Zuschuss von bis zu 4500 Euro erhalten.

Flotter Feger 
Dank des 212 PS starken Antriebs kann der BYD Atto 2 DM-1 nicht nur auf der Autobahn gut mithalten, sondern auch Überholvorgänge auf der Landstraße erfreulich kurz gestalten. Äußerlich unterscheidet sich der Teilzeit- nur geringfügig von dem Vollstromer.
Flotter Feger
Dank des 212 PS starken Antriebs kann der BYD Atto 2 DM-1 nicht nur auf der Autobahn gut mithalten, sondern auch Überholvorgänge auf der Landstraße erfreulich kurz gestalten. Äußerlich unterscheidet sich der Teilzeit- nur geringfügig von dem Vollstromer.

Und um den neuen Teilzeitstromer noch attraktiver zu machen, legt BYD noch einiges obendrauf. Vorläufig bis Ende März – möglicherweise aber noch eine Weile darüber hinaus – gewährt der Importeur allen Käufern (unabhängig vom Haushaltseinkommen) einen „E-Bonus“ in Höhe von 11.500 Euro auf beide Modelle. Der Einstiegspreis für den Atto 2 DM-i „Active“ sinkt dadurch auf 24.490 Euro. Und für die Topversion sind nur noch 27.490 Euro zu überweisen. Je nach Einkommen und Kinderzahl vielleicht auch nur 22.990 Euro – dafür gibt es derzeit kein Familienauto mit ähnlich großem Platzangebot und hoher Alltagstauglichkeit. Nicht einmal einen VW Polo.

„Wir sind der Challenger“

Damit ist klar: Der neue BYD Atto 2 DM-i ist mehr als nur ein weiteres SUV, auch mehr als nur der erste Plug-in-Hybrid im Kompaktsegment. Das Fahrzeug ist vor allem eine klare Kampfansage an die etablierten Platzhirsche. Lars Bialkowski, Country-Manager von BYD in Deutschland und Regional-Direktor für Benelux-Länder, macht keinen Hehl daraus: „Wir sind der Challenger auf dem deutschen Markt.“ Und eine „gewisse Grundaggressivität“ im Vertrieb sei nun einmal notwendig, um mit einer neuen Marke Fuß zu fassen, weiß der ehemalige Stellantis-Manager aus Erfahrung.

Duell der Antriebskonzepte

ModellBYD Atto 2 DM-i „Boost“VW T-Roc 1.5 e-TSI R-Line
AntriebPlug-in-Hybrid (PHEV)Mild-Hybrid-Benziner (48V)
Leistung (System)212 PS (156 kW) 150 PS (110 kW)
0–100 km/h7,5 Sek. 8,9 Sek.
Länge/Breite/Höhe (m)4,33/1,83/1,68 4,37/1,83/1,57
Höchstgeschwindigkeit180 km/h212 km/h
Kofferraumvolumen (Liter)425 – 1.335 475 – 1.350
Elektr. Reichweite (km)90 0
Preis (UVP)38.990 € (nahezu Vollausstattung), 27.490 € (inklusive BYD e-Prämie)ca. 45.800 € (vergleichbar ausgestattet)
Auch ohne die aktuelle e-Prämie ist der BYD das attraktivere Angebot. Die Antriebsleistung ist höher und bis zu 90 Kilometer fährt der Atto 2 DM-1 vollelektrisch, was ihm eine geringere Kfz-Steuer beschert und die Möglichkeit eröffnet, die staatliche Förderung zu nutzen.

Ob die massiven Rabatte dauerhaft bleiben, lässt er im Gespräch mit EDISON offen – sie würden der Marktsituation angepasst. Die Frage, ob BYD trotz der Kampfpreise noch Geld mit dem Verkauf des Modells verdient, lässt er offen. Nur so viel: „Viele Wettbewerber stecken noch deutlich mehr in Marketing als wir.“ Und: „Unsere Händler verdienen Geld damit, die Marge ist sichergestellt“.

Nur für den Heimgebrauch 
Mit einer maximalen Ladeleistung von 6,6 kW in der "Boost"-Ausführung ist der PHEV für öffentliches Laden nur eingeschränkt tauglich. Immerhin verfügt der Atto 2 DM-i über die Möglichkeit, den Strom im Akku zum Betrieb externer Elektrogeräte zu nutzen. Fotos: BYD
Nur für den Heimgebrauch
Mit einer maximalen Ladeleistung von 6,6 kW in der „Boost“-Ausführung ist der PHEV für öffentliches Laden nur eingeschränkt tauglich. Immerhin verfügt der Atto 2 DM-i über die Möglichkeit, den Strom im Akku zum Betrieb externer Elektrogeräte zu nutzen. Fotos: BYD

In China wird das Modell (das dort unter dem Namen Yuan UP firmiert) nur als Vollstromer angeboten, nicht aber als Plug-in Hybrid. Trotzdem dürften die Herstellkosten konkurrenzlos niedrig sein. Und da Plug-in-Hybride vom Strafzoll der EU für Elektroautos ausgeschlossen sind, dürfte dem Importeur trotz der Logistik- und Homologationskosten eine Menge Spielraum für die Preisgestaltung bleiben.

45 Liter Benzin gegen die Reichweitenangst

Aber solche Kalkulationen müssen Interessenten nicht scheren. Für ihn ist wichtiger: Ist das Auto sein Geld wert?

Wir haben den Atto 2 DM-i unter winterlichen Bedingungen im Allgäu Probe gefahren – und waren durchaus angetan. Vom guten Platzangebot und den zahlreichen Features, die der Kompakt-SUV serienmäßig mitbringt, von der hohen Verarbeitungsqualität sowie der feinen Qualität der Oberflächen. Und in Maßen auch vom Antrieb. Wobei die Überzeugung mitschwingt, dass Elektroautos mit Hilfsmotor bei den heutigen Reichweiten batteriebetriebener Pkw eigentlich nicht mehr nötig sind. Eine (theoretische) Reichweite von 1000 Kilometer klingt zwar ganz gut. Aber im täglichen Gebrauch reichen den meisten Autofahrern schon 100 Kilometer. Und die meisten Stromer in der Preisklasse schaffen inzwischen mit einer Akkuladung locker 300 Kilometer. Warum also einen Hosenträger mit einem Gürtel kombinieren?

Ruhezone
Die mit Kunstleder bezogenen Sitze und Türverkleidungen sorgen für wohnliches Ambiente, die Mittelkonsole mit zwei Ladeplätzen für Smartphone für hohe Praktikabilität. Ebenso wie das Bedienfeld mit Tasten für wichtige Funktionen wie Fahrmodi und Audio-Lautstärke.
Ruhezone
Die mit Kunstleder bezogenen Sitze und Türverkleidungen sorgen für wohnliches Ambiente, die Mittelkonsole mit zwei Ladeplätzen für Smartphone für hohe Praktikabilität. Ebenso wie das Bedienfeld mit Tasten für wichtige Funktionen wie Fahrmodi und Audio-Lautstärke.

Nun ja, einige Zeitgenossen kriegen beim Stichwort Elektroantrieb immer noch Reichweitenangst. Weil sie auf öffentliche Ladesäulen angewiesen sind, in einer Etagenwohnung in der Stadt wohnen – und in aller Regel noch nie längere Zeit ein Elektroauto bewegt haben. Denen baut der Technologiekonzern BYD mit dem Atto 2 DM-i eine Brücke in die Zukunft. Vor allem mit der „Boost“-Version, die immerhin eine elektrische Reichweite von 90 Kilometern verspricht. Die meisten Fahrten im Alltag lassen sich damit rein elektrisch, somit lärm- und abgasfrei, zurücklegen. Und wenn am Wochenende mal größere Entfernungen zurückzulegen sind, raus aufs Land oder zu Freunden an ferneren Orten, helfen die 45 Liter im Benzintank, Strecke zu machen. Ohne eine Pause an der Zapf- oder Ladesäule.

Laden des Akkus braucht Zeit

Letztere sollte nach Möglichkeit ohnehin nur angesteuert werden, wenn ohnehin ein längerer Aufenthalt geplant ist – daheim oder am Zielort. Denn Strom nimmt der 18 Kilowattstunden fassende LFP-Akku im Fahrzeugboden nur sehr langsam auf: Lediglich 6,6 kW beträgt die maximale Ladeleistung. Erst nach drei Stunden ist der Akku so wieder zu 100 Prozent gefüllt. Eine Schnellladesäule braucht man gar nicht erst anzusteuern – geladen werden kann nur Wechselstrom. Da sind manche Wettbewerber (auf anderem Preisniveau) schon weiter. Auch Produktmanager Fabian Ulbrich muss bei der Präsentation des Autos einräumen, dass er sich in dem Punkt „mehr gewünscht“ hätte. Was nicht heißt, dass es bei den 6,6 kW auf Dauer bleibt – BYD hat schon mehrfach bewiesen, dass es mit China-Speed schnell auf Kundenwünsche reagiert. Gut möglich also, dass wir schon bei der nächsten Modellpflege eine höhere Ladeleistung sehen.

Reisetauglich 
Das Platzangebot im BYD Atto 2 DM-i ist auch auf der Rücksitzbank gut. Die Rückenlehnen lassen sich in der Neigung verstellen.
Reisetauglich
Das Platzangebot im BYD Atto 2 DM-i ist auch auf der Rücksitzbank gut. Die Rückenlehnen lassen sich in der Neigung verstellen.

Gerne hätten wir dann auch einen anderen Motor unter der Fronthaube. Denn der 1,5 Liter-Vierzylinder-Benziner „Xiaoyun“, der bei der BYD-Tochter Fin Dreams in Shenzhen gefertigt wird, ist ein brummiger Geselle, der zum Dröhnen neigt, wenn er mal die alleine Antriebslast trägt. Und das kann bei flotten Fahrten über die Landstraße im Gebirge schon nach wenigen Kilometern der Fall sein, wenn der Akku nicht komplett geladen auf die Reise geht. Gestartet mit 52 Prozent, waren es nach 20 Kilometern nur noch 25 Prozent. Und schon sprang der Benziner in die Bresche, um einerseits die Räder anzutreiben und andererseits den Akku mit Strom zu befüllen.

Familien und Gewerbekunden im Visier

Denn der sogenannte Super-Hybrid kann auf zwei verschiedene Arten betrieben werden: im EV-Modus, bei dem die Räder ausschließlich vom Elektromotor angetrieben werden, und im HEV-Modus, in dem der Benzinmotor die Batterie und den Elektromotor über einen Wechselrichter mit Strom versorgt. In Bergauf-Passagen, die zusätzliche Leistung erfordern, kann der HEV-Modus von einem seriellen auf einen parallelen Betrieb umschalten und so das Potenzial von Benzin- und Elektromotor kombinieren.

Dass dies allerdings den Energieverbrauch in die Höhe treibt, kann sich jeder leicht vorstellen. Um es vorwegzunehmen: Unsere Testfahrt endete laut Bordcomputer mit einem durchschnittlichen Spritverbrauch von 5,6 Litern/100 km sowie einem Stromverbrauch von 15,1 kWh. BYD gibt einen Durchschnittsverbrauch von 15,8 kWh und 5,1 Liter an – was einem gewichteten Benzinverbrauch von 1,8 Liter/100 km entsprechen soll. Bei einer Langstreckentour dürfte die Rechnung aber anders aussehen. Wir tippen mal auf einen Spritverbrauch zwischen sechs und sieben Litern.

Wozu also der ganze antriebstechnische Aufwand?

Familientauglich 
425 Liter passen in den Kompakt-SUV bei voller Bestuhlung. Das sollte für das Reisegepäck einer vierköpfigen Familie reichen.
Familientauglich
425 Liter passen in den Kompakt-SUV bei voller Bestuhlung. Das sollte für das Reisegepäck einer vierköpfigen Familie reichen.

Nun, um das Nervenkostüm Reichweitenangst geplagter Zeitgenossen zu stabilisieren, Steuervorteile einzustreichen (aufgrund der geringen CO2-Emissionen fällt die Kfz-Steuer hierzulande recht gering aus) – und BYD im Kampf um Marktanteile Vorteile zu verschaffen. Wie Deutschland-Geschäftsführer Bialkowski berichtet, kommt der DM-i-Antrieb im BYD Seal 6 Touring bereits sehr gut an. Mit seiner Reichweite von bis zu 1350 Kilometern und dem aktuellen Basispreis von 30.490 Euro, der durch die staatliche Förderung noch bis auf 29.990 Euro gesenkt werden kann. Vor allem im Taxi- und Mietwagengewerbe habe man bereits zahlreiche Kunden gewonnen – und Platzhirsch Toyota abspenstig gemacht.

Die Marktoffensive von BYD ist also durchaus breiter angelegt. Und sie zeigt bereits Wirkung: Im vergangenen Jahr kam das Unternehmen mit 150 Händlern und 23.306 Neuzulassungen auf einen Marktanteil von 0,8 Prozent. Ende Januar betrug er bereits 1,4 Prozent. Und für Bialkowski ist das erst der Anfang der Offensive: „Wir wollen hoch hinaus.“ Bis zum Ende des ersten Quartals will er Opel zumindest mit der Zahl der verkauften Elektroautos überflügelt haben. Schaun mer mal, ob die Rechnung aufgeht.

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