Spricht man mit den Entwicklern des Cadillac Lyriq ist ihnen der Stolz auf den jüngsten Spross sichtlich anzumerken. Ein luxuriösen Elektro-Crossover, der es nach eigenen Aussagen locker mit den besten seiner Zunft aufnehmen kann, will und muss – darauf wurde in Detroit lange gewartet. Das Feindbild der internationalen Konkurrenz ist dabei höchst indifferent. Zum einen schielt der Lyriq als Edelableger aus dem Hause General Motors zu Modellen wie dem Porsche Taycan Cross Turismo oder einem Audi E-Tron GT herüber. Aber auch das Tesla Model X oder ein BMW iX standen Pate, als das Lastenheft für den Cadillac Lyriq definiert wurde.

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Technische Daten
Cadillac Lyriq RWD

Elektrischer Heckantrieb mit 250 kW (340 PS) Leistung und 440 Nm Drehmoment;
Batteriekapazität: 100 kWh; maximale Ladeleistung: 190 kW;
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h;
Ladevolumen: 793 – 1.723 Liter;
Leergewicht: 2.545 kg
Länge / Breite / Höhe: 4,99 / 1,98 / 1,62 m
Basispreis: etwa 60.000 US-Dollar

Und nun ist der neue Stromer fertig. Und er ist schick, imposant und längst nicht so dominant, wie man es von anderen Cadillac-Modellen kennt. Die mächtige Front ist eine echte Inszenierung und C-Säule nebst Heckabschluss sowie Glasdeckel erinnern nicht nur entfernt an den Jensen Interceptor aus den späten 1960er Jahren. Der visuelle Retroausflug gefällt einem beim wiederholten Augenkontakt immer besser. Auch an die schmalen LED-Leuchteinheiten an Front und Heck – anfangs etwas seltsam inszeniert – gewöhnt man sich schneller als gedacht.

Glaskuppel über dem Heck 
Die Designer des Cadillac Lyriq haben offenbar Anleihen beim Jensen Interceptor aus den 1960er Jahren genommen.
Glaskuppel über dem Heck
Die Designer des Cadillac Lyriq haben offenbar Anleihen beim Jensen Interceptor aus den 1960er Jahren genommen.

Im Innern des fünf Meter langen Crossovers geht es edel und betont amerikanisch zu. Vorne wie hinten sitzen die Insassen auf den Ledersesseln überaus kommod, allerdings nur mit mäßiger Kontur. Vorne kommt der Sound nicht nur aus 17 Lautsprecher-Boxen, sondern auch aus den zwei leicht gewölbten Kopfstützen. Hinten sind diese dafür zu klein. Und die Kopffreiheit leidet dort schon durch das leicht abfallende Dach mehr als die Bein- und Schulterfreiheit. Für einen 3,10 Meter langen Radstand ist das Platzgebot wirklich nicht gewaltig, immerhin aber fasst der Laderaum 790 bis 1.720 Liter.

100 kWh-Akku für 500 Kilometer Reichweite

Der Lyriq ist endlich wieder einmal ein wirklich cooles Auto von Cadillac. Offiziell ist das Modell nur für Nordamerika vorgesehen. Doch es dürften kaum Zweifel daran bestehen, dass die GM-Luxusmarke ihren elektrischen Hoffnungsträger bald auch in Asien und Europa anbieten wird. Das dürfte jedoch noch bis 2024 dauern. Auch weil die Verkaufsvolumen für 2023 allein in den USA schon jetzt ausgeschöpft sind. Kein Wunder: Für einen Basispreis von umgerechnet rund 60.000 Euro gibt es nicht nur eine solide Serienausstattung, sondern auch einen kräftigen Heckantrieb mit 250 kW (340 PS ) Leistung und 440 Nm maximales Drehmoment.

Nicht besonders originell
Das Infodisplay im Cadillac Lyriq kennt man in ähnlicher Form auch aus dem Kia EV6. Auch dort werden die Fahrstufen über ein Drehrad auf der Mittelkonsole gewählt. Trotz eines Radstands von 3,10 Meter ist das Platzangebot aber nicht berauschend.
Nicht besonders originell
Das Infodisplay im Cadillac Lyriq kennt man in ähnlicher Form auch aus dem Kia EV6. Auch dort werden die Fahrstufen über ein Drehrad auf der Mittelkonsole gewählt. Trotz eines Radstands von 3,10 Meter ist das Platzangebot aber nicht berauschend.

Der Fahrstrom kommt aus einem Akkupaket mit einer Kapazität von 100 kWh. Damit soll der Amerikaner bis zu 500 Kilometer schaffen, ehe es an die nächste Ladesäule geht. Hier wird dann mit bis zu 190 Kilowatt an einer Schnellladesäule oder 19,2 kW an der heimischen Wallbox getankt. Wer mehr Dynamik will, der sollte noch ein paar Monate warten. Dann wird eine Allrad-Version mit etwa 370 kW (500 PS) zu Preisen ab 64.000 US-Dollar nachgeschoben.

Lyriq präsentiert sich als entspannter Cruiser

Hinter dem Steuer präsentiert sich der Cadillac Lyriq als entspannder Cruiser. Kein brutaler Schub, der einen in die Sitze presst, keine wilden Zahlensprünge in der Digitalanzeige, sondern eine ebenso souveräner wie lässiger Eindruck. Die Federung ist in beiden Fahrmodi sehr komfortabel und selbst auf der Landstraße bringen den Lyriq Querfugen und Bahnschwellen nicht aus der Ruhe. Die Lenkung könnte gerade im engagierteren Sportmodus direkter sein und mehr Rückmeldung geben.

Porsche und Audi lassen grüßen 
Die Ladeklappe befindet sich auf der linken Vorderseite und wird heruntergefahren wie beim Porsche Taycan oder Audi e-tron. Am Gleichstromlader liegen maximal 190 kW an, am Wechselstromlader bis zu 19,2 kW. Bilder: GM
Porsche und Audi lassen grüßen
Die Ladeklappe befindet sich auf der linken Vorderseite und wird heruntergefahren wie beim Porsche Taycan oder Audi e-tron. Am Gleichstromlader liegen maximal 190 kW an, am Wechselstromlader bis zu 19,2 kW. Bilder: GM

Da eine Hinterachslenkung fehlt, ist der Wendekreis des Fünf-Meter-Kolosses mit 12,1 Meter nicht gerade klein. Bei schnellen Passagen fehlt zudem die direkte Anbindung an die Fahrbahn: Hier wankt und nickt der Lyriq deutlich stärker als manch europäischer Konkurrent. Über das linke Lenkradpedal lässt sich die Rekuperationsstärke justieren und in der übergroßen Digitalanzeige oder auf dem Head-up-Display bestaunen, was eine Fahrweise mit zurückhaltendem Gasfuß bewirkt.

Die Produktion findet zunächst ausschließlich im Cadillac-Stammwerk in Spring Hill / Tennessee statt. Für die Umstellung der Fertigung auf Elektromodelle hat Cadillac zwei Milliarden US-Dollar investiert. Weitere 2,3 Milliarden US-Dollar werden von Ultium Cells LLC, dem Joint Venture zwischen General Motors und LG Energy Solution, in ein neues Werk für Batteriezellen in Spring Hill investiert. Hier kommen auch die Akkupakete des großen Bruders her – auf den gab vergangene Woche das Showcar Cadillac Celestiq einen ersten Vorgeschmack.

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