Geht es um spektakuläre Sportwagen, kommen den meisten Menschen hierzulande der Porsche 911 Turbo, einige Ferrari-Boliden oder vielleicht noch der Mercedes AMG GT in den Sinn. Doch Denza, edler Markenableger der chinesischen BYD-Familie, schert sich nicht um Normen, Dogmen oder gar eine gelebte Hackordnung, seit Jahrzehnten speziell in Europa gelebt. Der Sportwagen hat sich von der Nissan-Nomenklatur zwar den letzten Buchstaben des Alphabets geklaut, pustet mit seinem Elektroantrieb aber die internationale Verbrenner-Konkurrenz ins Nirwana.
Denza – von der Marke aus China werden bisher die wenigsten Autofahrer schon einmal gehört haben. Der Kunstbegriff ist die automobile Edeltochter des chinesischen BYD-Konzerns und ist mit Lexus (von Toyota), Acura (von Honda) oder Genesis (von Hyundai) zu vergleichen. Das bedeutet Modelle aus dem oberen Preissegment mit Luxusanspruch, entsprechendem Design und einem Zielpublikum in der Premiumklasse.

Beim Festival of Speed im südenglischen Goodwood hatte das elegant gestylte Denza Z-Coupé aus dem BYD-Konzern Europapremiere.
Doch der 4,78 Meter lange Denza Z, als Coupé, Cabriolet und R-Version zu bekommen, pulverisiert mit seiner Symbiose aus Fahrleistungen, schmuckem Design und 1000-Volt-System für ultraschnelles Laden die etablierte Konkurrenz. „Der Denza Z steht für kompromisslose Leistungsfähigkeit und wurde entwickelt, um neue Standards zu setzen. Mit beeindruckender Leistung, kraftvoller Beschleunigung und außergewöhnlicher Fahrdynamik definiert er die Maßstäbe für elektrische Supersportwagen neu“, erläutert Stella Li, Executive Vice President von BYD. „Die Flash-Charging-Technologie macht ihn zudem zum ersten seiner Art, der maximale Leistung ohne Einschränkungen ermöglicht. Der Denza Z zeigt eindrucksvoll, wie unser technologieorientierter Ansatz in jedem Segment neue Maßstäbe setzt.“
Systemleistung von fast 1200 kW – Wahnsinn!
Hört sich alles imposant an, doch was kann der Denza Z wirklich? Zumindest einen ersten Eindruck konnten wir uns bei ein paar Runden auf der kompakten Rennstrecke von Goodwood in Südengland verschaffen. Helm auf, festgeschnallt und ab geht die Post. Bequeme Sitze, etwas unübersichtliche Displays, viel edles Leder und eine sehenswerte Verarbeitung. Der erste Eindruck des Z passt, auch wenn es mit Helm für Personen über 1,85 Metern durch die niedrige Dachlinie eng wird.
Egal. Das Fahrprogramm eingelegt, langsam aus der Boxengasse gerollt und ohne Tastendruck auf den Booster am Lenkrad die erste vorsichtige Beschleunigung eingeleitet. Bis zur ersten Rechtskurve ist es schließlich nicht weit und die Bremsen sind noch kalt.

Selbst in der Version Racing bietet der Denza Z seinen Insassen viel Komfort. Rennfeeling kommt hier aber erst nach dem Start auf.
Der Schub des Elektrosportlers ist aber selbst mit weniger als einem halben Gaspedaltritt gewaltig. Zwei Motoren an der Hinterachse (jeweils 340 kW oder 460 PS stark) und ein weiterer vorn mit einer Spitzenleistung von 500 kW oder 680 PS sorgen für eine Systemleistung von 1.180 kW (1.604 PS). Noch beeindruckender ist das maximale Drehmoment von 1.240 Nm, das gefühlt schon beim Antippen des Fahrpedals anliegt. Kein Wunder, dass BYD für den Denza Z für den Sprint von 0 auf Tempo 100 eine Zeit von nur zwei Sekunden angibt.
Bremsen aus Kohlefaser
Wer kraftvoll beschleunigt, dem entgleisen wahrhaft die Gesichtszüge. Auch die Bremsen gewinnen schnell an Temperatur und entsprechendem Verzögerungsvermögen. Der kurze Rundkurs von Goodwood kann flott gefahren werden – ohne entsprechende Schikanen und enge Handlingpassagen. Das gefällt Fahrer und Elektrosportler gleichermaßen und so ist der Rhythmus schnell gefunden. Die Bremspunkte werden später, die Beschleunigungen stärker. Der Schub ist ohne jeden Vollgasanspruch und auch ohne die Höchstgeschwindigkeit von (abgeregelten) 300 km/h einfach wild.

Denza offeriert seinen elektrischen Supersportwagen Z in drei Ausführungen – als Coupé, Spider und Race für die Rennstrecke.
Etwas mehr Seitenhalt im Gestühl dürfte bei dieser Gangart durchaus sein – mehr Lenkgefühl auch. Der Testingenieur auf dem Beifahrersitz beharrt darauf, alle Regelsysteme eingeschaltet zu lassen und so zuckt das Steuer vor dem Einlenken beim Kontakt mit den Begrenzungslinien nervöser als gewünscht, während die Kohlefaserbremse (sechs Kolben vorn / vier Kolben hinten) sehr stabil arbeitet und die Sportreifen eine gute Rückmeldung von der Fahrbahnoberfläche geben.
Wild, heftig – aber kalkulierbar
Doch so sehr der Schub aus den unteren und mittleren Tempi auch begeistert – die Lenkung lässt jene präzise Kalkulierbarkeit vermissen, die ein über 2,2 Tonnen schwerer Sportwagen dieser Leistungsklasse seinem Piloten bieten sollte. Scheitelpunkt und wieder die nächste rechts, dann eine schnelle links und das Gas kräftig durchdrücken – die knapp 1200 kW Antriebsleistung fühlen sich bereits jetzt an wie in einem Neutronenbeschleuniger.
Der Beifahrer wird schon unruhig und ermahnt zur Ruhe, die Fahrer und Auto im mittleren Tempobereich gleichermaßen ausstrahlen. Lässig und souverän bringt der flache China-Sportler seinen Schub an die beiden Hinterräder, führt eher beiläufig mit den vorderen Pneus durch die Kurve und schiebt wieder los – wild, heftig – aber kalkulierbar. Das Komfortniveau ist dabei beeindruckend – auch weil das Fahrwerk des Z nicht nur über eine Doppelquerlenker-Aufhängung vorn und Mehrlenkerachse hinten, sondern dank E3-Plattform auch über eine Luftfederung verfügt.

Etwas mehr Seitenhalt im Gestühl könnte bei flotter Gangart hilfreich sein, etwas mehr Lenkgefühl auch – so der erste Eindruck
Nach ein paar flotten, aber niemals schnellen Runden geht es zurück in die enge Boxengasse des Goodwood Circuit. Wer wirklich auf die Rennstrecke will, kann sich für den Denza Z Racing entscheiden, der leicht verlängert über eine abgepasste Aerodynamik mit Spoilern nebst Heckflügel verfügt und die Luftfederung sinnvollerweise durch Schraubenfedern ersetzt. So sind bis zu 350 km/h Spitze drin – wo immer das noch möglich ist, ohne mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen.
Verkauf vorerst nur in Großbritannien
Nachladen kann der sportlichste Denza aller Zeiten übrigens kaum langsamer, denn dank Flash-Charging erstarkt das nur 78 kWh große Batteriepaket im Unterboden mit maximal 1.500 kW. Von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten – ein phänomenaler Wert, der die Konkurrenz genauso staunend bis schockiert zurücklässt wie schon bei den atemberaubenden Fahrleistungen.
Den Denza Z bietet BYD ab sofort in Großbritannien – das Datum für die Markteinführung in der EU ist noch nicht fixiert – in drei Versionen an, als Coupe und Spider sowie in einer Racing-Ausführung. Zu Preisen ab umgerechnet 167.200 Euro. Porsche ruft für den 650 kW starken Taycan Turbo wenigstens 177.200 Euro auf – und viele Ausstattungsfeatures des Denza kommen hier noch obendrauf. Noch Fragen?
(Mit Ergänzungen von Franz Rother)