„Das macht dann 11.800 Euro“. Nein, der Mensch vor mir an der Kasse bezahlte gerade nicht sein neues Auto, sondern zwei E-Bikes, die er sich und seinem Partner gönnte. Vermutlich als Ersatz für einen mehrwöchigen Urlaubsaufenthalt an der Reviera oder in der Karibik.

Ein Einzelfall? Keineswegs. E-Bikes lassen im Corona-Jahr 2020 die Kassen der Fahrradhändler ordentlich klingeln. In einigen Geschäften übersteigt die Nachfrage inzwischen das Angebot. Bei einigen gefragten Modellen betragen die Lieferzeiten inzwischen Monate. Dergleichen kannte man bislang nur auf dem Autohandel.

Und gefragt sind die E-Bikes beileibe nicht nur in ländlichen Regionen mit bergiger oder zumindest hügeliger Topographie. Auch in Städten wie Berlin ist die Nachfrage nach den zweirädrigen Stromern in den zurückliegenden Monaten spürbar gestiegen. Denn sie sind die idealen Vehikel nicht nur für Besorgungsfahrten, sondern auch für kleine Fluchten raus aus der Stadt ins Grüne.

Startpreis von 59 Euro im Monat

Das sind perfekte Rahmenbedingungen für das neue Mobilitäts-Start-Up, das Eric Quidenus-Wahlforss, Christian Springub und Alexander Ljung jetzt in Berlin aus der Taufe gehoben haben: „Dance“ bietet den Hauptstädtern eine Möglichkeit, die neue Fahrradgattung zu genießen, ohne dafür die Haushaltskasse plündern zu müssen. Hochwertige E-Bikes können hier langfristig gemietet werden – im Abo und zum Preis von nur 59 Euro im Monat. Und um den Service für das Fahrrad muss man sich auch nicht kümmern: Streikt der Motor, liefert „Dance“ umgehend ein neues Bike vor die Tür. Das gilt auch für den Fall, dass das Fahrrad gestohlen wird. Was in Berlin gar nicht so selten vorkommen soll.

„Ein E-Bike zu kaufen und zu unterhalten, ist aufwändig. Deshalb haben wir einen unkomplizierten Subscription-Service mit einem All-inclusive-Servicepaket auf die Beine gestellt“, erklärt Co-Gründer Quidenus-Wahlforss. „Dance“, so wirbt der Schwede, ist die perfekte Lösung für alle, die gesund, umweltfreundlich und zeitsparend unterwegs sein wollen.“

Rund 500 Fahrräder „zugeschnitten für den Berliner Markt“ wurden bei einem Hersteller in Ostasien geordert, vor allem aber eine Software-Lösung gebaut, das die Fahrräder mit den Nutzern und dem Verleih-Service verknüpft. Rund 4,4 Millionen Euro haben die „Dance“-Gründer dafür bei Investoren angesammelt. Unter anderem bei Risikokapitalfonds BlueYard und Jeannette zu Fürstenberg von der Investmentgruppe La Familigila.

Das Vertrauen in die Geschäftsidee und in die Gründer von „Dance“ scheint groß. Das versteht sich aber auch, wenn man einen Blick auf die Biographie der drei Gründer schaut: Quidenus-Wahlforss hat zusammen mit seinem schwedischen Landsmann Ljung bereits die Musik-Plattform Soundcloud gegründet, die inzwischen neben Spotify und Apple Music zu den größten dieser Art zählt. Und Springub machte sich als Co-Gründer des Hamburger Internet-Dienstleisters Jimdo einen Namen. Das Trio will nun im nächsten Schritt mit ihrer gemeinsamen Neugründung den Mobilitäts-Markt aufrollen – nicht nur in Berlin, sondern gleich weltweit.

Vorbild Musikindustrie

„Die Musikindustrie war eine der ersten Branchen, die den Wechsel weg vom Besitz hin zum Subscription-Modell durchlebt hat“, erklärt „Dance“-Co-Gründer Ljung die Ambitionen des Trios. Und ähnlich wie in der Musikindustrie könnte das Abo-Modell auch die Mobilitätsbranche umkrempeln: Man kaufe eine Transportleistung nicht mehr, sondern miete sie. Und man müsse das Fahrrad dank des Abo-Modells nicht wie bei klassischen Sharing-Angeboten erst lange suchen, sondern könne während der Mietdauer jederzeit darauf zugreifen.

„Pure Freude“ in Berlin
Maximal 120 Meter hoch geht es in der Hauptstadt. Trotzdem gehören E-Bikes auch in Berlin längst schon zum Stadtbild. Und sie werden nicht nur von Senioren geschätzt. Foto: pd-f

„Wir beobachten den Mobilitätsmarkt seit langem aufmerksam und sind erschrocken darüber, dass das eigene Auto immer noch so beliebt ist, obwohl es inzwischen eine Vielzahl von Alternativen gibt, die für den Klimaschutz so viel förderlicher wären“, sagt Springub. E-Bikes könnten eine Brücke bauen und den Verzicht auf das eigene Auto erleichtern. „Auf Strecken unter zehn Kilometer seien sie die schnellste und effizienteste Form individueller Mobilität – und eine Fahrt mit dem E-Bike bereite zudem „pure Freude.“

Abo-Modelle auch für E-MTBs

Das haben auch andere erkannt – und ähnliche Geschäftsmodelle entwickelt. Rebike beispielsweise. Das Start-up, das mit der Vermarktung von gebrauchten E-Bikes und von Vorführmodellen der Fahrradhersteller begann, bietet inzwischen unter dem Namen Rebike Mobility ebenfalls E-Bikes im Abo an. Nicht nur in Berlin wie „Dance“, sondern bundesweit. Und nicht nur City-Bikes, sondern such hochwertige E-Bikes aller Kategorien. Dafür sind die Monatsgebühren zum Teil deutlich höher: Für ein Trekking-Bike werden 79 Euro pro Monat fällig, wenn man sich für ein ganzes Jahr verpflichtet. Bei nur dreimonatiger Mietdauer steigt der Preis aber schon auf 119 Euro im Monat. Und wer mit einem vollgefederten E-MTB abseits der asphaltierten Wege den elektrischen Spaß erleben will, zählt bei einer Kurzzeit-Miete bis zu 219 Euro im Monat.

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