Kurzstreckenflüge sollen in Zukunft verboten werden, die CO2-Abgaben für Kraftstoffe wie Benzin und Diesel kräftig angehoben werden, Elektroautos mehr oder weniger Pflicht werden: Die Politik überschlägt sich im Bundestagswahlkampf und mit Blick auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts gerade mit Vorschlägen, wie der Verkehr klimaverträglicher gestaltet werden kann. Das lässt unter den Bürgern allerdings die Sorge steigen, dass die Mobilität hierzulande deutlich teurer wird und dadurch für manche unerschwinglich werden könnte. Darauf deutet die Studie „Mobilität der Zukunft“, die von der Versicherungsgruppe HUK-Coburg auf der Basis einer Befragung von über 4000 Menschen in 16 Bundesländern erstellt wurde.

Jörg Rheinländer HUK Coburg
Jörg Rheinländer
iVorstand der HUK Coburg

Nach der Befragung, die von YouGov Deutschland durchgeführt wurde, sind die Kosten, der Zeitfaktor und die Flexibilität bei der Wahl des Verkehrsmittels für die meisten Deutschen deutlich wichtiger als CO2-Neutralität. Eine klare Mehrheit von 65 Prozent fordert, dass Mobilität auch in den kommenden fünf Jahren für breite Bevölkerungskreise bezahlbar bleibt und die Mobilitätskosten eher sinken als steigen. Zum Vergleich: Nur 27 Prozent der Befragten sorgt sich darüber, dass der Umweltschutz im Verkehrssektor zu kurz kommt. „Die Mobilitätskosten, von der Bahn über Kraftstoff bis hin zum öffentlichen Nahverkehr“, sind in den vergangenen 20 Jahren stark gestiegen“, kommentierte Jörg Rheinländer, Vorstand der HUK-Coburg dieses Ergebnis der Befragung. „Wenn jetzt, nach den Corona-Erfahrungen, die Menschen endlich sinkende Kosten für ihre Mobilität einfordern, muss sich das auch in den Konzepten für die Zukunft widerspiegeln.“

Das zurückliegende, von Corona-Lockdowns geprägte Jahr, hat nach der Befragung in der Tat bei vielen Menschen die Einstellung zu bestimmten Verkehrsmitteln verändert. Insbesondere bei Großstadtbewohnern. Sieben von 10 Befragten halten das Auto nach der Corona-Krise aus beruflichen wie privaten Gründen wieder, 69 Prozent nannten es ein „ideales Fortbewegungsmittel“. Die Eisenbahn hingegen wurde hingegen nur von 16 Prozent favorisiert, Busse und Straßenbahnen nur von zehn Prozent. Mit Sorge beobachten deshalb viele Bundesbürger die einseitige „Verteufelung des Autos“ durch Teile der Politik und die „öffentliche Bevormundung“ (23 Prozent) und das „einseitige Forschen nur in politisch vorgegebene Richtungen“ (25 Prozent). Rheinländer: Die Studienergebnisse zeigen, dass die Debatten um die Zukunft der Mobilität und insbesondere des Autofahrens innovativer und mit weniger Scheuklappen geführt werden müssen.“

Elektroauto könnte „Game-Changer“ werden

Immerhin ist das Interesse an Autos mit Elektroantrieben nach den Ergebnissen der Studie in Deutschland im zurückliegenden Jahr stark gestiegen: Für fasst jeder sechsten Deutschen (15 Prozent) kommt beim Autokauf grundsätzlich nur noch ein E-Auto in Frage. In Hamburg und Berlin sagten das sogar 20 Prozent. „Kein anderes Fortbewegungsmittel macht insgesamt bei der künftigen Akzeptanz in der Gesamtbevölkerung auch nur annähernd einen solchen Satz nach vorn wie das E-Auto“, heißt es in der Pressemitteilung der HUK Coburg. Vorstand Rheinländer kann sich deshalb vorstellen, dass das „Elektroauto zum Game-Changer in der Mobilitätsdiskussion“ werden könnte. Denn es ermögliche, den Umweltschutz mit dem Mobilitätsbedürfnis der Bevölkerung zu verbinden. Das gelte insbesondere für die Menschen, die außerhalb der Großstädte mit wenigstens einer halben Million Einwohnern leben: Dort sehen nach der aktuellen Studie bereits doppelt so viele Menschen im Elektroauto ein ideales Fortbewegungsmittel wie noch vor einem Jahr.

Die HUK Coburg dürften die Ergebnisse der Studie hochwillkommen sein: Mit rund 13 Millionen bei ihr versicherten Fahrzeugen ist das Unternehmen der größte Autoversicherer in Deutschland.

Artikel teilen

2 Kommentare

  1. Avatar

    Ja die Regierung hat sich bis zum Ende ihrer Regierungszeit zu viel von der Industrie vorschreiben lassen. Es geht halt nur ums Geld:
    – Vorstandsboni
    – Dividende, und
    – die Nebeneinkünfte, bei denen die CSU-Abgeordneten mit 130.000€ jährlich an der Spitze stehen. In dieser Reihenfolge nimmt der Nebenverdienst dann ab:
    – FDP, 63.000€
    – CDU, 44.000€
    – AfD, 21.000€
    – SPD, 16.000€
    – Linke, 12.000€
    – Grüne, 2.000€
    Ich werde auf meinen Verstand hören und die wählen, die sich scheinbar am wenigsten auf einem Nebenverdienst ausruhen.
    Ich hoffe eine neue Regierung kann den ganzen Mist, den die aktuell regierenden verzapft haben, für eine gesunde und lebenswerte Welt umdrehen.
    🙂
    Bei den Zahlen der zukünftigen Nutzer von BEV´s sollte man in die neue KfW-Studie schauen. Diese Zahlen nämlich sind für einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren in die Zukunft ermittelt worden.
    Und 61,3% der Befragten planen keine Anschaffung eines BEV´s, aufgrund des hohen Anschaffungspreises.
    Hoffentlich merkt die Industrie, die indirekt die Bürger über die Bezahlung (Nebeneinkommen) der Politiker bevormundet, dass mit dem Verbrenner ab 2025 Schluss sein muss.
    Ich hoffe auch, dass die BEV´s billiger werden, wenn die Nebeneinkommen wegfallen, da die aktuell regierenden abgewählt sind. 😉
    Ich bin für die Besteuerung von Flugkraftstoff, er ist immer noch steuerfrei.
    Auch dieses Segment muss endlich den Preis für die Verschmutzung zahlen. Und der Kraftstoffpreis muss weiter steigen, damit die Schäden der Öl- und Autolobby kompensiert werden können. Es würde noch mehr helfen , wenn die Industrie es mal mit intelligenten und ökologischen Produkten versucht.
    Die Gier der Vorstandsbosse und Aktionäre muss dem Über- und Weiterleben aller Menschen auf einem gesunden und lebenswerten Planeten weichen.

    Antworten
  2. Avatar

    Autos müssten viel teurer sein! Dann würden die 65%, die weniger an der Umweltbelastung interessiert sind, sondern derzeit die Strassen mit möglichst billigen Autos (gerne auch SUVs) verstopfen ausgebremst werden.

    Antworten

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.