Der Ausstoß des Klimagases CO2 ist im vergangenen Jahr in Deutschland um 6,3 Prozent gesunken. Das geht aus der vorläufigen Treibhausgasbilanz des Umweltbundesamtes hervor. Es ist der größte Rückgang seit 2009.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) zeigte sich bei der Vorstellung der Zahlen zufrieden. Zum ersten Mal sei es gelungen, die Emissionen bei einem gleichzeitigen Wirtschaftswachstum zu senken. „Sorgenkind des Klimaschutzes“ bleibe allerdings der Verkehr, so die Ministerin. Die größten Fortschritte gab es in der Energiewirtschaft. Nach Angaben der Umweltministerin wurden 2019 in Deutschland rund 805 Mio. Tonnen Treibhausgase freigesetzt – rund 54 Mio. Tonnen oder 6,3 Prozent weniger als 2018. „Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009 gab es in keinem Jahr seit 1990 einen so großen Rückgang der Emissionen“, so die Umweltministerin.

Mehr Wind, weniger CO2

Vorreiter bei der Minderung der deutschen Emissionen ist laut Schulze der Energiesektor. 2019 wurden hier 51 Mio. Tonnen Treibhausgase ausgestoßen, das sind 16,7 Prozent weniger als in 2018. Das führt die Ministerin auf die gestiegenen CO2-Preise zurück, die zu einem Rückgang der Kohleverstromung zugunsten von Erdgas geführt hätten. Darüber hinaus sorgte ein besonders wind- und sonnenreiches Jahr zu einem höheren Anteil der Erneuerbaren an der Stromproduktion. Nun gelte es, den Ausbau der Wind- und Solarkraft nicht weiter „politisch zu blockieren“, mahnte Schulze. „Wenn wir erneuerbare Energien nicht weiter ausbauen, bringen wir das Zugpferd des deutschen Kilmaschutzes in Gefahr.“ Union und SPD streiten im Bundestag seit Monaten über die Ausbauregeln für Solar- und Windenergie.

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Richtige Richtung

Der Ausstoß an Treibhausen ist vergangenes Jahr deutlich zurückgegangen – trotz noch guter Konjunktur. Allerdings müssen die Emissionen von 805 Millionen Tonnen CO2 bis 2030 auf 543 Millionen Tonnen weiter abnehmen. Quelle: Umweltbundesamt

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Sorgenkind Mobilität

Im Verkehrsbereich stiegen allerdings die CO2-Emissionen. Weil der Fahrzeugbestand insgesamt weiter stieg. Quelle: Umweltbundesamt.

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Nachzügler Gebäude

Auch in diesem Bereich stiegen die Emissionen – wegen niedriger Heizölpreise und kühler Witterung. Quelle: Umweltbundesamt

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Industrie wird klimafreundlicher

Das produzierende Gewerbe senkte seine CO2-Emissionen deutlich. Quelle: Umweltbundesamt

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Vorbild Energiebranche

In diesem Bereich sank der Treibhausgasausstoß um ein Sechstel, weil die Kraftwerke mehr Gas und weniger Kohle verbrannten und die Sonne mehr schien und der Wetter stärker wehte als 2018. Quelle: Umweltbundesamt

Bei Gebäuden und Verkehr stiegen die Emissionen hingegen im Jahr 2019 an. Grund dafür sei der gesunkene Preis für Heizöl. Zudem sei 2019 im Vergleich zum Vorjahr etwas kühler gewesen, so Schulze. Insgesamt stiegen die Emissionen nach den UBA-Zahlen im Gebäudesektor um fünf Tonnen oder 5,5 Prozent. Im Verkehr gab es einen Anstieg 0,7 Prozent. Hier wurden im vergangenen Jahr allein 163,5 Mio. Tonnen Treibhausgase ausgestoßen. Zwar kamen sparsamere Fahrzeuge auf den Markt, gleichzeitig nahm auch die Anzahl an neuen Autos zu (+1,6 %) und somit auch der Spritverbrauch. Dirk Messner, Präsident des Umweltbundesamtes, sprach sich deshalb dafür aus, für Elektroautos eine feste Quote einzuführen: Sie sollte 2025 bei 30 Prozent liegen.

CSU: Folgen Coronakrise bei Klimaprogrammen berücksichtigen

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Georg Nüßlein, wertete die Zahlen als Beleg dafür, dass die Bundesrepublik beim Erreichen der Klimaziele auf Kurs sei. „Diesen erfreulichen Trend verfolgen wir mit den 2019 getroffenen klimapolitischen Entscheidungen weiter.“ Bei weiteren Klimamaßnahmen müssten aber die Folgen der Coronaepidemie im Blick behalten werden. Für staatliche Klimamaßnahmen seien diese Umstände und deren Folgen auf jeden Fall umfassend zu berücksichtigen, so Nüßlein. Die Naturschutzorganisation BUND mahnte dagegen, auch in Zeiten der Coronakrise dürfe der Klimaschutz nicht ausgebremst werden.

Coronavirus reduziert CO2-Ausstoß

 

In Kooperation mit dem Branchendienst energate.

Bis zum Jahr 2030 will die Bundesregierung laut dem 2019 verabschiedeten Klimapaket die CO2-Emissionen um 55 Prozent reduzieren. Die aktuell getroffenen Maßnahmen reichen dafür allerdings nicht aus, wie jüngste Analysen im Auftrag des Bundesumwelt- und des Wirtschaftsministeriums zeigen (energate berichtete). Vor allem Verkehr und Gebäudesektor hinken den Vorgaben hinterher. Erste Analysen gehen bereits davon aus, dass sich die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronaepidemie auf die Treibhausbilanz des laufenden Jahres auswirken werden. So rechnen die Analysten des Beratungshauses Enervis mit einem sinkenden Stromverbrauch und in der Folge mit einem Rückgang des CO2-Ausstoßes. Dieser könne zwischen 12 und 25 Mio. Tonnen betragen.

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