Fahrräder sind aktuell weltweit enorm gefragt. Auch in Deutschland ging der Handel mit den Zweirädern im vergangenen Jahr durch die Decke. Vor den Handelsbetrieben bildeten sich lange Schlangen. Und nicht selten gab es drinnen leere Regale, weil die Fahrräder schneller verkauft waren als die Hersteller nachliefern konnten. Vor allem das Geschäft mit E-Bikes boomte: Weil Urlaubsreisen in Corona-Zeiten ausfielen und Berufspendler wegen der Ansteckungsgefahr einen großen Bogen um Buss und Bahnen machten, gönnten sich viele Bundesbürger ein neues Fahrrad mit elektrischer Trittunterstützung für die Fahrt zur Arbeit und den Feierabendsport.

Dabei ist Fahrrad nicht gleich Fahrrad. Mittlerweile gibt es Räder für so gut wie jeden Einsatzzweck, die sich nicht nur optisch, sondern auch in ihrer Funktion unterscheiden. Wir stellen hier zehn verschiedene Trendtypen für die neue Fahrradsaison vor.

1) Cargobike Typ Longjohn

Für Großeinkauf oder Großfamilie mit drei Kindern: Packster 70 von Riese+Müller

Egal ob für Familien, Kleingewerbe oder Lieferdienste: Die Nachfrage nach Cargobikes steigt europaweit an. Das unterstreichen die Zahlen des Lobby-Verbandes Cycling Industries Europe (CIE), der für 2020 in Europa ein Wachstum von ca. 50 Prozent prognostizierte. Die Räder sind dabei äußerst unterschiedlich: Ein modernes Cargobike für Familien und Privathaushalte ist beispielsweise das neue „Packster 70“ von Riese & Müller (ab 5.699 Euro), das zur Gruppe der Longjohn-Lastenräder zählt. Die geräumige Ladefläche vor dem Lenker bietet Platz für bis zu drei Kinder oder den Großeinkauf. Dabei hat es einen relativ kleinen Wendekreis sowie einen tiefen Schwerpunkt. Dadurch lässt es sich sportlich, sicher und auch durch enge Straßen steuern.

2) Cargobike Typ Longtail

Lastenrad für Kinder und Kegel: Xtracycle Classic XXP

Beispielhaft für einen anderen Ansatz beim Thema Cargobike steht das „Classic XPP“ (3.399 Euro) des US-Herstellers Xtracycle. Das Rad verfügt über einen verlängerten Gepäckträger, der die Aufnahme von Zusatzgepäck und Kindersitz ermöglicht. Außerdem können darauf auch bis zu drei Kinder über sechs Jahren transportiert werden. Möglich macht dies eine Anpassung der deutschen Straßenverkehrsordnung (StVO), die seit April 2020 in Kraft ist. Die sogenannten Longtails erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit, da sie zum Abstellen weniger Platz brauchen als andere Cargobikes.

3) SUV-Bike

Elektromobiles Crossover für Gelegenheits-Abenteurer: Flyer Goroc 4

Der Begriff SUV-Bike beschreibt analog zum SUV-Auto Räder, die sowohl für die Stadt als auch für das Gelände konzipiert sind. Veranschaulichen lässt sich das am „Goroc 4“ (ab 4.799 Euro) des E-Bike-Herstellers Flyer. Basierend auf einem vollgefederten E-Mountainbike-Rahmen sowie breiten Stollenreifen, verfügt das Rad zusätzlich über eine alltagstaugliche Ausstattung mit Gepäckträger, Schutzblechen und Lichtanlage. Somit ist man sowohl für den Weg ins Büro als auch für die sportliche Feierabend-Runde gerüstet.

4) E-Mountainbike

Stylishe Train-Rakete: Haibike Allmtn 7

E-Mountainbikes gehören aktuell zu den stark wachsenden Segmenten im Fahrradbereich. Die Räder ermöglichen weitere Touren im Gelände und dadurch mehr Abwechslung – sowohl für Einsteiger als auch für Spitzensportler. Ein Wegbereiter bei diesem Thema ist der Schweinfurter Hersteller Haibike. Für die Saison 2021 bieten die Unterfranken mit dem „Allmtn 7“ (6.199 Euro) ein E-Fully mit überarbeiteter Rahmengeometrie. Für mehr Power am Berg wurde der Hinterbau optimiert.


5) Gravel-Bike

Rennrad fürs Gelände: Cannondale Topstone Carbon Lefty
E-Biken ist wie Radfahren – nur besser. Zehn Argumente, die für eine elektrische Trittunterstützung sprechen – und Kritikern zum Schweigen bringen sollten. Fahrrad

Das Gravel-Bike ist ein, wenn nicht gar der neue Stern am Fahrradhimmel. Die Räder ermöglichen das sportliche Rennradfahren auch abseits von Asphalt. Möglich machen das breitere Reifen, woher auch der Name Breitreifenrennrad kommt, denn der Fahrspaß endet eigentlich nicht auf Schotter, wie es der englische Name vermuten lässt.

US-Hersteller Cannondale präsentiert bei seinen Modellen der „Topstone“-Serie sogar Räder (z. B. „Topstone Carbon Lefty 3“, 3.799 Euro) mit einer Lefty-Federgabel, die eigentlich an den Mountainbike-Modellen des Radherstellers zu finden sind. So kommt im Gelände mehr Traktion ans Rennrad.

6) Kinderrad

Einstiegsmodell Puky Youke 18

Kinderräder haben in der Corona-Krise eine steigende Nachfrage erfahren. Einerseits sind sie eine Alternative zum Schulbus, andererseits Spiel- und Sportgerät für den Nachmittag. Die Auswahl ist dabei ebenfalls vielfältig: Vom Mountainbike bis zum EBike ist für Kinder alles geboten. Ein Klassiker ist die neue „Youke“-Serie (ab 209,99 Euro) vom Kinderfahrzeugspezialisten Puky. Ein tiefer Aluminiumrahmen erleichtert das Auf- und Absteigen gerade für Radfahranfänger. Für die älteren Kids hat die Zweiradindustrie ab Rahmengröße 20 Zoll inzwischen auch E-Bikes im Angebot – damit sie mit den Eltern Schritt halten können. Ben-e-Bikes aus Rottweil zählt zu den Pionieren der kleinen Pedelecs – und soll ab Februar wieder lieferfähig sein.

7) Reiserad

Generalist für Stadt und Land: Konzeptrad VK10 von Velotraum

Die Urlaubsplanungen wurden 2020 durch Corona überall stark durcheinandergewürfelt. Statt ab in den Süden hieß es: Ja, wir san mim Radl da! Mehrtagestouren an Flussradwegen oder durchs Gelände waren die coronakonforme Form des Sommerurlaubs. Reiseräder finden deshalb immer mehr Fans. Hersteller wie Velotraum haben sich auf das Segment spezialisiert und bieten individuell abgestimmte Räder an. Ein Beispiel ist das Konzeptrad „VK10“ (ab 3.500 Euro): Es hat einen Stahlrahmen, ist auch fürs Gelände geeignet und bietet alle Gepäckaufnahmen, die man sich für eine Fahrradweltreise wünschen kann.

8) Trike

45 km/h schneller Scorpion mit Hinterradantrieb von HP Velotechnik

Liegeräder fristeten lange Zeit ein Nischendasein. Mit dem Beginn der Elektrifizierung ist allerdings das Trike, also das dreirädrige Liegerad, in der breiten Masse angekommen. Spezialisten wie HP Velotechnik verkaufen mittlerweile deutlich mehr drei- als zweirädrige Modelle. Die Vorteile, bei Varianten mit und ohne Motor, sind eine entspannte Sitzposition, ein stabileres Fahrverhalten – gerade bei Eis und Schnee ein wichtiger Punkt – sowie der Panoramablick. Wenn dann noch eine Federung und ein Hinterrad-Nabenmotor wie beim (bis zu 45 km/h schnellen) S-Pedelec „Scorpion fs 26S“ von HP Velotechnik (ab 9.990 Euro) dazukommt, können selbst längere Strecken komfortabel und bequem zurückgelegt werden.

9) E-Citybike

Moderne Mobilitätslösung für die Stadt: E-Citybike „Sinus N5“ von Winora

Klassische Citybikes werden mittlerweile in großer Zahl mit Elektromotor verkauft. Die technische und auch optische Integration von Akku und Motor ist dabei Standard. Das sieht nicht nur gut aus, sondern schützt den Akku auch besser vor Vandalismus und Diebstahl als eine rein aufgesteckte Variante. Fahrradhersteller Winora zeigt beispielsweise mit dem „Sinus N5“ (3.399 Euro) ein modernes E-Citybike für den Alltag. Ein tiefer Einstieg und die aufrechte Sitzposition erhöhen den Fahrkomfort in der Stadt.

10) E-Trekkingrad

Allround-Pedelec für Berufspendler und Freizeitverkehr: Stevens E-Lavena

Das Trekkingrad ist aufgrund seiner Allround-Fähigkeiten seit langer Zeit der Verkaufsschlager unter den Fahrrädern. Mittlerweile ist an den sogenannten „Brot-und-Butter-Rädern“ der Elektromotor nicht mehr wegzudenken. Die Räder sind robust in der Ausstattung und auf dem aktuellen Stand der Fahrradtechnik. E-Bikes wie das „E-Lavena“ von Stevens (2.899 Euro) sind sowohl im Alltag als auch auf längeren Touren ideale Begleiter.

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1 Kommentar

  1. Avatar

    Ein Radtyp ist nicht dabei, der eigentlich auch eine tolle Zukunft haben müsste, weil wie das SUV-Bike ein Crossover:
    Der Randonneur ist ein Rennrad mit etwas breiteren Rädern, und daher wie das Gravel-Bike Feld- und Waldwegwegtauglich. Dabei hat es einen Gepäckträger, Schutzbleche und Beleuchtung. Damit sind erstaunlich hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten und viele mögliche Pendeltage im Jahr drin. Und für größere Touren ist die Sitzposition nicht zu extrem. Der Rennlenker lässt dabei auch viele Griffpositionen zu.

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