Auch Legenden kommen in die Jahre. Das ist bei Fußballern so – aber was das mit dem N°7 zu tun hat, erschließt sich nicht sofort. Der DS 7 Crossback war das erste reinrassige Modell der wiederbelebten französischen Edelmarke. Autos wie der DS 3, DS 4 oder DS 5 waren zunächst Citroën-Ableger. Mit der Nummer sieben begann also 2017 die DS-Produkt-Renaissance als eigenständige Marke. In Deutschland gleicht die Wiederbelebung aktuell noch einer Nahtoderfahrung, da DS im letzten Jahr 2.781 Neuzulassungen zu verzeichnen hatte, 1.621 davon waren DS 7. Und das trotz aller Bemühungen der Markenstrategen, französischen Chic auf die deutschen Autobahnen zu bringen.
Jetzt soll die Neuauflage als Nummer sieben endlich Ende des Jahres den Durchbruch bringen. Auch mit der vollelektrischen Variante E-Tense. Gegner sind nach wie vor die deutschen Premiummarken. „Unsere Kunden sehen die Chinesen nicht als Konkurrenten“, stellt Produktmanager Emmanuel Schaeffer klar. Dazu kann man die Franzosen eigentlich nur beglückwünschen. Die Herausforderung bleibt aber nichtsdestotrotz groß.

Deshalb haben die französischen Ingenieure die Technik überarbeitet. Statt der EMP2-Plattform kommt nun die weiterentwickelte STLA-Medium-Architektur zum Einsatz. Wie auch schon beim Peugeot 3008 und 5008, Opel Grandland, Citroën C5 Aircross, Jeep Compass und DS N°8. Der N°7 ist damit technisch näher an den aktuellen Konzernbrüdern als am bisherigen DS 7. Das hilft bei der Elektronik, der Steifigkeit des Rohbaus und dem Komfort. Außerdem war es nötig, um die Batterie unterzubringen.
Akkukapazität steigt auf 97,2 kWh
Bei der E-Tense-Long-Range-Version kommen NMC-Akkus mit Pouchzellen zum Einsatz, die eine nutzbare Kapazität von 97,2 Kilowattstunden haben. Damit kommt der kompakte Stelzenstromer bis zu 734 Kilometer weit. Das ist schon ganz ordentlich. Beim Testwagen mit montierten 20-Zoll-Rädern sind es immerhin noch 698 Kilometer. Auch das geht noch als Long Range durch.
Auf den ersten Blick ist der französische Crossover mit 400-Volt-Technik beim Laden eher Mittelklasse als Premium. Die DC-Ladeleistung von maximal 160 kW klingt neben 800-Volt-Autos zunächst mäßig. DS kontert mit der Ladekurve: Zwischen 20 und 55 Prozent soll die Leistung annähernd bei 160 kW bleiben, von 20 auf 80 Prozent vergehen beim 97,2-kWh-Akku 27 Minuten, in zehn Minuten sollen bis zu 200 Kilometer Reichweite nachgeladen sein.

Wo möglich, macht Plug & Charge das Bezahlen einfach. Für Allwetter-Vielfahrer sind die Batterievorkonditionierung und die Wärmepumpe wichtig. An der Wallbox sind 11 kW (dreiphasig) Serie, der 22-kW-Onboard-Lader kostet 700 Euro extra. Dass man mit dem DS N°7 E-Tense auch den eigenen Elektrogrill mit Strom versorgen kann (V2L), ist ein gern genutztes Feature.
Hybridsynchronmotor an der Vorderachse
Auch beim Antrieb haben sich die Techniker etwas einfallen lassen. Wie der Name schon sagt, hat der DS N°7 E-Tense FWD Long Range Vorderradantrieb. Die Leistung beträgt 180 kW / 245 PS bei 343 Newtonmetern Drehmoment. Per Boost sind kurzzeitig bis zu 206 kW / 280 PS möglich. Damit sprintet der 2.138 Kilogramm schwere Stromer in 7,8 Sekunden von null auf 100 km/h und schafft bis zu 190 km/h Spitze.
Die Kraft kommt von einem Hybridsynchronmotor (HSM), der sich von einer PSM-Maschine unterscheidet. Beim PSM erzeugen Permanentmagnete im Rotor ein festes Magnetfeld; beim HSM wird dieses Permanentmagnet-Prinzip mit einem zusätzlichen elektromagnetisch erzeugten Feld kombiniert. Dadurch kann der HSM sein Magnetfeld stärker an die jeweilige Fahrsituation anpassen: kräftig, wenn viel Drehmoment gebraucht wird, und schwächer bei hoher Drehzahl – das verbessert den Wirkungsgrad und erweitert den effizient nutzbaren Drehzahlbereich.
Moderater Stromverbrauch
Dass es sich hierbei nicht um eine Technikspielerei detailverliebter Ingenieure handelt, zeigt der Verbrauch unserer Testfahrt. Nach einer durchaus flotten Fahrt über kurvige Straßen im hügeligen Gelände an der Côte d’Azur rapportierte der Bordcomputer 20,7 kWh/100 km. Das sind 3,1 kWh/100 km mehr als DS angibt. Bei einer ruhigeren Zwischenetappe ging der Stromdurst auf 18,2 kWh/100 km zurück. Letzteres ist ohnehin die Kernkompetenz des DS N°7 E-Tense. Das liegt auch am cW-Wert von 0,26, der durch aerodynamisches Feintuning wie die lange Dachlinie erreicht wird. Bei der dreistufigen Rekuperation plus One-Pedal-Modus greifen die Ingenieure auf Algorithmen aus dem Formel-E-Team zurück.

Das Fahrwerk ist typisch französisch komfortabel abgestimmt. Selbst in Sport-Modus neigt sich die Karosserie in schnellen Kurven. Auch wenn die Lenkung kein Muster an Präzision und Rückmeldung ist, kann man mit dem E-Crossover durchaus flott durch die Kurven carven, ehe der Vorderwagen Richtung Straßenrand schiebt. Ein BMW wird daraus nicht. Soll er auch nicht werden. Wer ein elektrisches SUV als Präzisionswerkzeug sucht, wird beim iX1 eher glücklich.
Auto scannt die Fahrbahn auf Schlaglöcher
Dass die Active Scan Suspension, bei der die Kamera die Straße scannt und Unebenheiten meldet, nur im Comfort-Fahrprogramm aktiv ist, ist nicht optimal. Genauso wenig wie die Tatsache, dass es kein Individual-Fahrprogramm gibt. „Das wünschen unsere Kunden nicht“, behauptet Emmanuel Schaeffer.
Was gut funktioniert, sind die Fahrassistenzen (DS Drive Assist 2.0). Einmal aktiviert, hält der adaptive Tempomat zuverlässig die Spur und den Abstand zum Vordermann. Sobald man auf der Autobahn den Blinker betätigt, wechselt der DS N°7 selbsttätig die Fahrbahn. Das entspannt die Langstreckenreise deutlich. Platz ist genug vorhanden. Der N°7 ist 4,66 Meter lang und hat einen Radstand von 2,709 Metern. Das sind sieben Zentimeter beziehungsweise rund fünf Zentimeter mehr als beim Vorgänger. Deshalb findet man auch im Fond vernünftig Platz.

Innen versucht DS erst gar nicht, Audi oder BMW zu kopieren, sondern setzt nach wie vor auf die eigene französische Note. Unser Testwagen mit der umfangreichen Étoile-Ausstattung zeigt, was möglich ist, kostet aber auch 77.250 Euro. Nappaleder in Celeste Grau, Perlstichnähte, geprägte Flächen, Aluminium, das typische „Clous de Paris“-Muster und auf Wunsch Naturholz schaffen tatsächlich eine eigene Atmosphäre. Die vorderen Lounge-Sitze sind beheizt, belüftet und massieren. Gut: Aufblasbare Seitenwangen verbessern den Halt. Ein Druck auf die Taste seitlich am Sitz öffnet direkt das Menü für Wangenverstellung und Massage. Dazu kommt der DS Neck Warmer.
Das Lenkrad ist gewöhnungsbedürftig
Die Materialqualität ist dort hervorragend, wo Hände und Augen häufig hinkommen. Weiter unten findet sich allerdings auch Hartplastik, besonders in den Türen. DS kaschiert es immerhin mit Rillen und Oberflächenstrukturen. Manche aktuelle Audi-Innenräume sind keineswegs besser, eher schlechter. Weniger gelungen ist das Lenkrad. Es ist mit seinen Touchflächen optisch und funktional überladen und ähnlich unhandlich geformt wie das der neuen BMW-Modelle. Aufgrund der ungewöhnlichen X-Speichen verliert man beim Rangieren gelegentlich das intuitive Gefühl dafür, in welcher Stellung sich die Vorderräder befinden. Fairerweise muss gesagt werden, dass man sich nach einer gewissen Zeit an das Volant gewöhnt.

Das Infotainment ist ähnlich eigensinnig und verspielt: Das Zehn-Zoll-Instrumentendisplay und der zentrale 16-Zoll-Touchscreen wirken überladen. Auch wenn die Rechenleistung und Reaktionsgeschwindigkeit der Grafiken verbessert sind, könnten sie sich noch etwas schneller aufbauen. Auf der Habenseite stehen kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, vier USB-C-Anschlüsse, OTA-Updates sowie ein EV-Routing. Das plant Ladestopps, berücksichtigt dabei Fahrzeugdaten sowie Ladezustand und kann die Batterie vor dem Schnellladen vorkonditionieren. Der Sprachassistent agiert mit KI-Unterstützung und das Head-up-Display überzeugt durch gute Ablesbarkeit.
Preise starten bei 56.300 Euro
Der elektrische N°7 startet als 169 kW / 230 PS starker FWD Pallas mit 73,7-kWh-Batterie bei 56.300 Euro. Der gefahrene FWD Long Range kostet als Pallas ab 61.700 Euro und als Étoile ab 68.950 Euro. Unser konkret konfigurierter Wagen mit Seidengrün, schwarzem Dach, Nappaleder, Panoramaglasdach, Absolute Tech Pack und Absolute Comfort Pack landet bei 77.250 Euro. Das ist eine Stange Geld – aber die Konfiguration enthält dann unter anderem Lounge-Sitze, Massage, Sitzbelüftung, Neck Warmer, das Focal Electra 3D-Soundsystem mit 14 Lautsprechern, Night Vision, Head-up-Display, 360-Grad-Kamera, DS Drive Assist 2.0 und Active Scan Suspension. Dieser Umfang macht es auch dem Audi Q4 e-tron und dem BMW iX1 schwer.