Ein Roadtrip mit dem Elektroauto steht einer Fahrt mit dem Verbrenner inzwischen in nichts mehr nach. Doch ein wenig Planung ist dennoch notwendig: Europas Lade-Infrastruktur wächst zwar rasant, weist aber je nach Land oder Region noch Lücken auf. Erfahren Sie, welche Länder in Europa das beste E-Auto-Erlebnis bieten und welche Apps für den Roadtrip praktisch sein können.
Niederlande
Am sorglosesten fahren Sie mit Ihrem E-Auto durch die Niederlande. Über 200.000 öffentliche Ladepunkte gibt es im Land – das größte Ladenetz Europas. Pro 1.000 Einwohner stehen im Schnitt elf Ladepunkte zur Verfügung, was zugleich für die höchste Dichte auf dem Kontinent sorgt.
Sie können also einfach dort laden, wo Sie ohnehin Pause machen würden. Und auch abseits der Autobahnen entlang der Küste oder in kleineren Grachtenstädtchen finden Sie eigentlich immer eine freie Säule.
Norwegen
Den höchsten Anteil an Elektrofahrzeugen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung hat Norwegen. Es stehen daher fast überall Schnelllader zur Verfügung. Sie können hier meist ganz unkompliziert mit Kreditkarte oder App bezahlen.
Allerdings sollten Sie mit höheren Strompreisen als in Mitteleuropa rechnen und immer daran denken, dass die Bergregionen Reichweitenverluste bedeuten können.
Deutschland, Österreich und die Schweiz
Deutschland hat mit 200.000 öffentlichen Ladepunkten genauso viele Lademöglichkeiten wie die Niederlande – allerdings ist das Land deutlich größer. Und in ländlichen Regionen ist die Abdeckung noch nicht so flächendeckend. Entlang der Autobahnen ist die Versorgung dank Schnellladeparks mit 150 bis 400 kW aber inzwischen mehr als gut.
Österreich (ca. 40.000 Ladestationen) und der Schweiz (ca. 20.000 Stationen) bescheinigt der ADAC ein gut ausgebautes Netz. Der deutsche Automobilclub bietet die Apps ADAC Maps und ADAC Drive App an, mit denen Sie sich europaweit etwa 360.000 Ladepunkte anzeigen lassen können.
Frankreich
Frankreich hat in den letzten Jahren aufgeholt und besitzt inzwischen das drittgrößte Ladenetzwerke der EU. Sie finden in der Regel alle 50 bis 80 Kilometer auf den Autobahnen Schnellladepunkte.
Denn die EU-Verordnung AFIR verpflichtet die Mitgliedstaaten, entlang der Hauptkorridore in festen Abständen Ladeleistung bereitzustellen und Ad-hoc-Zahlung per Karte zu ermöglichen.
Großbritannien
Für einen Roadtrip mit dem E-Auto ist das Vereinigte Königreich besonders reizvoll: Viele Strecken – wie Cornwall oder die North Coast 500 – können Sie heutzutage problemlos elektrisch fahren, weil sich überall Schnellladestationen befinden.
Fürs Aktivieren der Ladesäule ist eine zuverlässige Mobilverbindung wichtig. Zu beachten für Großbritannien ist jedoch, dass bei manchen deutschen Mobilfunkanbietern nach dem Brexit nicht mehr die EU-Roaming-Regelung gilt. Roaming ist möglich, aber teilweise mit hohen Roaming-Gebühren verbunden.
Tipp: Eine eSIM für England oder ganz Großbritannien mit günstigen Datentarifen kann Ihnen helfen, zuverlässig in Verbindung zu bleiben, um Ihr E-Auto zu laden und auch zu navigieren oder überhaupt die nächste Ladestation zu finden.
Buchen Sie Ihr Datenpaket noch vor der Abreise, installieren Sie die eSIM und aktivieren Sie per QR-Code nach der Ankunft. Vorteil ist, dass Ihre eigentliche Telefonnummer aktiv bleibt, z. B. für Zwei-Faktor-Authentifizierungen, und nur die mobilen Daten über die eSIM laufen.
Apps und Bezahlung: Ihre Grundausstattung
Planen Sie Ihre Route vorab mit Diensten wie A Better Routeplanner, Chargemap oder den Hersteller-Apps Ihres Fahrzeugs. Für die Abrechnung empfehlen sich Roaming-Ladekarten, etwa ADAC e-Charge, EnBW mobility+ oder Octopus Electroverse.
Prüfen Sie vor Reiseantritt, ob Ihre Kreditkarte im Zielland akzeptiert wird, damit Ihnen nicht plötzlich das Laden verwehrt wird, weil die Karte abgelehnt wurde.
Steckertypen und Ladeleistung: Was zu beachten ist
Der Standard für das Schnellladen mit Gleichstrom in Europa ist CCS (Combined Charging System). Dieses System ist praktisch an jeder Ladestation zwischen Lissabon und Oslo zu finden.
Dann gibt es noch Säulen mit Wechselstrom – z. B. in den Städten oder auf dem Parkplatz am Hotel –, die oft kein Kabel zum Laden integriert haben. Hier brauchen Sie Ihr eigenes Typ-2-Kabel. Achtung: Das Laden dauert hier deutlich länger als an einer Schnellladestation.
Manche Fahrzeuge (vor allem ältere Modelle von japanischen Herstellern), die einen CHAdeMO-Anschluss besitzen, haben zunehmend Probleme, eine Schnellladesäule zu finden. Die Besitzer sollten sich deshalb vorab informieren, wo sie auf Ihrem Roadtrip Strom ziehen können.
Fazit: Kein Grund zur Reichweitenangst
Für den Roadtrip durch Europa mit dem Elektroauto sind die Niederlande, der DACH-Raum, Frankreich und Großbritannien hervorragend geeignet. Trotzdem sollten Sie Ihre Route vorab grob planen und sichergehen, dass Sie unterwegs problemlos laden können, damit der Ladestopp zur entspannten Pause und nicht zum Stresstest wird.