Es gibt bereits rote iPhones, rote Kreditkarten und Motorroller – und künftig auch den neuen vollelektrischen Fiat 500 in roter Lackierung. Nicht in Ferrari-Rot, auch nicht im klassischen „Passione Red“, der profanen Lackierung, in der man den Cinquecento schon länger ordern konnte. Nein, neu im Lieferprogramm von Fiat ist seit Mittwochabend das spezielle und kräftige Rot der „Product Red“-Initiative, die der irische Popsänger Bono und sein Freund Bobby Shriver 2008 aus der Taufe gehoben hatten, um durch den Verkauf von Markenrechten Mittel zur Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkulose zu generieren. Seit Ausbruch der Corona-Krise haben Bono und sein Team ein neues Betätigungsfeld – und mit Fiat einen neuen Sponsor: Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf des neuen Fiat 500 RED fließt in die Corona-Forschung und die Versorgung der Bevölkerung ärmerer Länder mit Impfstoffen. Rund vier Millionen Dollar sollen darüber zusammen kommen – auch Chrysler und Jeep werden sich an der Aktion beteiligen und eigene RED-Fahrzeuge anbieten.

Vorgestellt wurde die neue Variante am Mittwochabend in Turin von Fiat-Chef Olivier Francois in Anwesenheit von Bono und Vertretern der Fiat-Gründerfamilie Agnelli anlässlich der Eröffnung von „Casa 500“ und „La Pista 500“, einem der Geschichte des Cinquecento gewidmeten neuen Museum sowie einer Grünanlage auf dem Dach des früheren Fiat-Werks Lingotto. In der legendären, 1921 gebauten Autofabrik liefen bis 1982 Millionen Autos vom Band, die anschließend auf einem ein Kilometer langen Testparcours auf dem Dach probegefahren wurden. Lang, lang ist‘s her – und lange war das stillgelegte Werk eine offene Wunde im Herzen der Stadt. Doch nun kehrt das Leben in die umgebauten Werkshallen zurück.

“Dialog mit der Welt der Kunst und der Umwelt“

 “ Lingotto“, führte bei einem kleinen Festakt Ginvera Elkann aus, die Enkelin von Gianni Agnelli, „ist ein magischer Ort, ein Symbol für die Industrialisierung Italiens, das sich mit der Zeit verändert hat, um auf neue Bedürfnisse zu reagieren. Vor Jahren, als die Produktion eingestellt wurde, erhielt Lingotto durch das Projekt von Renzo Piano eine neue Aufgabe und wurde für die Turiner Bevölkerung geöffnet. Dazu gehörten auch die Räume, die für die Kunstsammlung von Giovanni und Marella Agnelli eingerichtet wurden: eine besondere Ausstellung, die geschaffen wurde, um die Leidenschaft der Agnellis für Kunst mit der Stadt zu teilen. Heute, zu diesem Neubeginn, knüpft Lingotto an seine ursprüngliche Identität an: Es feiert die Vergangenheit und projiziert dieses Erbe in eine neue Vision der Zukunft. Mit der Pinacoteca, Casa 500 und La Pista 500, dem riesigen hängenden Garten, vermittelt Lingotto eine integrative und nachhaltige Vision der Zukunft und einen fruchtbaren Dialog mit der Welt der Kunst und der Umwelt“.

Blick über die Dachgärten der alten Autofabrik
Nach den Plänen von Renzo Piano wurde das 100 Jahre alte Automobilwerk im Herzen von Turin umgebaut. Auf dem Dach gibt es jetzt eine Joggingstrecke, Europas größten Dachgarten und den futuristischer Konferenzraum „Bolla“.

Auch für Fiat-Chef Francois hat der Umbau der alten Fabrik hohe symbolische Bedeutung. „Ein Ort, der vor hundert Jahren per Definition ein Ort der Umweltverschmutzung war, mit einer Teststrecke, die früher geheim und unzugänglich war, ist heute ein Garten, der sich allen Turinern öffnet. Dies unterstreicht, dass unser Ziel nicht nur darin besteht, Autos zu vermarkten, sondern dass es bei unserer neuen Reise auch darum geht, das Klima, die Gemeinschaft und die Kultur zu schützen.“ Der Dachgarten werde in Zukunft für saubere Luft in der Stadt sorgen, die sukzessive Umstellung der Fiat-Modellpalette auf den Elektroantrieb die Welt Stück für Stück besser machen – auch ethischer.

Roter Fahrersitz als „bewusste Provokation“

Und nicht nur ein wenig, die Rede ist dabei von großen Stückzahlen. Francois: „Mit unserem neuen Cinquecento und den neuen Elektroautos, die wir in den kommenden Jahren auf den Markt bringen werden, wollen wir die E-Mobilität demokratisieren.“ Dazu sei im Stellantis-Konzern neben Fiat allenfalls noch Citroen in der Lage.

Insofern ist der Fiat 500 RED trotz der roten Farbe ein „grünes“ Auto, aber auch Ausdruck der Verantwortung, in der sich das Autounternehmen sieht. Mit einem Verkaufspreis für das „kleine“ Modell mit 70 kW-Antrieb von 28.990 Euro vor Umweltbonus (in Italien beträgt der Kaufpreis 22.800 Euro) ist es erschwinglich und trotzdem in vielen Details einzigartig: Um die Überzeugung zu symbolisieren, dass jeder einen Teil zum Kampf gegen Pandemien beitragen und daher den Wandel anführen kann, wurde die Sitze im Innenraum zweifarbig ausgeführt: Fahrersitz sitzt (auf Wunsch und ohne Aufpreis) auf einem roten Bezug, seine Mitfahrer auf Sitzen in Schwarz. „Dies ist eine bewusste Provokation“ erläuterte Francois das ungewöhnlich Setting. „Es ist eine Einladung an den Fahrer: Sei bereit, den Wandel zu beschleunigen.“

Dankesschreiben von Bono und Francois

Als zusätzliche Motivationshilfen gibt es für die Käufer übrigens Dankesschreiben des Firmenchefs und von Bono in einem speziellen „Welcome-Kit“. Allein das könnte für Fans von U2 ein Argument sein, sich den Fiat 500 RED zuzulegen. Beeilen muss man sich mit der Bestellung übrigens nicht: Das Modell ist nicht limitiert.

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