Es ist der 12. Februar 2026, und wenn man den UE Studios glauben darf, hat der öffentliche Nahverkehr ab heute ein neues Gesicht. Es hört auf den Namen SUE (kurz für Self-driving Urban E-Shuttle), kommt ohne Fahrer aus und – das ist die eigentliche Nachricht – kriecht nicht im Schritttempo über den Asphalt, sondern schwimmt dank zwei Elektromotoren und einer Spitzenleistung von 160 kW mit 50 km/h ganz entspannt im Stadtverkehr mit.

Nach vier Jahren intensiver Entwicklung im „Stealth Mode“ und ersten Teasern auf der K-Messe feierte das Projekt in Gaimersheim bei Ingolstadt heute seine offizielle Weltpremiere. Und das Echo ist eindeutig: Endlich mal keine reine Vision, sondern Hardware, die fahren kann.

Mehr als nur ein „People Mover“

Wer an autonome Shuttles denkt, hat oft klobige Kästen im Kopf, die verwirrt an Kreuzungen stehenbleiben. SUE macht da einiges anders. Alexander Uedelhoven, der Kopf hinter den UE Studios (die sonst eher diskret für die großen Autohersteller designen), nennt es ein „Leuchtturmprojekt für technologische Souveränität“.

Gruppenbild mit Dame 
Mit einem kleinen Team hat Alexander Uedelhoven (8.v.l.) das "Leuchtturmprojekt für technologische Souveränität" realisiert.
Gruppenbild mit Dame und Partnern
Zusammen mit Partnern hat Alexander Uedelhoven (8.v.l.) das „Leuchtturmprojekt für technologische Souveränität“ realisiert.

Klingt sperrig, heißt aber übersetzt: Von der Software bis zur letzten Schraube kommt hier alles aus Deutschland. Ein Konsortium aus DB Regio, ElringKlinger, TÜV Nord und diversen Hochschulen hat hier nicht einfach Teile zusammengesteckt, sondern eine komplett neue Plattform entwickelt.

Der „WALL-E“-Faktor

Das Erste, was auffällt: SUE guckt dich an. Und zwar freundlich. Die Designer sprechen ganz offen vom „WALL-E-Effekt“. Statt aggressiver LED-Schlitze oder kalter Roboter-Logik setzt das Design des 4,60 Meter langen Kleinbusses auf große Glasflächen (aus speziellem Polycarbonat von Covestro) und eine Optik, die Berührungsängste abbauen soll. Man steigt nicht in eine Maschine, sondern in einen „Shared Space“ von knapp zwei Metern Höhe.

Das Highlight für Techies steckt aber unter dem Boden.

Die 48-Volt-Revolution

Normalerweise hantieren Elektro-Busse mit Hochvolt-Systemen (400V oder 800V), was bedeutet: Wenn mal was kaputt ist, darf nur der spezialisierte Hochvolt-Elektriker ran. SUE hingegen läuft auf einer 48-Volt-Niedervolt-Plattform, die von ElringKlinger entwickelt wurde. Zwei extrem flache Batteriepacks mit insgesamt 63 kWh Speicherkapazität sind in den Fahrzeugboden integriert. Das senkt den Schwerpunkt, erhöht die Fahrstabilität und ermöglicht einen barrierearmen, nahezu ebenen Einstieg auf lediglich 28 Zentimetern Höhe.

Shutteln im Kerzenschein 
"SUE" bietet den bis zu acht Fahrgästen eine ganz andere Aufenthaltsqualität als in einem Linienbus. Fotos: Studio Uedelhoven
Shutteln im Kerzenschein
„SUE“ bietet den bis zu acht Fahrgästen eine ganz andere Aufenthaltsqualität als in einem Linienbus. Fotos: Studio Uedelhoven
  • Der Clou: Das 48-Volt-System macht die Wartung so simpel wie bei einem E-Bike. Jede kommunale Werkstatt könnte das Ding theoretisch reparieren.
  • Die Sicherheit: Berührungsschutz ist quasi eingebaut.
  • Das „Skateboard“: Der gesamte Aufbau ist modular. Heute People Mover, morgen vielleicht Cargo-Bot? Die Basis bleibt gleich.

Wann können wir einsteigen?

Theoretisch sofort, praktisch bald. SUE ist keine reine Messe-Studie. In der Modellregion Kelheim / Bad Gögging ist der Einsatz bereits fest eingeplant. Dort soll das Shuttle Kurgäste und Pendler vom Bahnhof in die Stadt bringen – und zwar genau dann, wenn sie es brauchen (On-Demand), und nicht, wenn der starre Fahrplan es sagt. SUE ist jedenfalls der Beweis, dass autonomes Fahren in Deutschland nicht tot ist. Es muss nicht immer das Robotaxi aus dem Silicon Valley sein – manchmal reicht auch ein cleveres Mädel aus Bayern.

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