Porsche 924, VW Scirocco, Hyundai Genesis, Peugeot RCZ oder Opel Astra GTC – es gab sie einmal, die sportlichen Zweitürer zu bezahlbaren Preisen. Mit Platz für zwei, einem schicken Design und jeder Menge Emotionen hoben sich diese in der Vergangenheit wohltuend von drögen Limousinen oder den heute allgegenwärtigen SUV ab. Auch Honda war einst sportlicher denn je und unterstrich dies abgesehen von einem grandiosen NSX mit Mittelstands-Coupés wie dem CRX – oder dem Prelude.
Genau diesen Prelude legen die technikverliebten Japaner jetzt neu auf und haben damit zumindest im Volumensegment ein echtes Alleinstellungsmerkmal. Leider hapert es bei der sechsten Generation mit dem dynamischen Anspruch, denn so sehenswert sich das Coupé gerade von außen auch präsentiert, so wenig sportlich sind seine Gene. Das liegt erst einmal an einem Antriebskonzept, das sich maximaler Effizienz verschrieben hat. Statt eines kraftvollen Turbomotors mit 250 oder noch mehr 300 PS gibt es beim frontgetriebenen Prelude der Neuzeit ein vergleichsweise müdes Hybridpaket, bei dem ein Benziner mit zwei Elektromotoren an einem Strang ziehen.

Ganz ohne Spoilerwerk kommt die Heckpartie des Honda Prelude daher. Was für einen sozialverträglichen Charakter spricht.
Das hilft, den Spritverbrauch auf dem Prüfstand bis auf 5,2 Liter/100 Kilometer zu senken. Die Honda-Ingenieure haben dafür tief in die Trickkiste gegriffen. Der zwei Liter große Saugmotor, der im effizientem Atkinson-Kreisprozess mit unterschiedlichem Kolbenhub arbeitet, treibt abhängig vom angewählten Fahrmodus die Vorderachse nicht direkt an, sondern speist als Generator eine kleine Batterie mit Strom. Mit dem werden dann die Elektromotoren bewegt. Ist der Prelude – erkennbar auch über eine Anzeige in der Instrumenteneinheit – im Hybridmodus unterwegs, versorgt der Generator entweder den elektrischen Antrieb. Oder der direkteinspritzende Benziner treibt über eine Überbrückungskupplung die 19 Zoll großen Vorderräder direkt an.
Automatik gaukelt Schaltvorgänge vor
Die Fahrleistungen sind entsprechend – die sportlichen Ambitionen auch. So leistet das Antriebspaket im Vorderwagen 135 kW oder 184 PS bei einem maximalen Drehmoment von 315 Newtonmeter. Das ist mehr als genug, um im Verkehr entspannt mitschwimmen und munter beschleunigen zu können. Doch von einem dynamisch gezeichneten Zweitürer erwartet man eigentlich mehr.

Die S+-Taste zaubert nicht mehr Motorleistung hervor, sondern ein imaginäres Achtgang-Getriebe, das beim Herunterschalten über die Lenkradwippen sogar ein Auspuffblubbern aus den Lautsprechern erklingen lässt. Fotos: Honda
Um dem Fahrer Sportlichkeit im Stil der alten Zeit vorzugaukeln, haben die Honda-Entwickler aus der stufenlosen Automatik ein imaginäres Achtganggetriebe gezaubert, das per Druck auf den S+-Taster mehr Emotionen wecken soll. Durch angestrengte Gangwechsel, die es gar nicht gibt und ein Auspuffblubbern beim imaginären Herunterschalten. Da fragt man sich schon: Muss das sein?
Einstandspreis von knapp 50.000 Euro
Denn an sich ist der neue Honda Prelude schon ein stimmiges Paket, mit ordentlich Leistung und einem Fahrwerk, das bis zur Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h viel Freude macht. Es bleibt allerdings die Frage, ob ein effizienter Hybridantrieb in einem Sportcoupé die rechte Wahl ist. Zumal der Einstandspreis von 49.500 Euro durchaus ambitioniert ist. Das neue Sportcoupé in der Garage von Honda dürfte sich deshalb auf den meisten Märkten schwer tun. So mancher träumt von der Neuauflage eines Type R. Vielleicht sogar mit einem Elektroantrieb?