Eigentlich war es ja nur eine Frage der Zeit, bis Hyundai seine Elektroautos auch in einer N-Version anbieten – das N steht bei den Koreaner für Nürburgring oder Nordschleife – Performance oder maximalen Fahrspaß. Nun ist es offiziell: Im nächsten Jahr wird es eine N-Version des Ioniq 5 geben, gab das Unternehmen auf einem „N-Day“ in Südkorea jetzt bekannt.

Die Top-Variante des Stromers ist mit Allradantrieb und 239 kW (325 PS) Leistung eigentlich heute schon alles andere als untermotorisiert und überzeugt dynamisch. Doch jetzt soll die N-Version dieses Potenzial zur Gänze ausschöpfen und ab dem nächsten Jahr unter anderem dem Porsche Taycan Konkurrenz machen. Vermutlich ein Jahr später ergänzt der Ioniq 6 N das dynamische Angebot, das der ehemalige BMW-M-Chef und spätere Hyundai-Entwicklungschef Alfred Biermann noch vor seinem Ruhestand aufgegleist hatte.

Rollendes Labor auf der Piste 
Der RN22e genannte Prototyp des Ioniq 6 N dreht auf Rennstrecken bereits seine Testrunden. Fotos: Hyundai
Rollendes Labor auf der Piste
Der RN22e genannte Prototyp des Ioniq 6 N dreht auf Rennstrecken bereits seine Testrunden. Fotos: Hyundai

Ein Prototyp des Ioniq 6 N mit dem Star-Wars-ähnlichen Namen RN22e dreht in Südkorea bereits seine Testrunden. Da dieses rollende Labor sich mit dem Ioniq 5 die E-GMP-Plattform und den Antriebsstrang teilt, geben die technischen Daten schon einen gewissen Ausblick, mit wieviel Power der Ioniq 5 N später in den Ring steigen will. Das 4,91 Meter lange Elektroauto hat einen Allradantrieb mit 430 kW (585 PS) Leistung sowie 740 Newtonmeter Drehmoment und erreicht mehr als 250 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die Energie kommt von der bekannten Batterie mit einer Speicherkapazität von 77,4 Kilowattstunden.

Ein Elektromotor, aber zwei Kupplungen

Doch eine sportliche Variante eines Fahrzeugs zeichnet sich nicht nur durch Längsdynamik aus. Autos wie der Hyundai i30 N und die i20 N überzeugen vor allem mit ihrer Agilität. Das soll bei den Ioniq N-Versionen natürlich nicht anders sein. Allerdings ist das Gewicht eines Elektromobils wegen des schweren Akkus deutlich höher als das eines Verbrenners. Deswegen verbauen die Ingenieure viele Teile aus dem 3D-Drucker, um das Auto ordentlich zu erleichtern.

Zudem nutzen die Koreaner für das dynamikfördernde Torque Vectoring ein System mit zwei Kupplungen. Das System besteht aus einer inneren und einer äußeren Kupplung, die das Drehmoment aktiv auf das einzelne Räder verteilen können. So wird der zweite Elektromotor überflüssig – und das Auto deutlich leichter.

Ready to rumble 
Der Ioniq 6 soll in der N-Version auch einem Porsche Taycan Konkurrenz machen können - finden die Hyundai-Entwickler.
Ready to rumble
Der Ioniq 6 soll in der N-Version auch einem Porsche Taycan Konkurrenz machen können – finden die Hyundai-Entwickler.

Da diese Masse auch verzögert werden muss, kommen Vierkolbenbremsen mit mächtigen 400 Millimeter Scheiben zum Einsatz. Die Standfestigkeit ist ein großes Thema, deswegen finden die Tests des RN22e auf der Rennstrecke unter härtesten Bedingungen statt. Da steht auch die Kühlung der Bremsen auf dem Prüfstand, die optimal sein muss, um ein Fading – ein Nachlassen der Bremswirkung – zu verhindern. Deswegen sind bei den Prototypen die Frontsplitter und die Kühlkanäle optimiert. Die Rekuperationsbremsen werden dazu genutzt, um das Einlenken in die Kurven zu verbessern.

„N Vision 74“ mit Brennstoffzelle und Batterie

Der zweite, serienferne Prototyp mit dem Namen Hyundai N Vision 74 ist eine Hommage an das Hyundai Pony Coupe Konzept aus dem Jahr 1974, dessen Design aus der Feder von Giorgetto Giugiaro stammte. Garniert wurde er mit Elementen des Hyundai N 2025 Vision Gran Turismo aus dem Jahr 2015. Unter der ansehnlichen Hülle mit dem mächtigen Heckflügel verbirgt sich ein Brennstoffzellenantrieb mit mehr als 500 kW (680 PS) Leistung und einem maximalen Drehmoment von 900 Nm. Die Brennstoffzelle selbst leistet normalerweise 85 kW, maximal sogar 95 kW.

Extremkeil im Stil von Giorgetto Giugiaro 
Unter der stylischen Haut des Extrem-Sportwagens steckt ein Brennstoffzellenantrieb, der für große Reichweiten und maximale Performance mit einem 62,4 kWh großen Lithium-Ionen-Akku gepaart ist
Extremkeil im Stil von Giorgetto Giugiaro
Unter der stylischen Haut des Extrem-Sportwagens steckt ein Brennstoffzellenantrieb, der für große Reichweiten und maximale Performance mit einem 62,4 kWh großen Lithium-Ionen-Akku gepaart ist

Die Wasserstofftanks fassen 4,2 Kilogramm, zusätzlich hat der Stromer einen Akku mit einer Kapazität von 62.4 kWh an Bord. Damit soll der Bolide ohne Tank- oder Ladestopp über 600 Kilometer weit fahren können. Angetrieben wird der über 250 km/h schnelle Hyundai N Vision 74 von zwei Elektromotoren an der Hinterachse. Durch das gezielte Ansteuern der jeweiligen E-Maschine soll ein aktives Torque Vectoring möglich sein..

Es wird spannend zu sehen sein, in welcher Art und Weise das Konzept in die Serienproduktion einfließt – und was der N-Spaß letztlich kosten wird. Unser Appetit ist jedenfalls schon einmal geweckt.

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